Hippies stürmen die KGS Brinkum

Musical „Hair“ feiert nach sieben Jahren Revival

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Bunte Gestalten nehmen die Bühne der KGS Brinkum ein. 

Brinkum – Von Riccardo Terrasi. Vietnamkrieg, Studentenbewegung, sexuelle Revolution: Das Musical „Hair“, das am Samstagabend in der Mensa der KGS Brinkum aufgeführt wurde, thematisiert gesellschaftliche Spannungen und das Lebensgefühl der 68er. Auf die Bühne gebracht hat das Stück die ehemalige Musical-AG der KGS unter Leitung des ehemaligen Musiklehrers Wilhelm Eugen („Beppo“) Mayr. Die Live-Musik steuerte das Orchester der „Haldern Strings“ bei.

„Hair“, das aus der Feder von Gerome Ragni und James Rado stammt, hatte sein Broadway-Debüt im Jahr 1968 und avancierte schnell zu einem Meilenstein der Pop-Kultur. Einige der von Galt MacDermot komponierten Stücke sind zu echten Klassikern geworden. Die Brinkumer Show basiert auf den deutschen Liedtexten von Walter Brandin.

Nach ihrer letzten Aufführung des Stücks im Jahr 2012 trafen sich die ehemaligen Mitglieder der AG zu einem Revival wieder. Vor den rund 250 Zuschauern in der annähernd ausverkauften Mensa überzeugten die 18 Darsteller sowie das 14-köpfige Orchester mit hervorragenden Leistungen. Gesanglich war die Darbietung auf hohem Niveau.

Die Handlung – eine Anti-Kriegsgeschichte – ist leider noch immer sehr aktuell. Zum Einstieg bekam das Publikum einen kurzen Dokumentarfilm über den Vietnamkrieg zu sehen, der dessen Unmenschlichkeit schonungslos vor Augen führte: Hinrichtungen, Napalm-Opfer, Tote auf beiden Seiten. „Das Durchschnittsalter bei den gefallenen GIs lag bei 19 Jahren“, war darin zu hören.

Schrille, exzentrische Charaktere beherrschen das Musical: typische Hippies aus den 1960er-Jahren mit ihren langen Haaren und farbenfrohen Gewändern, die überkommene gesellschaftliche Werte- und Normvorstellungen hinterfragen. Sie brechen mit gewohnten Konventionen und engagieren sich für den Frieden in der Welt.

Wild eingeleitet wird das Rock-Musical sogleich, als der Anführer der Hippie-Gemeinschaft namens Berger (gespielt von Daniel Rüdel) auf den Stühlen zwischen den Zuschauern umherschreitet und das 16-jährige Mädchen Donna besingt. Nach einigen einleitenden Szenen, die das Lebensgefühl der jungen Hippies widerspiegeln, das irgendwo zwischen Marihuanakonsum, freier Liebe und Kritik am Establishment einzuordnen ist, wird das Stück politischer: Claude (gespielt von Tamme Reimers) soll den Militärdienst absolvieren, was seinen ethischen Vorstellungen zutiefst widerspricht: „Es hat Jahre gedauert, bis meine Haare so lang geworden sind. Ich werde sie mir nicht abschneiden.“ Ganz 68er, lässt er zunächst noch verlauten: „Ich mach’ nichts für Geld, nur was mir gefällt.“ Doch dann muss er der Realität ins Auge blicken und Batik gegen Camouflage eintauschen.

Die Sinnlosigkeit militärischer Gewalt stellt die weitere Handlung ebenso dar wie das elementare Bedürfnis der jungen Generation nach Eintracht und Harmonie, die in der Parole „Frieden jetzt, Freiheit jetzt!“ zum Ausdruck kommt. Das Publikum zeigte sich von der schauspielerischen und musikalischen Leistung begeistert und belohnte diese mit Ovationen und Zugabe-Rufen.

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