Präsentation der Umfrageergebnisse

Heiligenrode: Kleiner Ort mit eigenem Speckgürtel

Gebäude wie dieses an der Bundesstraße 439 haben Teilnehmer der Umfrage als Schandflecke ausgemacht. - Foto: Ehlers

Heiligenrode - Von Andreas Hapke. Vielen Heiligenrodern fehlen ein Tante-Emma-Laden, eine bessere Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und Spielplätze. Es gibt aber auch jemanden, der sich ein Gemeindebrauhaus wünscht. Dies ergab eine Fragebogenaktion, die Ulrich Brauer und Jens Lutterbach im Hinblick auf Heiligenrodes Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ins Leben gerufen hatten. Im Restaurant Meyerhof präsentierten die beiden am Montagabend die Ergebnisse.

„Das hier ist kein Aktionsplan“, erklärte Brauer den rund 20 Besuchern, bevor er mit Lutterbach die 70 Folien durchackerte. Insgesamt hatten 165 Personen an der Umfrage teilgenommen, fast die Hälfte waren zwischen 25 und 49, über 30 Prozent zwischen 50 und 70 Jahre alt. 55 Prozent der Befragten waren weiblich. „Ich hätte mit mehr älteren Leuten gerechnet“, sagte Brauer. Dass nur zwei Teilnehmer nicht gerne in Heiligenrode leben, wunderte den Vorsitzenden des Heimatvereins nicht: „Den Fragebogen haben die Leute ausgefüllt, denen etwas an dem Ort liegt.“ Überraschender kam da schon das Interesse aus Seckenhausen, Fahrenhorst und Groß Mackenstedt mit rund einem Drittel der Teilnehmer daher. „Aus dem Speckgürtel Heiligenrodes“, wie Brauer es formulierte. Vom Anteil der Wohneigentümer (80 Prozent) leitete er ab, dass Heiligenrode kein armes Dorf sei. Rund zwei Drittel der Befragten sind berufstätig.

Den ÖPNV nutzen elf Prozent der Teilnehmer täglich oder häufig, mehr als 60 Prozent gar nicht. Mehr als 70 Prozent sind noch nie mit der Grönemeyer-Linie gefahren. Gleichwohl tauchen bei den Anregungen kürzere Taktzeiten sowie eine schnellere, häufigere und direkte Verbindung nach Bremen auf. Einen Bürgerbus wie in Weyhe und die Grönemeyer-Linie als Disco-Bus für Jugendliche an Wochenenden lauteten weitere Vorschläge. Die Straßenbahn für Heiligenrode dürfte aber ebenso wie das Gemeindebrauhaus eine Vision bleiben. Laut Brauer „schreien“ die Antworten nach einer Aufarbeitung durch eine Arbeitsgruppe.

„Die Gemeinde verkauft sich unter Wert“

Überhaupt regte er AGs zu verschiedenen Themen an, etwa zur Grundversorgung. Ob Tante-Emma-, Dorf- oder Hofladen: Der Bedarf an einem Nahversorger ist groß, trotz des Fischwagens und der Milchtankstelle in Bürstel, die 15 beziehungsweise 20 Prozent der Teilnehmer ansteuern. Birgit Hahn gab zu bedenken, dass der Dorfladen in Fahrenhorst schließen musste, weil die Bewohner „auch die letzten drei Euro sparen wollten“ und lieber zu Netto oder Aldi gefahren seien. Hahn war es auch, die hier und da eine „Ungepflegtheit“ Heiligenrodes ausgemacht hatte. Besonders ärgerlich sei das bei Veranstaltungen auf dem Mühlengelände. Die Gemeinde verkaufe sich dadurch unter Wert. Einige Befragten bemängelten diverse Bauruinen entlang der B 439 sowie den Lärm, den diese Bundesstraße verursache. Die Zersiedelung des Dorfes bildete einen weiteren Kritikpunkt.

Laut Umfrage schätzen die Bewohner neben „tollen Vereinen“, dem Mühlenensemble und dem dörflichen Charakter besonders die Natur. Fast 60 Prozent der Teilnehmer suchen die Grünanlagen häufig auf. „Lassen sich diese Leute auch motivieren, bei der Pflege mitzuhelfen?“, fragte Hans-Jörg Becker.

Brauer regte Patenschaften für diverse Plätze und gemeinsame Spaziergänge zum Aufräumen des Ortes an – auf dass vorgeschlagene Slogans wie „Gemeinde im Grünen“ und „Schönster Ortsteil der Gemeinde Stuhr“ nicht durch ein Müllproblem konterkariert werden. „In der Umfrage liegt viel Potenzial“, sagte Brauer. „Aber da muss der ganze Ort mitmachen, das kann nicht allein die AG ,Unser Dorf hat Zukunft’.“ Zumindest im Meyerhof rannte er damit offene Türen ein.

Die Ergebnisse der Umfrage präsentieren Brauer und Lutterbach auch beim Besuch der Wettbewerbskommission am Freitag, 9. Juni.

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