Brinkumer Kirchenmäuse lösen sich auf

Großtagespflege im alten Pfarrhaus?

Im alten Pfarrhaus werden Räume frei.
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Im alten Pfarrhaus werden Räume frei.

Brinkum – In Brinkum könnte es bald eine neue Großtagespflegestelle geben, und zwar im Erdgeschoss des alten Pfarrhauses. Dort war bisher das Domizil der Brinkumer Kirchenmäuse. Doch der Spielkreis löst sich nach rund 50 Jahren auf. Zum Ende des Monats hat er den Nutzungsvertrag mit der Kirchengemeinde gekündigt.

Platz für eine Großtagespflegestelle gäbe es im Pfarrhaus also. Der Bedarf nach zusätzlichen Betreuungsplätzen ist ebenfalls da. Was fehlt, sind zwei Tagesmütter oder Tagesväter, die Lust haben, sich dort um acht bis zehn Kinder zu kümmern.

Die evangelische Kirchengemeinde würde es begrüßen, wenn in ihren Räumen weiterhin Kinder spielen, lernen und wachsen könnten. Auch die Gemeinde Stuhr fände eine Nachnutzung als Großtagespflege ideal. „Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen wächst“, berichtet Aljona Kabasch vom Familien- und Kinderservicebüro.

Aktuell gibt es ihr zufolge in der Gemeinde Stuhr zwei Großtagespflegestellen. Beide liegen im Ortsteil Varrel. Kurz zur Definition: In Großtagespflegestellen kümmern sich zwei oder mehr Tagespflegepersonen gemeinsam um mehr als fünf Kinder.

Bei der Gemeinde Stuhr sind 22 Tagespflegepersonen registriert, die insgesamt 90 Kinder betreuen. Es ist ein weiblich geprägtes Berufsfeld. Laut Aljona Kabasch gibt es nur einen Mann, der hin und wieder vertretungsweise als Tagesvater einspringt.

Die Räume im alten Pfarrhaus, die frei werden, fassen 99 Quadratmeter. Drinnen sind niedrige Tische, kleine Stühle und Spielzeug zu finden. Es gibt zwei Gruppenräume, einen Frühstücksraum mit angrenzender Küche, einen Wickelraum samt Mini-Toilette und sanitäre Anlagen für Erwachsene. Eine Terrasse führt direkt zu einem umzäunten Spielplatz.

All das könnten Tagespflegepersonen dort nutzen. Laut Willi Waßmann von der Kirchengemeinde dürften sie die Möbel kostenlos übernehmen. Für die Nutzung der Räume würde allerdings ein „kleines Entgelt“ anfallen. Denn für den Unterhalt des alten Pfarrhauses bekommt die Kirchengemeinde schon seit längerer Zeit keine finanzielle Unterstützung von der Landeskirche mehr. „Unsere Mitglieder werden, wie überall, weniger“, schildert er. Und je weniger Mitglieder eine Kirchengemeinde habe, desto weniger Geld gebe es für die Unterhaltung von Gebäuden.

Ganz alleine müssten die Tagespflegepersonen den Nutzungsbetrag aber höchstwahrscheinlich nicht wuppen: Die Gemeinde Stuhr fördert Tagespflegepersonen auf Antrag mit einem monatlichen Mietzuschuss.

Und wenn sich keine Tagesmütter oder -väter finden? „Wenn gar kein Interesse vorhanden ist, wird eine Mietwohnung daraus“, sagt Willi Waßmann. Allerdings wäre es in seinen Augen schade, die kindgerechte Einrichtung wieder zurückzubauen. Die Räume im Obergeschoss sind bereits als Wohnung vermietet.

Aljona Kabasch ist zuversichtlich, dass es interessierte Tagespflegepersonen geben wird. Wer sich vorstellen kann, in dem alten Pfarrhaus Kinder zu betreuen, kann sich an sie wenden.

Im Rathaus ist die Verwaltungsmitarbeiterin im Zimmer 235 anzutreffen. Telefonisch ist sie erreichbar unter der Nummer 0421 /  5695 235. Wer sich zur Tagespflegeperson weiterzubilden möchte, kann ebenfalls Kabasch kontaktieren. Sie vermittelt dann an die passenden Ansprechpartner des Landkreises.

Zur Info: Der Spielkreis

Eine Elterninitiative hat die Kirchenmäuse in den 70er-Jahren gegründet. Zunächst handelte es sich um ein Angebot innerhalb der evangelischen Kirchengemeinde Brinkum. Seit 2004 ist der Spielkreis als eingetragener Verein selbstständig (Förderverein Spielkreis- und Krabbelgruppenarbeit in der evangelischen Kirchengemeinde Brinkum).

2017 zog der Spielkreis vom Gemeindehaus in das alte Pfarrhaus, gegenüber der Kirche, um. Nun löst er sich zum Ende des Monats auf. Ein Grund dafür ist laut einer Mitteilung der Gemeinde Stuhr die geringe Nachfrage. Willi Waßmann von der Kirchengemeinde fügt hinzu, dass die Leiterinnen der Kirchenmäuse mittlerweile älter geworden seien. Nachfolger gebe es nicht.

Der Brinkumer Spielkreis ist nicht der erste, der sich auflöst. Seit diesem Jahr ist auch der Spielkreis der evangelischen Kirchengemeinde Varrel Geschichte. Den in Heiligenrode gibt es schon seit Längerem nicht mehr.

Waßmann vermutet, dass diese Entwicklung auch finanzielle Gründe hat. In einer gemeindlichen Krippe müssten Eltern oft weniger zahlen als bei einem privaten Spielkreis.

Eine weitere Ursache könnte laut der Gemeindeverwaltung sein, dass häufig beide Elternteile arbeiten und folglich mehr Betreuung brauchen, als ein Spielkreis bietet.

Von Katharina Schmidt

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