Forstverbände fordern CO2-Prämie

Waldbauern verdienen nichts, Holzpreise explodieren

Mehrere Holzstämme übereinander gestapelt.
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Holz – ein unverzichtbarer Rohstoff. Die Preise für Bauprodukte daraus steigen von Tag zu Tag.

Landkreis Diepholz – Die einen beklagen zu geringe Preise und die anderen nahezu eine Preisexplosion, obwohl es um den gleichen Werkstoff geht: Holz. Gegensätzliche Kräfte wirken zurzeit auf dem Markt für das Naturprodukt. Deshalb können Baukosten extrem steigen.

25.000 Festmeter Holz wollen die Waldbauern im Forstverband der Grafschaften Hoya und Diepholz in diesem Jahr schlagen. „Die Hälfte haben wir jetzt schon erreicht“, zieht dessen Vorsitzender Gert Weidenhöfer eine erste Zwischenbilanz. Er weiß: Holz ist derzeit ein mehr als gefragter Rohstoff – und in der Baubranche derzeit nur noch zu immensen Preisen zu haben.

Die Waldbauern aber, so stellt Gert Weidenhöfer fest, müssen sich mit vergleichsweise niedrigen Preisen zufriedengeben. Wobei Fichten, Douglasien und Lärchen zurzeit ohnehin nicht im großen Stil gefällt werden. Der Forstverband und seine Mitglieder haben vor allem das sogenannte Kalamitätsholz im Blick: Bäume, die durch Stürme, Trockenheit oder den Borkenkäfer stark gelitten haben – und deren Holz nur noch in der Industrie oder als Energieholz verwendet werden kann.

Holzpreise im Vergleich

12,50 Euro pro Raummeter erhalten Waldbauern für das sogenannte Industrieholz, das meist durch Trockenheit, Stürme oder den Borkenkäferbefall entstanden ist. Aus diesem Rohstoff entstehen zum Beispiel Faserplatten oder Paletten. Vor drei Jahren brachte den Waldbauern dieses Holz noch 22,50 Euro pro Raummeter, also fast doppelt so viel. Gut zu verarbeitendes Fichtenholz in Abschnitten bringt aktuell 27,50 Euro pro Raummeter – 2018 waren es noch 48,50 Euro gewesen. Damals kostete Douglasien- oder Lärchenholz 51,50 Euro pro Festmeter, heute sind es 50 Euro. 

Von den 33.700 Festmetern Holz, die Forstverbandsmitglieder im vergangenen Jahr ernteten, war laut Vorsitzendem fast die Hälfte Kalamitätsholz: 12.500 Festmeter Industrieholz (für die Produktion von zum Beispiel Faserplatten oder Paletten) und 5.000 Festmeter Energieholz, das zum Beispiel als Kaminholz oder Holzhackschnitzel Verwendung findet.

Vor allem die trockenen Sommer der vergangenen Jahre und der Borkenkäfer werfen lange Schatten: „Wir haben noch genug Kalamitätsholz zu beseitigen“, sagt Gert Weidenhöfer. Die Einschläge planen die Waldbauern so, dass der Borkenkäfer sich nicht weiter verbreiten kann. „Bei jungen Fichten sind wir zurückhaltend mit dem Einschlag“, so der Forstverbandsvorsitzende. Aber genau die sind am Markt gefragt – besonders in der Bauholzbranche.

„Die Rohstoffe sind sehr knapp, der Markt ist sehr umkämpft“, so Alfred Cohrs, Obermeister der Zimmerer-Innung im Landkreis Diepholz. Der Handwerksmeister, der fast vier Jahrzehnte selbstständig war, erlebt zurzeit eine nie gekannte Dynamik: Bis zu 100 Prozent sind die Preise für unverzichtbare Bauholz-Produkte wie Balkenlagen, Dachsparren oder Holzwerkstoffplatten gestiegen.

Was das bedeutet, erläutert Alfred Cohrs an einem Beispiel: Eine Dachlatte (vier mal sechs Zentimeter) habe im Dezember netto 75 Cent pro Meter gekostet. Jetzt liege ihr Preis bei 1,50 bis 1,55 Euro – Tendenz steigend.

