Schiedspersonen ziehen Bilanz

Häufig sind es Konflikte der Generationen

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Wilco Freund (links) übernimmt den Bereich von Irene Bruns. Auch Günter Martens gibt nun sein Amt als stellvertretende Schiedsperson ab.

Stuhr - Von Julia Kreykenbohm. Das Ehepaar, neben dem Markus M. und seine Frau jahrelang gelebt haben, geht ins Altersheim. Das Nachbarschaftsverhältnis war immer gut, fast freundschaftlich.

Nun zieht eine junge Familie ein und schon gibt es Ärger: Die Neuen halten es nicht mal für nötig, sich vorzustellen, geschweige denn Rücksicht zu nehmen. Die Kinder lärmen, und als dann auch noch das Laub des Nachbarbaums ständig auf seinem Grundstück landet, reicht es dem Rentner. Er spricht seine Nachbarn an, doch die hören ihm gar nicht zu. Der Streit droht nun zu eskalieren, doch weil Markus M. nicht gleich vor Gericht ziehen will, ruft er die Schiedsperson für seinen Bezirk an.

Situationen, wie in diesem Beispiel, kennt Irene Bruns. Sie hat sie fünf Jahre lang betreut und die zerstrittenen Parteien beraten, denn sie war Schiedsperson für den Bereich Stuhr, Moordeich, Varrel und Groß Mackenstedt. Nun gibt sie ihr Amt an Wilco Freund ab. 

Das Kernproblem der meisten Konflikte, mit denen sie zu tun hatte, beschreibt sie so: „Menschen haben einen Wunsch, und den wollen sie umsetzen. Dabei merken sie nicht, dass sie damit die Interessen und Befindlichkeiten anderer verletzen. Meistens schweigen die Betroffenen lange und das ist ein Problem: Der eine sagt nichts, der andere weiß nichts. Dann kommen sie irgendwann zu uns.“

Parteien an einen Tisch bringen

Bruns und ihr Stellvertreter Günter Martens, der ebenfalls sein Amt abgibt, müssen für ihre Hilfe keine ausgefeilten Lösungskonzepte vorlegen. In der Regel reiche es schon, die Parteien an einen Tisch zu holen und zu einem offenen Gespräch zu motivieren. „Dann finden sie die Lösung meist von allein.“ Martens bestätigt das: „Manche Leute riefen mich an, als sei ich ein Richter, der zu entscheiden hätte, dabei geht es uns darum, einen Vergleich zu finden, mit dem alle leben können.“

Acht bis zwölf Fälle hat Bruns in einem Jahr behandelt. Doch viel öfter wurde sie für Beratungsgespräche angrufen. „Das ist der wesentliche Teil.“

Sie nehme grundsätzlich jeden Fall ernst, doch ihre Erfahrung ist: „Meist geht es gar nicht um den Baum, der sein Laub auf dem Grundstück des Nachbarn verliert oder den Zaun, der gebaut wurde, sondern um Verletzungen, die in der Vergangenheit liegen und nicht angesprochen wurden. Beim gemeinsamen Gespräch platzt dann oft der Knoten und diese Dinge kommen endlich auf den Tisch.“

Nachbarn einfach mal einladen

Besonders häufig sei der Generationsumbruch ein Auslöser für Streit, sagt Bruns. Neue Leute ziehen in alte Gemeinschaften, und viele Ältere seien beleidigt, weil die Neuen sich nicht vorstellen. Den Senioren rät Bruns, selbst die Initiative zu ergreifen: „Laden Sie Ihre Nachbarn zum Kaffee ein und helfen Sie ihnen, das Problem aus Ihrem Blickwinkel zu betrachten – im wahrsten Sinne des Wortes. Zeigen Sie ihnen von Ihrem Haus aus, deren Grundstück und erklären, warum sie dieses oder jenes stört.“

Und die Stuhrer sind gar nicht so stur: Die meisten Konflikte, die an sie herangetragen wurden, konnte Bruns mithilfe der Parteien lösen. Nur zwei seien in fünf Jahren vor Gericht gelandet. Daran könne man sehen, wie sehr die Schiedspersonen zur Entlastung der Gerichte und auch zu dem guten Miteinander beitragen, sagt Phillip Rohlfing von der Gemeindeverwaltung. Stuhr habe sehr gute Erfahrungen mit ihnen gemacht.

Die Helfer, die alle ehrenamtlich arbeiten, erhalten vor ihrem Amtsantritt eine Schulung. So auch Wilco Freund, der ab dem 1. September den Bereich von Bruns übernimmt. Für Brinkum, Seckenhausen, Heiligenrode und Fahrenhorst ist weiterhin Robert-Jan Stüssel zuständig.

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