Stipendium für Erzieher in der Ausbildung

SPD und Grüne begrüßen den FDP-Vorstoß

Stuhr - Von Andreas Hapke. Der Antrag der FDP auf die Unterstützung angehender Erzieher und Erzieherinnen mittels eines zweijährigen Stipendiums während der Ausbildung an der Fachschule Sozialpädagogik findet bei Teilen der Konkurrenz im Gemeinderat Anklang. Vertreter von SPD und Grünen sehen in dem Vorstoß der Liberalen einen mindestens diskussionswürdigen Ansatz, ebenso Bürgermeister Niels Thomsen.

Die FDP möchte ab 2018 vier Schülern pro Jahrgang im zweiten Teil ihrer Ausbildung mit monatlich 300 Euro unter die Arme greifen (wir berichteten). Im Gegenzug verpflichten sich die Stipendiaten, in dieser Zeit den praktischen Teil in einer Stuhrer Einrichtung zu absolvieren und der Gemeinde nach Abschluss der Ausbildung für fünf Jahre zur Verfügung zu stehen.

„Es wäre einen Versuch wert“, findet die SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Cohrs. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Mehrheit der Fraktion da ähnlich darüber denkt. Das wird bei uns auf jeden Fall diskutiert werden. Im Kreis läuft das vergleichbare Landarztstipendium positiv, wir legen es jedes Jahr neu auf.“ Über einzelne Eckpunkte, etwa die monatliche Förderung, müsse nachgedacht werden. „Finanziell ist der Vorschlag der FDP darstellbar“, sagt Cohrs.

Eine „Idee, über die man reden muss“

Auch Kristine Helmerichs, Fraktionschefin der Grünen, betrachtet den FDP-Antrag als eine „Idee, über die man reden muss, ganz klar“. Der Fachkräftemangel liege nicht darin begründet, dass Erzieherinnen partout nicht in Stuhr arbeiten wollen. Vielmehr würden sich zu wenige junge Menschen für diesen Beruf entscheiden. Deshalb sei es richtig, einen Anreiz in der Ausbildung zu setzen. „Auch wenn das eine langfristige Angelegenheit ist: Das kann man so machen.“

Als zu lang empfindet Helmerichs die fünf Jahre, in denen die Stipendiaten ihren Beruf in Stuhr ausüben müssten. Sie halte den doppelten Zeitraum der Förderung, also vier Jahre, für fairer. „Wir müssen uns aber im Klaren sein, dass wir mit der Förderung eine Spirale in Gang setzen: Die Kommune organisiert die Fehler von Bund und Länder weg.“ Soll heißen: Es bedarf einer Reform dahingehend, dass die Erzieher-Ausbildung vergütet wird.

„Das Strukturproblem bleibt“

So sieht es auch Niels Thomsen: „Eine qualifizierte Ausbildung wird nicht entlohnt, und jetzt versuchen wir, das zu lösen. Das Strukturproblem bleibt ja. Es darf nicht darauf hinauslaufen, dass die Kommunen das mit individuellen Lösungen kompensieren.“ Gleichwohl spricht der Verwaltungschef von einer „durchaus sinnvollen Anregung, um Menschen, die in die Ausbildung gehen, an uns zu binden.“

Für die Fraktion „Besser“ ist der FDP-Vorstoß laut Chef Gerd.-W. Bode „gut gemeint, aber für uns die letzte Möglichkeit. Man kann den Antrag stellen, aber Feuer und Flamme sind wir nicht“. Man dürfe die Idee nicht mit dem Landarztstipendium vergleichen, mit dem der Kreis auf eine „wirkliche Notsituation“ reagiere. Die Gemeinde habe bereits das einzig Richtige unternommen: „Bei uns bekommen die Erzieher unbefristete Arbeitsverträge. Dadurch hat Stuhr schon einen gewissen Wettbewerbsvorteil.“ Und: „Wir groß ist unsere Personalnot wirklich?“, fragt Bode. „Das hängt doch auch von den Prognosen für die Kinderbetreuung ab.“

Als Argument taugt das nach Ansicht Thomsens nicht: „In Stuhr geht die Geburtenrate nicht zurück. Wir brauchen in Zukunft eher mehr Betreuer.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Frank Schröder wollte sich nicht zu dem Thema äußern. Er befinde sich im Urlaub und habe sich noch nicht mit dem Antrag beschäftigt.

Ein Kommentar von Andreas Hapke:

Der Wettbewerb um Ideen

Die Personalnot bei den Erziehern in der Gemeinde Stuhr ist unumstritten. Da ist jeder, der sich über eine Verbesserung der Lage Gedanken macht, willkommen. Wenn es sich dann noch um einen brauchbaren Vorschlag handelt, umso besser. Der Antrag der FDP auf Unterstützung angehender Erzieher und Erzieherinnen mittels eines zweijährigen Stipendiums ist brauchbar – vorausgesetzt, es sprechen keine arbeitsrechtlichen Belange dagegen.

Andreas Hapke

Die Förderung schafft einen Anreiz dort, wo dieser dringend benötigt wird: in der derzeit nicht vergüteten Ausbildung. Schon die ersten und überwiegend wohlwollenden Reaktionen aus anderen Fraktionen deuten darauf hin, dass sich die Kommunalpolitiker ernsthaft mit dem Vorstoß der Liberalen auseinandersetzen wollen. Das ist gut so. Bis zu einer Debatte im Rat sollte allerdings nicht allzu viel Zeit ins Land ziehen. Denn die Gemeinde steht im Wettbewerb zu anderen Kommunen – nicht nur auf der Suche nach Arbeitskräften selbst, sondern auch auf der Suche nach pfiffigen Ideen, dem Fachkräftemangel entgegenzutreten. Wer darauf wartet, dass Bund und Länder die Erzieherausbildung aufwerten, hat wahrscheinlich schon verloren.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa-tmn

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