Hussein Moubarak arbeitet im ehrenamtlichen „Flüchtlingsnetzwerk Stuhr“

„Wir suchen Leute mit Lust auf Kontakt zu Flüchtlingen“

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Hussein Moubarak zeigt die frisch gedruckten Flyer des „Flüchtlingsnetzwerks Stuhr“, in dem Ehrenamtliche die Hilfe für Migranten koordinieren.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Einsamkeit und Kommunikationsprobleme – vor allem darunter leiden Flüchtlinge, wenn sie in Deutschland ankommen. Wer das sagt, muss es wissen: Hussein Moubarak hat viel Kontakt zu den Migranten aus den arabischen Kriegsregionen.

Als Muttersprachler ist er unentbehrlich im „Flüchtlingsnetz Stuhr“, das sich auf Initiative von Ute Sydow gegründet hat (wir berichteten). „80 Prozent der Flüchtlinge sprechen Arabisch“, sagt Moubarak.

Der 30-Jährige sieht sich nicht nur als Dolmetscher. „Ich bin Flüchtlingshelfer“, sagt er, und als solcher sei er an manchen Tagen von morgens bis abends unterwegs. „Ich bekomme noch um 22 Uhr einen Anruf, dass ich jemanden ins Krankenhaus fahren soll“, berichtet Moubarak. Ohne Sprachbarriere ist der Draht zu ihm kurz.

Generell sei Stuhr in der Flüchtlingshilfe gut aufgestellt, findet Moubarak. Es gebe immer mehr Menschen mit immer neuen Ideen. Mitglieder des Netzwerks kümmern sich um die Wohnungssuche oder melden Kinder in Fußballvereinen an und begleiten sie zum ersten Training. Die Gemeinde bemühe sich ebenfalls nach Kräften, Moubarak nennt namentlich Claudia Blauth. „Aber was fehlt, ist ein hauptamtlicher Integrationshelfer.“ Denn alle ehrenamtlichen Unterstützer seien inzwischen überlastet.

Das hat auch die Verwaltung längst erkannt. Nach Auskunft von Bürgermeister Niels Thomsen soll es bald eine Schnittstelle zwischen Haupt- und Ehrenamt geben. „Ich habe den Auftrag, im Stellenplan Vorsorge zu treffen“, verrät Thomsen. „Alle haben erkannt, dass wir diesen Brocken personell sonst nicht bewältigen können.“

Ein hauptamtlicher Integrationsbeauftragter würde der Flüchtlingshilfe eine bessere Struktur geben, glaubt Moubarak. Vorausgesetzt, er spreche Arabisch und verfüge über interkulturelle Kenntnisse. „Das hilft, Fehler zu vermeiden.“ Moubarak nennt das Beispiel einer traumatisierten Frau mit drei Kindern, der ein weiterer Mitbewohner zugeteilt worden sei. Oder das eines Mannes, den die Behörde zum Ausländeramt in Syke geschickt habe. „Daraufhin hat er vier Stunden am Zob gestanden und jeden Busfahrer gefragt, ob er nach Syke fährt.“

Moubarak ist im Zuge des Bürgerkrieges in seiner Heimat Libanon als Vierjähriger nach Stuhr gekommen. Er hat Deutsch im Kindergarten gelernt und keine sprachlichen Probleme gehabt. Im kommenden Jahr möchte er ein Studium der sozialen Arbeit aufnehmen. Doch als Kind hat er Ausgrenzung erlebt. „Wenn ich mit einem deutschen Freund spielen wollte, habe ich mich bei seinen Eltern am Telefon mit Jens gemeldet“, erinnert er sich. „Da muss man sich nicht wundern, wenn Parallelgesellschaften entstehen, wie das in den vergangenen 50 Jahren der Fall war.“

Seit ein paar Jahren funktioniere die Integration in Deutschland besser. „Sie funktioniert am besten, wenn möglichst früh Beziehungen zwischen den hier lebenden Menschen und den Migranten entstehen“, weiß Moubarak und fügt hinzu: „Wir brauchen mehr Leute, die bereit sind, Kontakt zu den Flüchtlingen aufzunehmen. Einsamkeit führt zu Retraumatisierung und zur subjektiven Wahrnehmung von Ausgrenzung.“ Die Menschen müssten allerdings zueinander passen. Ein junger Erwachsener habe andere Interessen als ein Rentner. Moubarak bietet jedem Bürger an, ihn unter Telefon 0162/ 9778144 zu kontaktieren. „Ich traue mir zu, Menschen zusammenbringen, zwischen denen die Chemie stimmt.“

Die jüngste Willkommenskultur in Deutschland habe gezeigt, welch positive Kraft in dieser Gesellschaft stecke. Nun komme es darauf an, sie in richtige Bahnen zu lenken. Moubarak: „Der Umgang mit dem Integrationsprozess wird entscheiden, ob wir erfolgreich sein werden oder nicht.“

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