Sachkundenachweis erforderlich

Tierheim Arche Noah: Gassi gehen nur noch mit „Lappen“

Hündin Steffi geht gerne spazieren. Daher ist sie ebenso wie Tierpflegerin Nadine Yavuz froh, dass es die ehrenamtlichen Gassigänger gibt. Foto: Heinfried Husmann
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Hündin Steffi geht gerne spazieren. Daher ist sie ebenso wie Tierpflegerin Nadine Yavuz froh, dass es die ehrenamtlichen Gassigänger gibt.

Brinkum - Im Tierheim Arche Noah gibt es ab Januar eine einschneidende Änderung. Wer künftig mit einem der Hunde, die dort leben, Gassi gehen will, muss die theoretische Sachkundeprüfung für Hundehalter ablegen. „Wir haben in der jüngeren Vergangenheit leider immer wieder erleben müssen, dass sich nicht alle Gassigänger an unsere Vorgaben halten“, begründet das Team der Arche Noah diesen Schritt.

„Uns ist bewusst, dass der Sachkundenachweis nicht auf uneingeschränkte Gegenliebe stoßen wird“, erläutern die Mitarbeiter des Tierheims in einem öffentlichen Schreiben. Doch es sei vorgekommen, dass Gassigänger bei Spaziergängen den Hunden trotz ausdrücklichen Verbots Maulkörbe abgenommen haben. Dass sie Kindern die Leine überlassen haben, obwohl diese körperlich nicht in der Lage sind, Hunde zu halten, sollte es mal brenzlig werden. Oder dass sie Vierbeiner aus dem Tierheim heimlich mit Artgenossen zusammengeführt haben. „Schlimmstenfalls kann es da zu Beißereien kommen“, sagt Nadine Yavuz. Sie arbeitet als Tierpflegerin bei der Arche Noah.

Yavuz und ihren Kollegen ist bewusst, dass sich nicht jeder über die Regeln hinwegsetzt. „Trotzdem müssen wir zur Sicherheit ein gewisses Grundverständnis rund um den Hund fair und vergleichbar von jedem gleichermaßen einfordern dürfen.“

Viele Tierheime haben „Lappen“-Pflicht bereits

Dass Tierheime von ihren Gassigängern einen Nachweis ihrer Qualifikation verlangen, ist nicht ungewöhnlich. In anderen Einrichtungen ist das längst Usus. „Die meisten Tierheime machen es den Leuten nicht so leicht, mit den Hunden Gassi zu gehen“, berichtet Yavuz.

Die Sachkundeprüfung für Hundehalter gliedert sich normalerweise in zwei Teile, einen theoretischen und einen praktischen. Um die Arche Noah auch in Zukunft als Gassigänger ehrenamtlich zu unterstützen, reicht es, die Theorie zu bestehen.

Das Tierheim stellt den Gassigängern Lehrbücher zur Verfügung, mit denen sie sich auf den Test vorbereiten können. Die Bücher tragen den Titel „Der Hundeführerschein“. Tatsächlich ähnelt die Theorie-Prüfung für den Sachkundenachweis der theoretischen Führerschein-Prüfung. Es gilt, Multiple-Choice-Fragen zu beantworten – nur dass diese sich eben nicht um Verkehregeln drehen, sondern um die Körpersprache von Hunden und den Umgang mit ängstlichen oder aggressiven Tieren. „Ein großer Teil umfasst auch die Gesetzeslage“, erklärt Yavuz. Die Prüfung können die Teilnehmer direkt im Tierheim machen, an einem von zunächst vier angesetzten Terminen. Sie dauert eine bis anderthalb Stunden. „55 Euro müssen wir dafür nehmen“, sagt die Tierpflegerin. Und ergänzt: „Aber wir verdienen daran nichts.“ Es fallen Kosten an, da offizielle Prüfungsbögen nötig sind.

Fast alle Helfer begrüßen „Arche Noah“-Änderung

Es gibt laut Yavuz durchaus Personen, die keine Prüfung machen möchten und daher künftig als Gassigänger ausscheiden. Doch die meisten Helfer würden die Änderung begrüßen. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass das Tierheim nicht nur Forderungen stellt, sondern zeitgleich an seinem Angebot feilt. Das Team will die Gassi-Zeiten erweitern. Außerdem erhalten einige Helfer die Möglichkeit, auch den praktischen Teil des Sachkundenachweises mit einem passenden Vierbeiner aus der Arche Noah zu machen. Die Ehrenamtlichen freut das, weil sie so außerhalb der Gassigehzeiten Zeit mit den Hunden verbringen können. Die Tiere freut das ebenfalls – welcher Hund hat nicht gerne etwas Abwechslung im Alltag, noch dazu verbunden mit Leckerli? Außerdem steigen durch das Training die Vermittlungschancen der Tiere. Und das freut wiederum die Mitarbeiter der Arche Noah.

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Mehr als 30 Hunde leben zurzeit im Brinkumer Tierheim. Wie viele Gassigeher es gibt, lässt sich laut Nadine Yavuz hingegen schwer sagen. „Bei schönem Wetter haben wir oft mehr Gassigeher, als wir Hunde haben. Bei schlechtem Wetter kommen manchmal nur zwei oder drei Personen.“

Übrigens: Viele Hunde des Brinkumer Tierheims Arche Noah tragen einen Maulkorb beim Gassi gehen. „Das heißt nicht, dass sie alle böse Monster sind und beißen“, erklärt Tierpflegerin Nadine Yavuz. Es handele sich in der Regel um eine Sicherheitsmaßnahme, „mit der sich alle Beteiligten besser fühlen“. Für die Hunde seien die Maulkörbe nicht schlimm. Sie zu tragen, sei ihnen auf eine sehr positive Art und Weise antrainiert worden, mit Lob und Leckerli. „Die freuen sich, wenn sie den Maulkorb sehen“, sagt Nadine Yavuz. „Das bedeutet entweder Futter oder Gassi gehen.“

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