„Wir haben gedacht, dass sich das Ganze beruhigt, aber das ist nicht der Fall!“, sagt der Obermeister der Zimmerer-Innung. Will heißen: Mit den normalen Preissprüngen, die im Zimmerer-Handwerk wie in anderen Branchen zum Alltag gehören, hat die aktuelle Dynamik nichts mehr zu tun: „So eine Situation habe ich noch nicht erlebt!“, sagt Alfred Cohrs, der seinen Holzbaubetrieb in Stuhr-Fahrenhorst nach 38  Jahren als Firmenchef 2018 an seinen Sohn Henning übergeben hat.

Wald – ein Klimaschützer

Wald als Klimaschutz ist für den Forstverband zurzeit ein ganz besonderes Thema. „Jede Waldfläche bindet pro Hektar und Jahr netto fünf Tonnen CO2“, rechnet Gert Weidenhöfer, Vorsitzender im Forstverband der Grafschaften Hoya und Diepholz, vor. Gemessen an der aktuellen CO2-Abgabe würde jeder Waldbauer eine Leistung von 125 Euro pro Hektar und Jahr für den Klimaschutz erbringen. Genau das möchte der Forstverband für seine Mitglieder erreichen: „Wir streben an, dass sie eine Leistungsprämie von 125 Euro pro Hektar und Jahr erhalten.“

Rückblende: Anfang des Jahres waren die Preise für Holzbauprodukte spürbar gestiegen, dann setzte ab März die exorbitante Dynamik ein, die nicht wenige Betriebe vor nie gekannte Herausforderungen stellt – und das gleich in zweifacher Hinsicht.

Der Obermeister berichtet zum einen von Lieferanten, die bestehende Kontrakte stornieren – weil der Rohstoff Holz so extrem im Preis gestiegen ist. Mittlerweile rechnen diese Lieferanten offenbar in Wochenpreisen.

Zum anderen bringt die Lage am Holzmarkt auch die Zimmerer und andere Betriebe in die Bredouille, weil sie schon lange kalkulierte Verträge mit Bauherren – zum Beispiel vor einem halben Jahr geschlossen – jetzt ausführen müssen. Sprich mit weit höheren Selbstkosten als zuvor gedacht: „Bei den Einkaufspreisen kann es sein, dass sie bares Geld beilegen“, sagt Alfred Cohrs. Im besten Falle finden sie und ihre Auftraggeber einen Kompromiss.

Aber im schlimmsten Fall könnten Aufräge nicht ausgeführt werden. Das bedauert Alfred Cohrs umso mehr, als der Baustoff Holz eine deutlich bessere CO2-Bilanz habe als beispielsweise Beton. Gemeinsam mit seinen Handwerkskollegen hofft der Obermeister, dass sich die Lage bald entspannt.

Zumal es auch hierzulande immer mehr Bauherren gibt, die sich für die Holzrahmenbauweise entscheiden – also für ein Haus aus Holz. Genau das hat in Amerika seit Jahrhunderten Tradition. Und dafür nutzen US-Bauherren mittlerweile auch Produkte, die aus deutschem Holz entstanden sind. Aus nachvollziehbarem Grund, wie Alfred Cohrs weiß. Denn das bisherige Zulieferer-Land Kanada exportiere wegen früher US-politischer Entscheidungen und höherer Zölle längst nicht mehr so viel Holz wie bisher in sein Nachbarland.

Auch Holz aus dem Forstverband der Grafschaften Hoya und Diepholz wird nach Übersee verschifft. Doch auf den Preis und die derzeitigen Steigerungen, so stellt Verbandsvorsitzender Gert Weidenhöfer klar, hat die Organisation keinen Einfluss: „Es gibt mindestens zwei Zwischenhändler.“ Das Angebot sei sehr knapp. Weidenhöfer ist überzeugt, dass Holz noch teurer werden wird.

Über den Einschlag – wie das Ernten von Fichten – entscheidet jeder Waldbauer selbst und nimmt dadurch auch Einfluss auf das Angebot. 1 483 Mitglieder hat der Forstverband zurzeit. Aber auch der Gesetzgeber trägt dazu bei, dass sich das Angebot verknappt: Das Forstschäden-Ausgleichsgesetz schreibt vor, dass bei Inanspruchnahme nur 85 Prozent der Fichten vom Durchschnittseinschlag der vergangenen fünf bis sieben Jahre gefällt werden dürfen.

„Das Gesetz kommt viel zu spät“, moniert Gert Weidenhöfer. Er hatte es schon vor drei Jahren angemahnt – vergeblich.

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