Ausgabestellen geschlossen: Kunde äußert Verständnis, vermisst aber die Lebensmittel

Harte Zeiten für Tafelkunden

Derzeit dicht: Die Tafel (hier die Ausgabestelle in Syke) ist im Lockdown. 
Archivfoto: Ehlers
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Derzeit dicht: Die Tafel (hier die Ausgabestelle in Syke) ist im Lockdown. Archivfoto: Ehlers

Fahrenhorst – Holger Bass schätzt die Tafel des Kirchenkreises Syke-Hoya. Jeden zweiten Freitag fährt er von seinem Wohnort Fahrenhorst nach Kirchweyhe, um Lebensmittel einzukaufen. Doch noch mindestens bis Februar muss er darauf verzichten. Denn wegen der Corona-Krise stellt der Kirchenkreis den Betrieb ein, um Mitarbeiter und Kunden zu schützen. „Die Tafel fehlt mir“, sagt Bass und fragt sich nun, wie sich zum einen die Versorgung von Bedürftigen mit preiswerten Lebensmitteln aufrecht erhalten lässt. Und wie zum anderen Nahrung, die in den Supermärkten übrig bleibt, vor der Vernichtung geschützt werden kann.

Eine schwere Krankheit macht dem 49-jährigen Soziologen und Journalisten seit rund drei Jahren einen Strich durch die Lebensplanung. Er kann nicht mehr arbeiten, ist schwer behindert und bezieht eine kleine Rente. Das Angebot der Tafeln kommt dem Fahrenhorster daher sehr gelegen. Dort deckt sich Bass preiswert mit Lebensmitteln ein. Ehrenamtliche sammeln übrig gebliebene Waren bei Supermärkten in der Region ein und verteilen sie in den Ausgabestellen in Syke, Kirchweyhe und Bruchhausen-Vilsen gegen eine Kostenbeteiligung an Bezugsberechtigte. Um an einen Ausweis für die Tafel zu gelangen, müssen Kunden nachweisen, dass sie zum Beispiel „Hartz-IV“-Leistungen beziehen, Asylbewerber sind, auf Grundsicherung angewiesen sind oder mit einem kleinen Einkommen über die Runden kommen müssen.

Der Einkauf bei der Tafel hilft dem 49-Jährigen und seiner kleinen Familie, ihren schmalen Etat etwas zu entlasten. „Ich nehme bei der Tafel, was gerade da ist“, berichtet er. Bekommt er Blumenkohl, kocht er eine Suppe draus. Bringt er Kartoffeln mit, kauft er Heringsstipp dazu und freut sich über eine leckere, preiswerte Mahlzeit. Oder Bass genießt die Knollen einfach mit Butter und einem Spiegelei. „Große Ansprüche stellen wir nicht“, betont der Fahrenhorster. Er kommt gut damit zurecht, dass ein Lebensmittel schon kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum steht, die Verpackung ein wenig mitgenommen aussieht. Waren von der Tafel friert er zuhause ein und kommt so bis zum nächsten Einkauf zwei Wochen später gut klar.

Durch die günstigen Lebensmittel von der Tafel bleibe trotz seiner schmalen Rente noch etwas übrig. Vielleicht, um mit seinem Sohn mal einen Ausflug zu unternehmen oder um etwas Geld für Unvorhergesehenes zurückzulegen.

Doch die Kasse für den Notgroschen bleibt zurzeit leer. „Aufgrund des von der Bundesregierung beschlossenen Shutdowns, um die Kontakte weiter einzuschränken, halten wir es für dringend erforderlich, da wir an Ausgabetagen bis zu 100 Abholer haben, unsere Tafel zu schließen, um für unsere Kunden und Mitarbeiter das Infektionsrisiko zu minimieren“, heißt es auf der Internetseite des Kirchenkreises. „Auch Lieferdienste oder ähnliche Angebote können wir in dieser Zeit aufgrund der Kontaktbeschränkungen und Abstandsregelungen nicht anbieten“, teilen die Ehramtlichen auf ihrer Webseite mit. Bass und alle anderen Kunden müssen also zu regulären Preisen einkaufen, „und das spüre ich im Portemonnaie“, sagt er. Der Versuch, auf die Bremer Tafel auszuweichen, die bis auf Weiteres noch öffnet, schlug fehl. Derzeit würden keine Kunden aus dem Umland bedient, teilten die Bremer ihm auf eine Anfrage hin mit.

Beim ersten Lockdown im Frühjahr habe das Tafel-Team in der ehemaligen Bäckerei Grimpo in Kirchweyhe die Lage gut unter Kontrolle behalten, den Andrang entzerrt und auf ausreichend Abstand geachtet, lobt Holger Bass. Und kann gut nachvollziehen, dass die Ehrenamtlichen wegen der heftigen neuen Corona-Welle nun lieber pausieren. Umgekehrt sei die Situation für ihn und andere Kunden schwierig.

Der Fahrenhorster regt an, dass Supermärkte, die ja ohnehin weiterhin geöffnet haben, einmal wöchentlich zu einem festen Zeitpunkt überschüssige Ware direkt an Kunden mit einem Tafelausweis ausgeben. Oder dass vielleicht andere Organisationen der Tafel helfen und bei der Logistik einspringen. Das sei aber derzeit noch nicht angedacht, hieß es am Freitag vonseiten des Kirchenkreises. Man hoffe, dass die Ausgabestellen Anfang Februar wieder loslegen.

Von Burkhard Peters

Ich spüre das im Portemonnaie.

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