Hinter jeder Tür eine Überraschung

Ursula von der Leyen besucht das Brinkumer MGH

+
Ursula von der Leyen im Gespräch mit Erich Meins, der nach eigener Auskunft regelmäßig und gerne den Mittagstisch im MGH besucht.

Brinkum - Von Andreas Hapke. Im Seminarraum des Brinkumer Mehrgenerationenhauses (MGH) war Ursula von der Leyen in ihrem Element. Dort hatte sich am Freitag der Französischkurs versammelt, mit dessen Teilnehmern die in Brüssel aufgewachsene Bundesverteidigungsministerin sofort drauflos plapperte.

„Pour s’amuser“ seien sie hier, um sich zu amüsieren, sagte ein Mann. So ging es auch von der Leyen, für die es nach eigener Auskunft ein „grand plaisir“ war, ein großes Vergnügen, in der Sprache ihrer Kindheit zu kommunizieren. Sie komme wieder, versprach sie. „Je reviens.“

Von der Leyen besuchte MGH-Gründungsveranstaltung 2005

Die Teilnehmer spürten: Das hatte die Ministerin nicht einfach so dahergesagt, zumal der Abstecher nach Brinkum nicht ihr erster war. In ihrer Funktion als Bundesfamilienministerin hatte die CDU-Politikerin die Einrichtung bereits zur Gründungsveranstaltung 2005 besucht, ein weiteres Mal im Jahr 2009. Sie selbst hatte das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser ins Leben gerufen und stellte nun erstaunt fest, was sich in der Zwischenzeit in Brinkum getan hatte.

Hinter jeder Tür wartete eine neue Überraschung: In der Küche etwa erfuhr die Ministerin, dass die Bürgerstiftung als Trägerin des MGH 60.000 Euro für die Renovierung des Raums in die Hand genommen hatte. Mit den Kindern der Kita Löffelchen – sie saßen gerade mit ihren Betreuerinnen im Mittagskreis zusammen – sang von der Leyen „Backe, backe Kuchen“. Es sei ihr Anliegen gewesen, dass Kinderbetreuung in die MGHs komme, sagte die 58-Jährige. Und dann versprach sie auch dem Nachwuchs, dass sie eines Tages wiederkommen werde. „Dann seid ihr alle schon viel größer.“

Als Bundesfamilienministerin besuchte Ursula von der Leyen das MGH im Jahr 2009.

Weiter ging es ins Begegnungscafé, wo von der Leyen ein offenes Ohr für den Senior Erich Meins hatte. Er besuche schon lange und immer wieder gerne den Mittagstisch des MGH, berichtete Meins. „Ich fühle mich hier wohl, das Essen ist abwechslungsreich.“ Ein Blick auf die „liebevoll bestückte Speisekarte“ verriet der Ministerin, dass sich Meins auf Hähnchen im Schinkenmantel mit Paprika-Zucchini-Reis sowie gemischten Salat und Schokopudding freuen durfte.

„Mehr Besucher, mehr Ehrenamtliche, mehr Veranstaltungen“ – so fasste MGH-Leiterin Daniela Gräf die Änderungen gegenüber 2009 zusammen. Und: „Hier ist viel renoviert und verschönert worden.“ „Am Anfang waren wir schon dankbar, dass ein Haus da war“, erinnerte sich von der Leyen.

Konzept Großfamilie lasse sich auch in der Moderne leben

Sie stamme aus einer Großfamilie, wo geteiltes Leid halbes Leid und geteilte Freude doppelte Freude sei. „Dies kann man doch auch in der Modernen leben“, formulierte von der Leyen die Idee, die hinter der Gründung der MGHs stand. „Jeder kann etwas einbringen, jeder bekommt etwas zurück. Eine ältere Frau liest etwas vor, der junge Mann flickt ihren Fahrradreifen.“ Inzwischen gebe es bundesweit 550 MGHs, jedes mit einem anderen Schwerpunkt, „sei es Krebsberatung, Demenz oder Kinderbetreuung.“

Ursula von der Leyen besucht MGH Brinkum

Das Projekt sei in der Hoffnung gestartet, dass sich viele Menschen anschließen. Dass in Brinkum viele dazugekommen sind, erfuhr von der Leyen im Flur der Einrichtung, wo ein großer Baum mit den Fotos der ehrenamtlichen Mitarbeiter hängt. Ihnen allen dankte sie für „die Kraft und die Bereitschaft, Zeit zu geben“. Es sei schön, zu erleben, „wie sehr der Geist des Zusammenschlusses der Generationen alle anderen begeistert“. Gräf als „Mutter vonnet Janze“ hob die Ministerin besonders hervor.

Nochmal Familienministerin? Nein.

In der Backstube des Hauses hatten Ehrenamtliche Gelegenheit, sich und ihr Angebot vorzustellen. Oliver Müller berichtete über seinen Gesprächskreis für Andersliebende, Uwe Schaper über seinen Computer-Treff im Haus Lohmann, ein syrischer Flüchtling über seine Beteiligung am Spieletreff für Kinder aus aller Welt, Dierk Jobmann über die MGH-Außenstelle Fahrenhorst und Hermann Hattermann über das Projekt „Fit in der Ausbildung“ – ein Mentoringkonzept, bei dem Ingenieure, Meister und Lehrer im Ruhestand Jugendliche individuell betreuen. Von der Leyen sprach von „guten Ideen, die andere faszinieren und anziehen. Ich würde am liebsten den ganzen Tag hierbleiben“.

Und wie sie so dasaß, alles sah und hörte, was aus dem MGH geworden war, schien es, als wünschte sie sich ihren Job als Familienministerin zurück. So ist es aber nicht, wie sie auf Nachfrage dieser Zeitung erklärte: „Es ist schön, dass die Sachen von damals bleiben, etwa die Mehrgenerationenhäuser und das Elterngeld.“ Doch als Bundesverteidigungsministerin habe sie eine große Aufgabe. „Da stehe ich mit voller Kraft hinter.“ Der Bund müsse sowohl in den Zusammenhalt der Generationen als auch in die Sicherheit investieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Entwarnung nach Terrorangst in Londons Einkaufsviertel

Entwarnung nach Terrorangst in Londons Einkaufsviertel

Diese Stellen vergessen Sie beim Putzen andauernd

Diese Stellen vergessen Sie beim Putzen andauernd

Werbung für Abtreibung: Ein Urteil heizt alte Debatten an

Werbung für Abtreibung: Ein Urteil heizt alte Debatten an

Weg damit! Diese sechs Dinge sorgen in der Wohnung für miese Laune

Weg damit! Diese sechs Dinge sorgen in der Wohnung für miese Laune

Meistgelesene Artikel

Top-News aus der Region direkt aufs Smartphone

Top-News aus der Region direkt aufs Smartphone

Milchtankstellen und mehr: Direktverkauf im Kreis Diepholz

Milchtankstellen und mehr: Direktverkauf im Kreis Diepholz

Zimmermeisterin Annika Perlmann berichtet von ihrer Wanderschaft

Zimmermeisterin Annika Perlmann berichtet von ihrer Wanderschaft

Horst Evers präsentiert Comedy ohne Haudrauf-Rhetorik

Horst Evers präsentiert Comedy ohne Haudrauf-Rhetorik

Kommentare