Heinrich Nienaber sammelt alte funktionstüchtige Acker- und Haushaltsgeräte

Vom Kohlhobel bis zur Staubmühle

+
Alte Maschinen, so weit das Auge reicht: Der ehemalige Varreler Landwirt Heinrich Nienaber hat auf seinem Hof ein Museum eingerichtet.

Varrel - Von Angelika Kratz. Heinrich Nienaber ist besonders für Varrel ein lebendiger Schatz der bäuerlichen Geschichte. Seit Mitte der 1990er-Jahre sammelt der ehemalige Landwirt ausrangierte, dennoch voll funktionstüchtige Acker- und Haushaltsgeräte. Den ehemaligen Kuh- und Kälberstall seines Hofes hat er zum reich bestückten Museum umfunktioniert. Bei der Fülle der Gerätschaften hält der Besucher zunächst den Atem an, und die Augen müssen sich erst langsam an die vielen Dinge gewöhnen.

Wer das Vergnügen hat, sich mit Heinrich Nienaber auf eine Führung durch bäuerliche Geschichte zu begeben, braucht eins: viel Zeit. Jedes einzelne Stück vom Rübenschneider über die Hexelmaschine bis hin zum Kartoffelroder und der handgemachten Schuhbürste weiß der 90-Jährige ausführlich zu beschreiben. Zeit mitbringen, um in andere Zeiten zu schlüpfen, ist bei ihm das einzige Eintrittsgeld.

Mit Leib und Seele war er Bauer, und wenn er liebevoll über eine alte Deichsel streicht, leuchten seine Augen. „Mit der alten Kutsche ist früher Schwiegervater Johann Reiners zu Haake-Beck nach Bremen gefahren und hat Maische als Viehfutter geholt.“ Mit dem schicken und gefederten Gefährt unternahm die Familie auch sonntägliche Ausflüge, und bei der 700-Jahr-Feier von Varrel 1989 erregte sie mit dem passenden Pferdegespann noch einmal viel Aufmerksamkeit.

Ein Pferd gehörte bei Heinrich Nienaber auch als Arbeitstier auf dem Feld dazu. Weniger reiche Bauern spannten einen Ochsen oder sogar die Milchkuh ein. Den ersten Trecker mit wesentlich mehr Pferdestärken schaffte sich Heinrich Nienaber 1951 an. Der Lanz Bulldog wurde später verkauft, aber seine bedienungsfreundlicheren Nachfolger aus den Jahren 1957 und 1959 können die Besucher noch im Museum an der Delmenhorster Straße bewundern.

Mehlsäcke vor

Würmern bewahren

Vor allem die Staubmühle und die Sackklopfmaschine stoßen bei den Gästen auf Interesse. „Die Sackklopfmaschine war notwendig, um die Mehlsäcke vor Würmern zu bewahren“, berichtet der Varreler. Daneben steht eine uralte Zentrifuge zur Milchtrennung.

Früher war es auf den Höfen selbstverständlich zu buttern, und so finden sich auch einige Butterfässer auf der Diele. „Neulich war jemand da und bat um einen Kohlhobel“, sagt der Hausherr erfreut darüber, dass noch immer einige Menschen das Selbstgemachte vorziehen, statt zur Sauerkrautdose aus dem Supermarkt zu greifen.

Falls es keinen Strom mehr aus der Steckdose gibt, bleibt zumindest bei Nienabers weder die Küche kalt, noch die Wäsche schmutzig. Die Waschmaschine musste zwar per Hand gedreht werden, und später ging die robuste Wäsche noch durch die Mangel, aber die Gerätschaften bedeuteten für die Hausfrau eine wesentliche Erleichterung.

Die Kaffeebohnen wurden in der kleine Mühle, die am Küchenschrank hing, frisch gemahlen. Auf dem Kohleofen stand der passende Einsatz für den „Muckefuck“.

Der alte Eichenschrank der Familie beherbergt einen Tornister mit Heften und Schultafel. „Ich habe noch Sütterlin gelernt und musste bei Strafandrohung später umlernen“, erinnert sich Nienaber.

Von Heinz Düßmann, dem bereits verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden des Fördervereins Gut Varrel, hat er einige alte Stücke bekommen. „Die fanden auf dem Gut keinen Platz, sollten aber aufbewahrt werden.“ Und so reihen sich auch diese Dinge mit ein.

„Die Näherinnen brachten ihre Maschinen oft mit ins Haus“, sagt Nienaber mit Blick auf die einstigen professionellen Transportablen.

Gleich nebenan steht das Spinnrad mit Schafwolle. „Langeweile gab es damals nicht, obwohl man keinen Fernseher hatte.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Schwimmer Wellbrock erreicht WM-Finale: "Riesig"

Schwimmer Wellbrock erreicht WM-Finale: "Riesig"

Sommerreise durch den Landkreis Diepholz - der Dienstag

Sommerreise durch den Landkreis Diepholz - der Dienstag

Hochwasser-Einsätze in vielen Gegenden

Hochwasser-Einsätze in vielen Gegenden

Werders erste öffentliche Trainingseinheit in Schneverdingen

Werders erste öffentliche Trainingseinheit in Schneverdingen

Meistgelesene Artikel

Sommerpicknick in Asendorf erfreut sich großer Beliebtheit

Sommerpicknick in Asendorf erfreut sich großer Beliebtheit

Satteldiebstahl in Heiligenrode

Satteldiebstahl in Heiligenrode

Norwegischer Urlauber will Benzin holen und "tankt" beim Schützenfest in Stuhr

Norwegischer Urlauber will Benzin holen und "tankt" beim Schützenfest in Stuhr

Endgültiges Disco-Aus für das „Aero“?

Endgültiges Disco-Aus für das „Aero“?

Kommentare