Hochkarätiges Konzert in Gutsscheune

So gut, da braucht’s eigentlich keinen Mut

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Lise de la Salle brilliert bei den Niedersächsischen Musiktagen mit dem Klavierkonzert Nr. 1 a-Moll von Clara Schumann.

Varrel - Von Uwe Goldschmidt. „Mut!“ lautet das Motto der Niedersächsischen Musiktage in diesem Jahr. Diesen haben die Organisatoren des in diesem Rahmen am Donnerstag in der Varreler Gutsscheune aufgeführten Konzertes eigentlich nicht gebraucht. Das Programm ist so hochkarätig besetzt gewesen, dass ein Erfolg praktisch garantiert war.

Günter Günnemann, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Syke, erläuterte in seiner Begrüßung die Motivation der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, ein Konzertprogramm zu diesem Thema zusammenzustellen: „Wann ist in der Musik Mut erforderlich? Welche Lieder erzählen von Mut? Und wie mutig müssen Künstlerinnen und Künstler heute sein?“

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein waren komponierende Frauen eine absolute Ausnahme. Zu ihnen gehörte Clara Schumann (geb. Wiek), die nicht nur die überragende Pianistin ihrer Epoche ist, sondern auch eine der bedeutendsten Komponistinnen. Ihr Geburtstag jährte sich in diesem Jahr zum 200. Mal. Eine faszinierende junge Komponistin der Gegenwart hingegen ist die Isländerin Anna Thowaldsdottir, deren Werk „Hrim“ in Varrel vor Clara Schumanns Klavierkonzert a-Moll Op. 7 aufgeführt wurde.

Mit „Hrim“ präsentierte sich die NDR-Radiophilharmonie zunächst als Kammerorchester. Horvaldsdottirs Kompositionen seien gleichzeitig wunderschön, komplex in Orchestrierung, zugleich episch und zeichnen eine unverwechselbare, kalte und weite Landschaft, sind sich die Kritiker einig.

Auch in der Gutsscheune war diese Weite der Soundlandschaften klanglich zu spüren, so schien die Musik das Zeitgefühl aufzuheben, so als blicke man in den unendlichen Horizont der isländischen Landschaft.

Lise de la Salle, die junge Französin, deren internationale Karriere schon mehr als anderthalb Jahrzehnte währt, gehört zu den bekanntesten französischen Pianistinnen. Hochbegabte Kinder überspringen in der Schule schon mal eine Klasse. Lise da la Salle übersprang gleich das ganze Pariser Konservatorium. Als sie aufs Conservatoire national supérieur de Paris durfte, landete sie gleich in der Postgraduierten-Klasse, und zwei Jahre später war sie bereits fertig. Die heute 32-jährige Künstlerin gab bereits mit neun Jahren ihr Konzertdebüt, studierte in Paris und New York City und machte sich vor allem als Interpretin der Werke von Bach, Liszt und Schumann einen Namen. In Stuhr übernahm die Pianistin den Part von Clara Schumann. Begleitet wurde sie von den nun gut 50 Musikern der NDR-Radiophilharmonie. Zwar wirkt die junge Französin eher zurückhaltend, doch im Konzert strotzt sie vor Selbstbewusstsein, Kraft und Energie und kann die virtuosen Schwierigkeiten der anspruchsvollen Komposition mühelos bewältigten und so die fast 200 Zuhörer begeistern.

Ebenfalls auf höchstem Niveau präsentierte sich die in Taiwan geborene amerikanische Dirigentin Mei-Ann Chen, die nach der Pause auch das Hauptwerk des Abends von Robert Schumann dirigierte. Seit 2011 ist sie Musikdirektorin der Chicago Sinfonietta und seit 2016 zudem Künstlerische Leiterin und Chefdirigentin des National Taiwan Symphony Orchestra.

In Varrel begeisterte sie das Publikum durch ihre energiegeladene Orchesterführung. Robert Schumanns zweite Symphonie in C-Dur gilt als eine der größten Leistungen der Romantik innerhalb der Gattung und wurde von den Philharmonikern besonders strahlend und mitreißend aufgeführt, sodass auch zwischen den Sätzen laut applaudiert wurde.

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