Vom 20. Mai bis zum 10. Juni

Abschlussausstellung in Heiligenrode: Gegenstände erzählen ihre Geschichten

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Amina Brotz im alten Müllerwohnhaus, wo am kommenden Sonntag ihre Abschlussausstellung eröffnet.

Heiligenrode - Von Janna Silinger. Wer die Ausstellung in dem historischen Müllerwohnhaus betritt, könnte auch meinen, in einer spartanisch eingerichteten Altbauwohnung gelandet zu sein. Links das Schlafzimmer. Darin ein Lattenrost mit Matratze. Darauf liegt gebügeltes und gefaltetes Bettzeug. Ein Holzregal, darin einige Kleider, Stiefel, Schreibhefte und Pflegeprodukte, alles sorgfältig sortiert. An drei gelben Haken an der Wand hängen ein paar Kleider. Das war es. Im Wohn- und Arbeitsbereich ein Sessel, ein Tisch, mehrere Regale. Papiere, angefangene Farbtuben, Einmachgläser.

Das ist die letzte Darbietung von Amina Brotz als Stipendiatin an der Künstlerstätte Heiligenrode. Die Zeit dort neigt sich dem Ende zu. Zehn Monate hat die 31-Jährige im neuen Müllerwohnhaus an der Wassermühle gelebt und gearbeitet. Kunst geschaffen, die Ruhe genossen. Nun präsentiert sie von Sonntag, 20. Mai, bis Sonntag, 10. Juni, ihre Abschlussausstellung „In Teilen vor Ort“ im alten Müllerwohnhaus an der Wassermühle.

Den Namen hat sich Brotz gut überlegt. „Ich arbeite immer ortsspezifisch und zeitbasiert“, sagt sie. Im vergangenen Jahr hat sie in einer Kunsthalle Kunst ausgestellt, nun stellt sie in einem Wohnhaus Gegenstände aus, die eben in ein solches gehören. Die Räume sind schlicht und ordentlich eingerichtet, aber die Gegenstände erzählen ihre Geschichten, was das Ganze lebendig macht. Gebrauchsspuren zeugen davon, dass Brotzs Sachen genutzt wurden.

Dahinter steht auch eine ganz praktische Idee. „In Teilen vor Ort, aber eben nur in Teilen und nicht ganz“, versucht Brotz, ihre Motivation zu erklären. Ganz ist sie eher, wenn sie weniger hätte, sagt sie. Eben nur die Dinge, die sie wirklich braucht. Deshalb hat sie aussortiert. Und alles, was sie von nun an nicht mehr mit sich herumschleppen möchte oder kann, steht nun im Müllerwohnhaus.

Alles soll im Kreislauf bleiben

Es handele sich aber nicht um „Ausmisten“, sondern um den Gedanken dahinter, dass die Dinge, die ihr mal lieb und teuer waren, nun anderen Menschen nutzen. Dass die Möbel, Klamotten, Kunst-Utensilien und Bücher im Kreislauf bleiben.

Das Aussortieren sei ihr schwergefallen. „Man muss ja bezüglich jedem kleinen Gegenstand eine Entscheidung treffen“, erklärt Brotz das.

Die Sachen möchte sie verschenken, verkaufen und weggeben. Einige haben schon einen bestimmten Abnehmer, wie etwa die gelben Haken. „Mein Vater mag gelb“, sagt sie lächelnd. Vieles ist aber auch noch zu haben. Wer durch die Ausstellung läuft und sich für etwas interessiert, soll die junge Frau einfach ansprechen.

Traurig ist die Künstlerin nicht, dass sie Heiligenrode jetzt verlässt. Sie ist eher dankbar. „Die Zeit hier ist ja ein Teil dessen, warum ich heute hier bin“, sagt sie. Wie es für sie weiter geht, steht noch in den Sternen. Zunächst kommt sie bei Freunden unter. Amina Brotz wirkt gelassen, was ihre Zukunft angeht. Heute ist erst mal heute.  - sil

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