Horst-Dieter Hoyer schreibt über eigene Erlebnisse

Plattdeutsche Kurzgeschichten aus Varrel: „Das geht ganz anders unter die Haut“

Horst-Dieter Hoyer hat bereits drei plattdeutsche Kurzgeschichten verfasst. Sie entstehen bei ihm immer aus dem Bauch heraus, sagt er.
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Horst-Dieter Hoyer hat bereits drei plattdeutsche Kurzgeschichten verfasst. Sie entstehen bei ihm immer aus dem Bauch heraus, sagt er.

„Corona geht uns allen auf den Senkel“, sagt Horst-Dieter Hoyer aus Varrel. Er hat sich ein Ventil gesucht und es gefunden: Der 78-Jährige schreibt plattdeutsche Geschichten über eigene Erlebnisse. Er berichtet, woher er seine Ideen nimmt und wie daraus eine Kurzgeschichte entsteht. 

Varrel – „Wenn du in Rente gehst, dann hast du gar keine Hobbys.“ Diesen Satz hat Horst-Dieter Hoyer vor rund 20 Jahren von seiner Frau zu hören bekommen. „Und sie hatte ja recht“, sagt der heute 78-Jährige. Also suchte er sich ein Hobby. Er entschied sich, plattdeutsche Kurse der Volkshochschule (VHS) und Anneliese Kiehne-Tecklenburg zu besuchen. „Von zu Hause aus, habe ich das im Ohr, aber bei ihr habe ich die Sprache verinnerlicht“, sagt er.

Seine Gedanken und Erlebnisse bringt er als plattdeutsche Kurzgeschichten zu Papier.

Seine Mentorin Kiehne-Tecklenburg habe ihn immer ermutigt, nicht immer nur Platt zu schnacken. „,Nu schriev maal en bietje wat“‘, hat sie immer gesagt“, erinnert sich Horst-Dieter Hoyer. Dann kam die Pandemie im Frühjahr 2020 nach Deutschland. „Ich sag es frei heraus: Corona geht uns allen auf den Senkel“, meint der Senior. Der Lockdown, die Verordnungen, die Kontaktbeschränkungen seien belastend, also habe sich der Varreler ein Ventil gesucht und im Schreiben gefunden. „Ich mache das auf Platt, weil ich das, was ich denke, mit weniger Worten auf den Punkt bringen kann“, erklärt Horst-Dieter Hoyer.

Seine Geschichten entstehen spontan. Einen genauen Plan hat Horst-Dieter Hoyer nicht. Er bringt seine Erlebnisse und Gedanken einfach zu Papier. „Es kommt, wie es kommt“´, sagt er und zeigt dabei schmunzelnd auf seinen Bauch: „Und alles, was ich mache, das kommt von hier.“

Deswegen bezeichnet er sich auch nicht als Profi-Geschichtenschreiber. „Ich bilde mir gar nichts ein“, meint er. Das bedeute nicht, dass er sich keine Mühe gibt. „Ich gucke immer in ein plattdeutsches Wörterbuch bei jedem Wort, das mir nicht ganz geheuer ist“, sagt der bald 79-Jährige.

Geschichten zwischen Humor und Melancholie

Mit seinen Geschichten möchte Horst-Dieter Hoyer zum einem Humor in die Corona-Zeit bringen. „Da ist auch mal was zum Lachen dabei“, meint er. Die Geschichten sollen aber auch zum Nachdenken anregen: „Manche Sachen von mir sind zum Beispiel etwas melancholischer.“ Die plattdeutsche Sprache helfe dabei: „Plattdeutsch ist direkter als Hochdeutsch. Man kann auch nicht immer alles Eins zu Eins übersetzen.“ Plattdeutsch habe seinen ganz eigenen Charme. Ein Beispiel: Auf Platt heißt es „Een Glas Wien bin‘n Kopp.“ Die direkte Übersetzung: „Ein Glas Wein beim Kopf.“ Horst-Dieter Hoyer lacht: „Das macht ja gar keinen Sinn auf Hochdeutsch. Trotzdem weiß jeder, der Platt spricht, was damit gemeint ist.“

Deswegen übersetzt er seit Kurzem Trauerkarten für Freunde, für Familie oder nur für sich selbst vom Hochdeutschen ins Plattdeutsche. „Das kommt gut an. Auf Platt klingt es einfach gleich ganz anders“, meint Hoyer. „Da sagt Gott dann zum Beispiel nicht ,Komm heim‘, sondern ,Kumm no Huus‘. Das geht ganz anders unter die Haut.“

Plattdeutsche Geschichten

Dat Ding hört dor nich hen

Dat is kört vor‘n Middag, un miene Sigrid steiht an‘n Herd. „Dor höört de Fronslüür hen“, seggt man. Se backt wunnerbore Puffers, un ik stoh an‘n Fenster un kiek to. Un wenn nix to doon hest, kummst op dösige Grappen. Ik nehm mi ne Koffifiltertüüt inne Hand, stek se mi op Snuut un Nees un klemm ehr mit de Brill fast. Corona Snutenpulli op de fixe Tuur. „Mags mi so lieden?“, frog ik miene Sigrid. Se lacht un verdreiht ehre Ogen. Jens siene Dobermann-Kopie steiht för mi un kickt mi mit ehre grooten Ogen an. Wat denkt se woll? Vörsichtig springt se an mi hoch, un treckt mi ganz sinnig de „Melitta“ von de Nees. Wi beide lacht öber dat Specktokel, un nu weet wi ok wat de Hund dacht hett: „Dat Ding hört dor nich hen.“

Eene Swulk mookt noch kenen Sommer!

Dat is Anfang Juni tweedusendttwintig, un ik mook mit miene Froo tein Doog Urlaub op Fehmarn. Wat is dat in disse verdreihte Tiet? Wi funnen eene lüttje Ferienwohnung mit Naam „Swedenidyll“. Ne Poppenstuw för Oma und Opa wör dat. Mit use Röhr föhrt wi in‘n Sünnenschien an den Südstrand, drinkt‘n Koffi un et een fein Stück Koken dorto. De Snutenpulli stört dorbi, runner dormit! Avends sitt wi beide in den lüttjen Goorn, un hebbt een Glas Wien bin‘n Kopp. Do kanns fein bi runner komen. Op‘n mal hör ik een Vogelfleuten, dat mi bekannt för kummt, is ober all lang her. Ik mook de de Ogen tu un luster. Miene Gedanken got trüch in de Kinnertiet, un ik stah vör de Grootdör bi mien Ollernhuus un hör dat Fleuten von de Vogels. Nu mook ik miene Ogen wedder op, un mark, dat is kien Droom. Dor sitt twee Swulken op de Dackronnen un singt in den Avend. Wi lang hebb ik dat nic mehr hört?

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