Bewährungsstrafe

Streit unter Brüdern in Stuhr: Kein versuchter Totschlag

Vor dem Landgericht Verden wurde ein 66-Jähriger zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Archiv
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Vor dem Landgericht Verden wurde ein 66-Jähriger zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Archiv

Ein Streit mit seinen Brüdern gipfelte am 1. April dieses Jahres in Stuhr in einer Tat, die einen 66-Jährigen für fast acht Monate in Untersuchungshaft brachte. Vor dem Landgericht Verden musste er sich wegen versuchten Totschlags verantworten.

Verden / Stuhr – Erst hatte der Angeklagte dem heute 64-Jährigen zwei Schläge mit einem abgesägten Spatenstil gegen den Kopf verpasst, dann Diesel über dessen in einer Halle geparkten Oldtimer gekippt und angezündet. Montag fiel das Urteil in dem Prozess: Es war kein versuchter Totschlag.

Dem Antrag von Verteidiger Karsten Dierig folgend, wurde der bislang nicht vorbestrafte und nach Aussage von Zeugen nie zuvor gewalttätig gewordene Angeklagte aus Hatten zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Ein Jahr und zehn Monate wegen gefährlicher Körperverletzung, Brandstiftung, vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung.

Schläge und Brandstiftung

Nach den Schlägen und der Brandstiftung hatte der 66-Jährige den bei der Tat leicht verletzten Bruder in dessen Fahrzeug sitzen sehen und dieses mit seinem Auto gerammt.

Seit fast 20 Jahren schwelt der Streit. „Die Eltern haben ein mittelständisches Unternehmen aufgebaut. Der Angeklagte war dort lange beschäftigt“, führte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk in der Urteilsverkündung aus. Dann sei er dort unfreiwillig ausgeschieden. „Unter Umständen, die er als demütigend empfand.“

Der Streit flammte erneut auf nach dem Tod der Mutter Ende 2020, als der spätere Geschädigte das Auto der Eltern verkauft hatte. Der Angeklagte fühlte sich wieder ungerecht behandelt. „Die Summe ist so marginal gewesen“, merkte Stronczyk an. Dass man sich fragt, wie es darum so einen Streit geben kann.

80 000 Euro Schadensersatz aus der Untersuchungshaft

Ein niedriger vierstelliger Betrag, der in keiner Relation zum Vermögen der Brüder zu stehen scheint. Der jüngste Bruder leitete das Unternehmen. Der Geschädigte bezeichnete sich als Privatier, und der Angeklagte war in der Lage, aus der Untersuchungshaft bereits 80 000 Euro Schadensersatz zahlen.

Aus der empfundenen Demütigung nach dem Ausscheiden aus der Firma entwickelte der Angeklagte psychische Probleme. „Er hat es nicht geschafft, damit fertig zu werden“, stellte der Vorsitzende Richter fest.

Eine verminderte Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt billigte die Kammer dem 66-Jährigen nach den Ausführungen einer psychiatrischen Sachverständigen zu. „Wenn sich drei Brüder so miteinander streiten, dann ist nicht der eine böse und der andere gut“, merkte der Vorsitzende kritisch an.

„Die Kammer geht ganz klar davon aus, dass ein Tötungsvorsatz nicht vorliegt“, hieß es weiter. Und selbst wenn doch, dann läge ein „strafbefreiender Rücktritt vom Versuch“ vor. Die Verletzungen seien minimal gewesen. Spontan habe der 66-Jährige den „unseligen Entschluss“ zur Tat gefasst und sich im Prozess reuig und geständig gezeigt. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Rechtskräftig ist das Urteil aber nicht. Die Staatsanwaltschaft hatte dreieinhalb Jahre Haft beantragt. Dem hatte sich die Anwältin des als Nebenkläger beteiligten Geschädigten angeschlossen.

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