Abrowdite in Seckenhausen

Existenzgründung in der Pandemie: Regine Ghischtallei öffnet Kosmetikstudio

Regine Ghischtallei in ihrem Kosmetikstudio.
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Schon immer ein Faible für Kosmetik gehabt, jetzt selbstständige Kosmetikerin: Regine Ghischtallei.

Nach Auskunft von Stuhrs Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier hat der Anteil der Frauen unter den Existenzgründern zugenommen. Regine Ghischtallei ist ein Beispiel dafür. In der Pandemie öffnete sie ein Kosmetikstudio.

Seckenhausen – Existenzgründung in Zeiten der Pandemie – da muss man sich seiner Sache schon ganz sicher sein. Bei Regine Ghischtallei war das der Fall. Vor knapp zwei Monaten hat sie ihr Kosmetikstudio Abrowdite an der Hauptstraße 14 in Seckenhausen eröffnet. Zum einen, weil sie diesen Beruf schon immer ausüben wollte. Zum anderen, weil der Schritt in die Selbstständigkeit schon „weit vor der Pandemie“ geplant war, wie Regine Ghischtallei berichtet. Zurückrudern kam nicht in Frage.

Ursprünglich wollte sie bereits im Herbst vergangenen Jahres loslegen. Die Räume in Seckenhausen hatte sie im Oktober angemietet, weil ihr der Standort an der stark befahrenen Hauptstraße zusagte. Doch dann stand der zweite Lockdown bevor. „Für zwei Wochen öffnen und dann wieder schließen – das wollte ich nicht.“

Also schloss Regine Ghischtallei Abrowdite erst am 5. Juni auf. Der Name setzt sich zusammen aus Aphrodite, Göttin der Schönheit und des Sinnlichen aus der griechischen Mythologie, sowie dem englischen Brow für Augenbraue. Auf deren Pflege versteht sich die staatlich geprüfte Kosmetikerin nach eigener Auskunft besonders gut. Wachsen, zupfen, färben – dies habe sie schon immer gemocht. Eine Passion sei das für sie. „Wohlgeformte Augenbrauen sind der Schlüssel zu einem schönen, konturierten Gesicht“, sagt Regine Ghischtallei,

Schon immer ein Faible für Kosmetik gehabt

Schon in der Schulzeit habe sie ein Faible für Kosmetik gehabt. Doch die Aussicht auf eine körperlich vielleicht zu anstrengende Arbeit und wenig Gehalt schreckte sie ab. Sie entschied sich für einen Bürojob. Regine Ghischtallei wurde Fremdsprachenkorrespondentin für Englisch, Französisch und Spanisch. Zuletzt hat sie als Sachbearbeiterin im Hochschulbüro für Geflüchtete an der Uni Bremen gearbeitet. „Ich hatte immer Bürojobs. Aber will ich das wirklich bis zur Rente machen?“ Diese Frage beantwortete Regine Ghischtallei für sich mit „nein“.

Ihre Ausbildung zur Kosmetikerin begann die heute 46-Jährige im April 2018. Damals war sie noch davon ausgegangen, dass sie zunächst als Angestellte arbeiten und sich erst auf lange Sicht selbstständig machen würde. Die Kehrtwende folgte 2019: „Ich dachte: Als Angestellte bin ich möglicherweise schon zu alt. Also gehe ich lieber gleich aufs Ganze.“

Der Besuch einer staatlich anerkannten Berufsfachschule für Kosmetik in Bremen endete im April 2020, also mit Beginn der Pandemie. „Hätte ich die die Ausbildung während Corona gemacht, wäre es vielleicht anders gekommen. Doch so stand meine Entscheidung fest.“

Studio in Eigenleistung und mit Privatkredit eingerichtet

Ihr Studio habe sie sich in Eigenleistung und mit Aufnahme eines Privatkredites hergerichtet. Eine Corona-Hilfe stand ihr zu keiner Zeit zu, da sie als Start-up durchs Raster fiel. „Ich konnte ja noch keine Zahlen präsentieren.“ Ganz ohne behördliche Hilfe ging es dann doch nicht: Regine Ghischtallei beantragte eine Existenzgründerunterstützung beim Arbeitsamt, die über sechs Monate lief. Und auf Vorschlag des Jobcenters nimmt sie an der Maßnahme Beratung und Kenntnisvermittlung für Selbstständige teil. Eine vom Jobcenter beauftragte Firma stellt ihr einen Mitarbeiter zur Seite, der mit ihr noch einmal die wesentlichen Aspekte durchgeht, zum Beispiel den Businessplan checkt und Vorschläge für das Marketing unterbreitet. Ziel: die Tragfähigkeit des Unternehmens auch unter den veränderten Bedingungen der Pandemie zu gewährleisten. „Es ist tragfähig“, sagt Regine Ghischtallei und betont: „So schnell würde ich auch nicht aufgeben.“

Der Werdegang von Regine Ghischtallei deckt sich mit den Erfahrungen von Stuhrs Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier. „Vor dem Hintergrund eines stabilen Arbeitsmarktes geht man jetzt nur in die Existenzgründung, wenn man wirklich davon überzeugt ist. Das ist keine aus der Not geborene Entscheidung. Die Leute haben sich in der Regel viele Gedanken gemacht.“ Die Situation sei anders als zu Zeiten der Ich-AGs. „Damals war es schwerer, einen Job zu bekommen. Mangels Perspektive gingen die Menschen unvorbereitet in die Existenzgründung.“

Teilweise würden Arbeitnehmer die Selbstständigkeit heute nebenberuflich aufnehmen. „Um zu sehen, wie das mit der Idee läuft.“ Dies sein häufig im Handwerk der Fall, aber auch in der Dienstleistungsbranche. „Wenn es funktioniert, hat es die Chance zum Vollerwerb.“ Der Frauenanteil bei den Existenzgründern sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Mit der Eröffnung ihres Kosmetikstudios bestätigt Regine Ghischtallei diese Entwicklung.

Von Andreas Hapke

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