75 Minuten, die es in sich haben: Spielraumtheater präsentieren ihr neues „Ausstellungsstück“

Harte Kost im Bällebad

Die Akteure auf der Bühne des Spielraums überzeugen schauspielerisch. Foto: Jantje Ehlers

Seckenhausen - Von Angelika Kratz. Überwiegend jung und weiblich war das Premierenpublikum im Seckenhausener Theater Spielraum am Samstagabend. Die Hansi-Bar freute sich über guten Umsatz, und irgendwie schien sich jeder zu kennen. Beste Voraussetzung also für das von Jessica de Vries geschriebene Schauspiel „Ausstellungsstück“.

Während die Besucher Ausschau nach den besten Plätzen hielten, ging auf der Bühne bereits die Post in einem Bällebad ab. Mit Netzen geschützt brauchte jedoch keiner im kleinen Theater Angst vor einem Treffer mit einem der weichen, weißen Softbällen zu haben. Die neun Aktivisten (Conny Böttcher, Pia Juchem, Thore Kutschan, Jan Letzel, Gesa Meier, Imran Rose, Milena Techentin, Nele Wagner, Korinna Wilkening) warfen sich die Bälle zu, aus dem Lautsprecher kamen ungewohnte musikalische Töne (Kalmen Rossbreiten).

„Ach da ist ja jemand“, wurde der erste Kontakt von den Ballspielern Richtung Publikum hergestellt, als Start für die kommenden 75 Minuten. Die sollten es in sich haben. „Wisch dir das Grinsen aus dem Gesicht“, lautete die berechtigte Warnung der Schauspieler ans Publikum. „Was ist das, was wir haben? Was bleibt übrig, wenn selbst die Stille geht?“, hinterfragten die drei Paare „Grün“, „Gelb“ und „Blau“. Wie giftige Nattern gaben drei in Rot gekleidete Frauen als „Chor“ ihre bissigen Kommentare zu den zwischenmenschlichen Konflikten ab. Die leicht gewöhnungsgemäße Musik kribbelte im Magen, und sicherlich wird so mancher Frau im Publikum der Liebste an der Seite ein wenig leidgetan haben. „Halt jetzt mal die Fresse“, ertönte es weiblich und selbstbewusst von der Bühne, und die weißen Bälle flogen zu Themen wie Diskriminierung der Frauen im Film bis hin zu uralten Märchen. Da konnte der Mann auf der Bühne nur ein „Ich bin kein Prinz, kein Held, in mir ist so vieles“, beisteuern.

Ständig von sich selber und einander enttäuscht waren die drei Paare voller Hass aufeinander in eine Sackgasse geraten. Es fielen Sätze wie „du stehst mir im Weg“, „du bist nichts wert“ oder „Ihr Männer seid an allem schuld.“

Da wurde ein 4. Januar zum vorgezogenen Weltfrauentag und Equal Pay Day, ohne jegliche Versöhnungsangebote trotz vieler fliegender weißer Bälle als symbolische Friedenstauben. Harte Kost, und so waren die vernehmlichen Seufzer des männlichen Sitznachbarn und sein kleiner höflicher Applaus nur allzu verständlich. Dennoch war das Stück sehr gut und voller Emotionen vom Ensemble gespielt.

Weitere Aufführungen

sind am 11. Januar (20 Uhr), 12. Januar (18 Uhr), 15. Februar (20 Uhr) und 16. Februar (18 Uhr). Ticketreservierung per E-Mail an info@spielraum-stuhr.net. Der komplette Spielplan des Theaters an der Hauptstraße 35 in Seckenhausen ist online einsehbar:

www.spielraum-stuhr.net

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Bundesweite Bauernproteste: Tausende Traktoren unterwegs

Bundesweite Bauernproteste: Tausende Traktoren unterwegs

EU startet vor Libyen-Gipfel Diskussion über Militäreinsatz

EU startet vor Libyen-Gipfel Diskussion über Militäreinsatz

Bundestag debattiert über Sicherheit für Radler

Bundestag debattiert über Sicherheit für Radler

Neue Maßnahmen gegen "Sauf-Tourismus" auf Mallorca und Ibiza

Neue Maßnahmen gegen "Sauf-Tourismus" auf Mallorca und Ibiza

Meistgelesene Artikel

Trecker-Demo am Freitag: Staus und Blockaden zum Feierabend

Trecker-Demo am Freitag: Staus und Blockaden zum Feierabend

„Ein Kieksen und Schluchzen“: Dieter Bohlen vergleicht DSDS-Kandidatin mit Jury-Kollegen - und ist begeistert

„Ein Kieksen und Schluchzen“: Dieter Bohlen vergleicht DSDS-Kandidatin mit Jury-Kollegen - und ist begeistert

Protestfahrt der Landwirte in Richtung Bremen: „Das wird voll“

Protestfahrt der Landwirte in Richtung Bremen: „Das wird voll“

Erziehungsberechtigte stellen Grundsätze der Stuhrer Kinderbetreuung infrage

Erziehungsberechtigte stellen Grundsätze der Stuhrer Kinderbetreuung infrage

Kommentare