Grundschulleiterin Angela Barkemeyer geht in den vorzeitigen Ruhestand

„Lehrer müssen mehr und mehr Sozialarbeit leisten“

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Angela Barkemeyer verabschiedet sich heute in den vorzeitigen Ruhestand.

Seckenhausen - Von Sandra Bischoff. Ihre Französischkenntnisse aufpolieren, wieder Klavierunterricht nehmen, viel Zeit in ihrem Haus in Schweden verbringen, Urlaub in Frankreich machen und die erwachsenen Kinder in Berlin besuchen: Für ihren vorzeitigen Ruhestand hat sich Angela Barkemeyer viel vorgenommen. „Es könnte auch ein Unruhestand werden“, sagt die Leiterin der Grundschule Seckenhausen schmunzelnd. Heute wird sie verabschiedet.

Seit August 2005 leitet die Delmenhorsterin die Geschicke der Schule an der Timmstraße. In Delmenhorst geboren, studierte sie in Oldenburg Deutsch und Geografie und trat 1975 in den Schuldienst ein. Ihre erste Station war die Orientierungsstufe in Berne in der Wesermarsch. Danach unterrichtete sie an zwei Orientierungsstufen in Delmenhorst und pausierte schließlich acht Jahre, um sich um ihre drei Kinder zu kümmern. 1991 nahm die Pädagogin ihren Beruf wieder auf, und zwar an der Marienschule in Delmenhorst. 14 Jahre später wurde Barkemeyer Schulleiterin in Seckenhausen.

Ihre Arbeit hat sich im Lauf der Zeit stark verändert. Seit der Umwandlung in eine eigenverantwortliche Schule 2008/2009 habe der verwaltungstechnische Anteil stark zugenommen, sagt die 62-Jährige. Die Änderung in eine Ganztagsgrundschule im Jahr 2012 sieht sie indes positiv: „Über die Hälfte unserer Schüler, also mehr als hundert, nutzen das Angebot, das ist sehr gut.“

Aber nicht nur die äußeren Bedingungen der Schule, auch die Schüler selbst haben sich seit den 1970er-Jahren verändert, so Barkemeyers Beobachtung. „Sie sind selbstbewusster im Vergleich zu früher.“ Und sie kämen mit immer weniger Voraussetzungen in die Schule. „Lehrer müssen mehr und mehr Sozialarbeit leisten. Es fehlt einfach oft an Erziehung.“ Nicht ungewöhnlich sei es, dass die Pädagogen den Erstklässlern oft erst beibringen müssten zu antworten, wenn die Lehrer die Klasse morgens begrüßten.

Dennoch habe ihr die Arbeit immer viel Spaß gemacht, sagt sie. Auch wenn sie als Schulleiterin mehr Zeit für die Verwaltungsaufgaben als für den Unterricht einplanen musste. „Man bekommt so viel wieder in der Grundschule. Die Kinder sind noch motiviert, und sie bringen uns Erwachsenen wahnsinnig viel Vertrauen entgegen, das ist einfach toll.“

Viele Ereignisse sind der Delmenhorsterin in Erinnerung geblieben. So zum Beispiel ihre erste Klassenfahrt als Lehrerin, die sie mit den Kindern 1976 nach Winterberg ins Sauerland führte. Ein Virus befiel fast die gesamte Klasse. „Die Kinder hatten reihenweise Fieber, und ich besorgte mir von dem örtlichen Arzt eine große Box mit Medikamenten und ging von Zimmer zu Zimmer, um die Kleinen zu versorgen.“ Zur Heimreise waren alle wieder fit.

Nach fast 40 Jahren im Schuldienst freut sich Barkemeyer auch auf ihre neu gewonnene Freizeit. „Ich freue mich, die große Verantwortung abzugeben, den Druck loszuwerden.“ Dennoch werden ihr die Kinder und die Kollegen fehlen. „Wir haben ein tolles Verhältnis im Kollegium, reden und lachen viel miteinander.“

Einen Nachfolger gibt es bisher nicht. Die Stelle war laut Barkemeyer zweimal ausgeschrieben – erfolglos. Jetzt übernimmt Konrektorin Andrea Rahn kommissarisch die Leitung.

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