Herbstlich, regnerisch, verzaubernd

Jerzewsky und Hammerbacher bereiten Gästen einen Ohrenschmaus

+
Ralph-Detlev Jerzewsky und Lydia Hammerbacher bringen ins Rathaus der Jahreszeit entsprechende Musik mit, sodass den Besuchern warm ums Herz wird.

Stuhr - Von Angelika Kratz. Gesänge, Märchen und Phantastisches hatten am späten Sonntagnachmittag Ralph-Detlev Jerzewski für sein Violoncello und Lyda Hammerbacher für den schwarzen Flügel im Stuhrer Rathaus mitgebracht. Die Zusammenstellung des Programms war genau passend zur jetzigen Jahreszeit mit ihren kurzen Tagen, Wind und Regen und der Suche nach kuscheligen Ecken.

Warm ums musikalische Herz wurde den Zuhörern nicht nur hinsichtlich der Themenwahl, sondern auch oder gerade wegen der hohen künstlerischen Qualität an Cello und Klavier. Zwar lagen Lebensjahrzehnte zwischen der aus dem Frankenland stammenden jungen Pianistin und dem gebürtigen Hannoveraner, was aber der Harmonie, geschweige denn dem optischen Eindruck keinen Schaden tat.

Mit dem „Herbstlied“ von Peter Tschaikowsky (1840 bis 1893) begann die leicht melancholische Traumreise mit dem Blick zurück auf einen Sommer, der eigentlich seinen Namen nicht verdient hat. Ralph-Detlev Jerzewski führte in die dargebotenen Werke ein und ließ ansonsten die Musik für sich sprechen. Der Verlust des Sommers und die Erwartung des kalten Winters ließen sich im Herbstlied von Tschaikowski bestens nachvollziehen. „Ich mag das Stück“, betonte Jerzewski, und diese Einstellung mochte das Publikum im Anschluss gerne bestätigen.

Nach dem Herbstlied folgte Leos Janaceks (1854 bis 1928) slawisches Märchen für Klavier und Violoncello. Leider ging dies nicht wie gewohnt gut aus, denn Prinz und Prinzessin bekamen sich nicht. Dennoch verzauberte die Musik.

„Chant du Ménestrel“ vom russischen Komponisten Alexander Glasunow (1865 bis 1936), das Lied des Spielmanns oder Minnesängers, war als Titel des Konzertes im Stuhrer Rathaus gewählt worden und spannte im ersten Programmteil den Bogen zu Claude Debussy (1862 bis 1918). Dessen „Sonate pour Violoncello et Piano“ ist eine seiner letzten Kompositionen und entstand im Jahr 1915.

Der zweite Programmteil wurde vom schweizerisch-amerikanischen Komponisten Ernest Bloch (1880 bis 1959) und seinem Gebet „Prayer“ from Jewish Life Nr. 1 eröffnet. Ihm folgte „ein milder Brahms“ wie Jerzewski die „Regenlied-Sonate“ op. 78 einstufte. Begonnen hatte er diese in Pörtschach am Wörthersee, wo er auf der Rückkehr einer Italienreise eher zufällig verweilte und von der Schönheit der Landschaft überwältigt war. Der Tod seines Patensohnes Felix, der Sohn von Clara und Robert Schumann, fließt im zweiten Satz mit ein. Die Regenlied-Sonate trägt autobiografische Züge des Komponisten und blieb auch im Stuhrer Rathaus nicht ohne nachhaltige Wirkung. Viel Applaus dankte Lydia Hammerbacher und Ralph-Detlev Jerzewski für einen außergewöhnlichen Ohrenschmaus.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Vulkan Kilauea bringt Hawaii durch giftiges Gas neue Gefahr

Vulkan Kilauea bringt Hawaii durch giftiges Gas neue Gefahr

Mühlentag an der Stührmühle

Mühlentag an der Stührmühle

Große Resonanz beim Mühlentag in Labbus

Große Resonanz beim Mühlentag in Labbus

Mühlenfest in Eystrup

Mühlenfest in Eystrup

Meistgelesene Artikel

Nutztierleid verhindern: Bilder direkt aus dem Stall?

Nutztierleid verhindern: Bilder direkt aus dem Stall?

Zwei Unfälle in kurzer Folge auf Syker „Motorradstrecke“

Zwei Unfälle in kurzer Folge auf Syker „Motorradstrecke“

Schwerer Unfall auf der A1: Acht Verletzte und mehr als 15 Kilometer Stau

Schwerer Unfall auf der A1: Acht Verletzte und mehr als 15 Kilometer Stau

Kommentare