Raumlufttechnische Anlagen nicht notwendig

Gutachten für Stuhrer Schulen und Kitas: Lüften reicht gegen die Virenlast

Eine Lüftungsanlage steht im Klassenzimmer einer Schule.
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In Stuhrer Schulen und Kitas haben Lüftungsanlagen gegenüber dem regelmäßigen Lüften keinen Vorteil. Für die Belüftung über Fenster und Türen sieht ein Gutachten die Einrichtungen gut aufgestellt.

Stuhrer Schulen und Kitas benötigen keine Raumlufttechnischen Anlagen (RLT), da diese keine Vorteile gegenüber einer Belüftung über Fenster und Türen haben. So sieht es das Ingenieurbüro Beierle, das sich alle Gebäude angesehen hat. Zudem müsste auch mit RLT nach 20 Minuten gelüftet werden. 

Stuhr – In den Schulen und Kindertagesstätten der Gemeinde Stuhr besteht kein Bedarf an Raumlufttechnischen Anlagen (RLT). Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, das die Verwaltung beim Ingenieurbüro Beierle in Auftrag gegeben hatte. Demnach ist eine Querlüftung über Fenster und Türen fast überall gewährleistet. Luftfiltergeräte könnten eine Raumlüftung nicht ersetzen.

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie hatte die Politik um diese Expertise gebeten – um auszuschließen, dass Klassenzimmer eingeschränkt oder nicht ausreichend gelüftet werden können. „Wir sind sehr gut aufgestellt“, fasste die zuständige Fachdienstleiterin Ann-Kathrin Dannemann das Gutachten am Dienstagabend im Schulausschuss zusammen.

Für die Kitas stellte das Büro überhaupt keine Probleme fest. Und mit drei Ausnahmen ist das auch an den Schulen der Fall, wie Planer Björn Böttjer im Ausschuss berichtete. An der Grundschule Moordeich etwa muss nachgebessert werden, weil die Fenster in vier Klassenräumen keine ausreichende Querlüftung ermöglichen. Dort ist jetzt der Einbau neuer Fenster vorgesehen. Im „bunten Raum“ der Grundschule Brinkum, ein innen liegender Raum der Mensa, ist eine ausreichende Lüftung nicht gewährleistet, da dort lediglich Oberlichter vorhanden sind. Über die Testphase mit mobilen Luftfilteranlagen sagt Dannemann: „Was wir an Luftaustausch brauchen, können wir damit nicht erreichen.“ Luftfilteranlagen würden keinen Luftaustausch bieten und kein reguläres Lüften ersetzen. Als technische Lösung sei die „Schaffung natürlicher Luftnachströmung durch einen Luftkanal“ zum Zuge gekommen.

„Kein bedeutsamer Mehrwert, aber eine Geräuschbelastung“

Auch an der KGS Moordeich existierten in zwei innen liegenden Unterrichtsräumen ausschließlich Oberlichter, aber auch zentrale Zu- und Abluftanlagen. Damit sei eine Lüftungsproblematik ausgeschlossen.

Die Wirkung von RLT-Anlagen ist laut Gutachten vergleichbar mit einer ausreichenden Lüftung durch Fenster und Türen. RLT führten nicht zu einer verringerten Virenlast. Schon in einer Untersuchung für die Stadt Damme war das Büro Beierle zu diesem Ergebnis gekommen.

„Die Anlagen liefern keinen bedeutsamen Mehrwert, aber eine Geräuschbelastung“, sagte Dannemann. Darüber hinaus entstünden Strom-, Wartungs- und weitere Investitionskosten – letztere, weil die Geräte irgendwann ersetzt werden müssten. Und: Der aktuelle Rahmenhygieneplan für niedersächsische Schulen sehe ohnehin die „20-5-20“-Regelung vor. Das heißt: nach 20-minütigem Unterricht für fünf Minuten lüften. Dies garantiere einen ausreichenden Luftaustausch. Die Empfehlung des Büros, in den Klassenräumen CO2-Ampeln einzusetzen, ist laut Dannemann überall umgesetzt.

Der Heiligenroder Andreas Nuß setzte sich als Besucher für den Einsatz von RLT ein. Als Mitarbeiter des Bauamts in Lemwerder sei er für das Thema Lüftungsanlagen zuständig. Zum einen habe eine Untersuchung der Universität Stuttgart Raumlüftungsanlagen als „langfristige und dauerhafte Lösungen“ empfohlen, sagte Nuß. Die Stadt habe den Auftrag dazu erteilt. Zum anderen sei das niedersächsische Landesgesundheitsamt zu dem Schluss gekommen, dass RLT eine „gleichmäßige und dauerhafte Absenkung der Virenlast der Raumluft“ sicherstellten.

„So spricht man nicht mit unserem Gutachter“

Auf der Basis von 281 Klassenzimmern und 15 000 Euro pro Anlage würde die Installation der RLT 3,8 Prozent des Stuhrer Haushaltes ausmachen. Laut Böttjer liegt der Komplettpreis (inklusive Vorarbeiten und Installation) sogar bei 25 000 Euro. 80 Prozent der Kosten wären allerdings durch eine Förderung des Bundes abgedeckt.

„Ist das etwa zuviel?“, lautete die rhetorische Frage von Nuß. Die Alternative sei, den Nachwuchs durch das regelmäßige Lüften im Kalten sitzen zu lassen. „Es geht hier um die Gesundheit unserer Kinder“, sagte Nuß.

Die Ausschussvorsitzende Susanne Cohrs (SPD) rügte Nuß dafür, dass er Böttjer mehrfach mit Ergebnissen der Stuhrer Expertise konfrontiert hatte. „So spricht man nicht mit unserem Gutachter“, sagte Cohrs. Böttjer habe festgestellt, was in der Gemeinde vorhanden sei. „Wir haben alles überprüft und festgestellt, dass Stuhr mit der Fensterlüftung vernünftig aufgestellt ist“, fügte Böttjer hinzu.

Fachbereichsleiterin Kerstin Frohburg schließlich: „RLT sind geeignet, aber nicht geeigneter als Fensterlüftung. Und das ist der ausschlaggebende Punkt.“

Von Andreas Hapke

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