Gegen zu viel Plastikmüll

„Der nächste Schritt wäre Luft“: Neue Folie aus Stuhr schont Umwelt und Geldbörse

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Kein Durchkommen: Wie reißfest dünne Stretchfolie sein kann, demonstrieren die Geschäftsführer Detlef Borrmann (l.) und Sabine Heusmann (r.) sowie Produktmanager David Schulz.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Beim Handel mit Kunststoffprodukten die Umwelt nicht aus dem Blick verlieren – dieser Herausforderung stellt sich die Firma Borrmannplus Verpackungen aus Stuhrbaum immer wieder aufs Neue.

Das an der Werner-von-Siemens-Straße ansässige Unternehmen hat sich auf den Vertrieb von Stretchfolie spezialisiert, die zum Beispiel den Warentransport auf Paletten sichert. Nach eigener Auskunft rennt Borrmannplus mit seinen Innovationen bei den Kunden offene Türen ein.

Die neueste Entwicklung der Firma hat gerade seine Markteinführung hinter sich. Es handelt sich um eine nur fünf Mikrometer (µm) dünne Stretchfolie. „Der nächste Schritt wäre Luft“, sagt David Schulz, Produktmanager des Unternehmens. Da die Transportsicherheit auch bei hauchzartem Material nicht auf der Strecke bleiben darf, hat sich die Firma ein Verfahren zur Verstärkung der Kanten patentieren lassen. „Wenn Folie reißt, dann an den Kanten“, weiß Detlef Borrmann, geschäftsführender Gesellschafter.

Für die Kunden geht die Umstellung auf dünneres Material mit einer enormen Kosteneinsparung einher. Ein Unternehmen, das bislang mit einer 22 µm dünnen Folie gearbeitet und davon 100 Tonnen verbraucht hat, würde bei einer 11,4-µm-Folie nur noch 15 Tonnen benötigen – und seine Kosten um rund 60 Prozent reduzieren. Je dünner die Folie, desto größer die Ersparnis.

Vertrieb und Berater für die Kunden

Für Borrmannplus bedeutet das zunächst weniger Einnahmen. Da schneidet sich jemand ins eigene Fleisch, könnte man meinen. Doch dem ist nicht so. „Wir schließen im Gegenzug längerfristige Verträge ab, das ist unser Ziel“, sagt Schulz. Im genannten Fall sei ein Kontrakt über drei Jahre entstanden.

Die Firma tritt nicht nur als Vertrieb, sondern auch als Berater für seine Kunden auf. „Wir sind Systemlieferant. Wir stellen für die Kunden ein komplettes Konzept auf, das auch die Lieferung von Anlagen beinhaltet“, sagt Schulz. Er spricht von einer „Optimierung vor Ort“.

Detlef Borrmann und Sabine Heusmann, ebenfalls Geschäftsführerin, sind schon lange auf dem Transportverpackungsmarkt unterwegs. Zusammen waren sie für diverse Hersteller tätig gewesen, bevor sie 2003 ihren eigenen Betrieb gründeten. Dieser ist seit zehn Jahren am aktuellen Standort angesiedelt, seit fünf Jahren gehört dem Unternehmen auch die Immobilie. Es beschäftigt 30 Mitarbeiter, darunter drei Auszubildende. Im Sommer kommen noch zwei Lehrlinge dazu.

„Wir wollten unsere eigenen Innovationen entwickeln“, erklärt Sabine Heusmann die Firmengründung. Sie lässt keinen Zweifel daran, dass dies gelungen ist: „Wir sind die Vorreiter aus Stuhr.“ Von wem der Betrieb seine Folien produzieren lässt, wollen die Inhaber nicht verraten.

13.000 Tonnen Umsatz

Mit 13.000 Tonnen Umsatz zählt Borrmannplus bundesweit zu den drei größten Vertreibern von Stretchfolie. Seine Kunden kommen aus der Lebensmittelindustrie oder aus dem Logistikbereich, aus Deutschland und den angrenzenden europäischen Ländern. „Wir liefern überall dorthin, wo Ware versandt wird“, sagt Borrmann. Er nennt die Zentralen von Supermärkten und Textilhandelsketten als Beispiele. Die meisten Geschäftspartner seien Großkunden, die kleinste Abnahmemenge sei eine Palette. „Kunststoff ist ein Riesenthema“, sagt Schulz. „Es gibt Firmen, die mehrere hundert Tonnen Folie im Jahr verbrauchen.“

Bei einer Umstellung auf dünnere Folie liegt vielen Kunden der Umweltschutz am Herzen, weiß Sabine Heusmann. Neben den Kosten verringert sich schließlich auch der CO2-Ausstoß bei der Produktion. Von der 5-µm-Folie etwa passen 1 000 Meter auf eine Rolle, von der 17-µm-Folie gerade mal 300. Laut Schulz schlägt sich das in einer CO2-Reduzierung von 66 Prozent nieder. 

Weniger Pappkerne für Rollen und weniger Lastwagenladungen sind weitere Effekte. Längst hat sich die Firma ihr Umweltmanagement zertifizieren lassen – ein Erfolg, den sie beim Pack-The-Future-Award bestätigen möchte. Der Wettbewerb prämiert innovative Kunststoffverpackungen. „Wäre schön“, sagt Borrmann, „wenn wir auf dem Treppchen landen.“

Nachhaltigkeit

Vom 30. Mai bis 5. Juni wurde die Europäische Nachhaltigkeitswoche (ESDW) begangen. Diese europaweite Initiative hat zum Ziel, Aktivitäten, Projekte und Veranstaltungen, die zur nachhaltigen Entwicklung beitragen, sichtbarer zu machen. Daher stellen wir einige Aktivitäten von Kommunen und Bürgern im Landkreis Diepholz vor, die Nachhaltigkeit im Alltag umsetzen – oder eben nicht. Nachhaltig leben ist eine Herausforderung. Hier geht es zur Übersicht

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