Gypsy-Swing und Chansons im spritzigen Jazz-Gewand

Viertägiges Festival in Stuhr bietet Stilmix und musikalische Überraschungen

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Uli Beckerhoff (Trompete) mit seinen Mitspielern Richard Brenner (Piano), Moritz Götzen (Bass) und Niklas Walter (Drums).

Stuhr - Von Rainer Jysch. Vier Tage Jazz im Stuhrer Rathaus gingen am Sonntag zu Ende. Bereits zum 19. Mal hatte die Gemeinde Stuhr und die Kreismusikschule des Landkreises Diepholz unter der künstlerischen Leitung von Jens Schöwing dieses über die Gemeindegrenzen hinaus bekannte Festival mit verschiedenen Stilrichtungen des Jazz organisiert. Schöwing legt – wie er sagt – stets Wert auf eine interessante Mischung der Interpreten. „Ich glaube, ich kann das ganz gut einschätzen, was hier beim Publikum ankommt“, erklärte er am Rande der Veranstaltung.

Nachdem am Donnerstag das Jazzforum der Kreismusikschule die Musikbeiträge gestaltet hatte, startete am Freitag ein ganz ungewöhnliches Duo das Programm. „Was Sie heute hören, kennen Sie alle. Nur so wie heute Abend, haben Sie das garantiert noch nie gehört“, machte Jens Schöwing Appetit auf Gypsy-Swing und Chanson-Melodien des Duos „Les 4 frères“ (Die vier Brüder). Die ursprünglich als Quartett gegründete Formation ist inzwischen auf ein virtuoses Duo geschrumpft. Matthias Entrup (Vibraphon) und Michael Bohn (Kontrabass) präsentierten auf humorvolle und stilsichere Weise französisch gefärbte Stücke von ihrer einzigen, im Wohnwagen-Format designten CD, darunter „Armanda’s Rumba“, „Sous le ciel de Paris“ sowie „Swing 42“ von Django Reinhard.

Mitreißender Sound

Danach brachte die Gruppe „re:lounge“ Jazz- und Popklassiker auf die Bühne. Die vierköpfige Formation mit Susanne Hwang (Gesang), Jens Schöwing (Keyboard), Christian Frank (E-Bass) und Schlagzeuger Holger Twietmeyer hatte den großartigen Jazz-Gitarristen Ansgar Specht als „Special Guest“ eingeladen. Specht ist vielen Besuchern noch von früheren Jazzfesten bekannt, so auch 2017 und 2012. Die Gruppe zeigte Bühnenpräsenz und vermochte den Ratssaal mit ihrem mitreißenden Sound zu füllen. Einer Handvoll Gästen war es vermutlich zu laut, da sie das Konzert vorzeitig verließen.

Die Gruppe „re:lounge“ mit Sängerin Susanne Hwang. Daneben Bassist Christian Frank und Gitarrist Ansgar Specht. Nicht im Bild: Jens Schöwing (Piano) und Holger Twietmeyer (Drums).

Am Sonnabend übernahm die Gruppe „Joern and the Michaels“ den musikalischen Auftakt. Jörn Peeck (Schlagzeug), Michael Linke (Klavier) und Michael Haupt (E-Bass) glänzten mit „Kick Jazz“, so auch der Name ihres Debüt-Albums. Eigentlich finden sich viele Stilrichtungen im Klang des Trios: Rock, Blues, Jazz. Als „eingängig-tanzbar“ bezeichnen sie ihre Musik. Wobei dem Hörer auffällt, dass drei gleichgestellte virtuose Solisten am Werk sind, die auf der Bühne „going with the flow“ kongenial zu einem Klangkörper zusammenwachsen.

Szenenapplaus für Soloeinlagen

Den Hauptact des Abends lieferte der international renommierte Trompeter Uli Beckerhoff mit seinen drei hochbegabten Mitspielern. Beckerhoff war schon 2004 „vertretungsweise“ beim Stuhrer Jazzfest, wie er sich erinnerte. Der 70-jährige „Grandseigneur des Jazz“ hält auch eine Professur an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Das Konzert in Stuhr fand im Rahmen Beckerhoffs Geburtstags-Tournee statt. Eines der Stücke widmete sich dem Argentinischen Tango, das Beckerhoff gewohnt feinfühlig und mit hoher Qualität präsentierte. Auch seine drei jungen Mitspieler vermochten das Jazzfest mit Perfektion zu bereichern und ernteten häufigen Szenenapplaus für Soloeinlagen. „Festivals wie dieses sind unglaublich wichtig für die deutsche und internationale Jazzszene“, lobte Beckerhoff.

Den traditionellen Ausklang bildeten am Sonntagvormittag die Big-Bands der Kreismusikschule: „Mo’Jazz & Horns“ unter der Leitung von Jens Schöwing und Dierk Bruns. Aus Delmenhorst waren die „Jazz Invaders“ mit Leiter Hans Kämper angereist, um mit einem musikalischen Feuerwerk dem wieder sehr gelungenen Stuhrer Jazzfest einen großartigen Schlusspunkt zu setzen.

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