„Wir feiern jeden Tag das Leben“

Torge Meyer hat den Verein Liga der Pantheisten gegründet

Torge Meyer ist Vorsitzender der Liga der Pantheisten. Ansonsten baut er gerade sein Abitur im Fernstudium. - Foto: Ehlers
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Torge Meyer ist Vorsitzender der Liga der Pantheisten. Ansonsten baut er gerade sein Abitur im Fernstudium. 

Gr.  Mackenstedt - Pantheismus ist ein komplexes Thema. Torge Meyer schickt das vor dem Gespräch mit dieser Zeitung vorweg. Der 26-Jährige aus Groß Mackenstedt ist Gründer des Vereins Liga der Pantheisten, der inzwischen auch beim Amtsgericht Walsrode eingetragen ist. Mit ihm sprach Redakteur Andreas Hapke.

Herr Meyer, wie würden Sie Pantheismus in wenigen Worten erklären?

Torge Meyer: Es ist die philosophische Version der Religion, des Themas Gott. Ein Zwischending zwischen Religion und Wissenschaft. Es ist der Glaube, dass wir das Göttliche in den alltäglichen Dingen um uns herum sehen. Das Leben, die Existenz ist das Göttliche.

Können Sie ein Beispiel geben?

Meyer: Wir suchen die Wunder oft in der Mythologie oder in biblischen Dingen. Pantheismus sieht das Wunder im Jetzt, im Normalen, zum Beispiel in einer Geburt.

Wie leben Sie den Pantheismus in Ihrem Alltag?

Meyer: Als Pantheist bin ich grundsätzlich sozial eingestellt, ein friedlicher Mensch. So behandele ich auch die Umwelt, Mitmenschen und Tiere. Ich sehe mich als Teil davon. Nichts ist von mir abgegrenzt, alles hat seine Berechtigung in der Welt. Wir feiern jeden Tag das Leben. Das ist fast hippiemäßig.

Müssen Sie sich einschränken?

Meyer: Nein. Der Pantheismus hat keine Gesetze, sondern ist eine Philosophie, die jeder individuell ausleben kann. Wir sind keine Esoteriker oder Verschwörungstheoretiker. Ein Pantheist lebt ganz normal, er betrachtet die Welt lediglich anders. Er führt ein philosophisches Leben.

Das heißt, dass Sie als Tierfreund auch Fleisch essen dürfen?

Meyer: Das ist eine gute Frage. Tatsächlich verzichten manche Pantheisten auf Fleisch. Andere nicht. Sie argumentieren, dass sich Tiere auch gegenseitig auffressen. Klar ist, dass sich Massentierhaltung nicht mit Pantheismus verträgt.

Wie haben Sie den Pantheismus für sich entdeckt?

Meyer: Über das Buch „Gespräche mit Gott“ von Neale Donald Walsch. Zuvor kannte ich Gott nur als Person aus dem Christentum. Walsch zeigt einen anderen Gott, es ist eine spirituelle Herangehensweise, die zeigt, dass wir die Antworten in uns selbst tragen. Danach habe ich mich sehr mit Spiritualität und Pantheismus beschäftigt.

Und sind auf die Idee gekommen, einen Verein ins Leben zu rufen.

Meyer: Ich hatte zuvor schon diverse Plattformen gegründet. Auf Youtube, Facebook, eine Seite im Internet. Ich hatte dabei Unterstützer, etwa der stellvertretende Vorsitzende Martin Sagel und Beisitzerin Gela Weigelt, die beide schon Bücher veröffentlicht haben.

Was wollen Sie damit erreichen?

Meyer: Wir wollen eine größere Bewegung werden, dafür müssen wir rausgehen, an die Öffentlichkeit, Info-Stände organisieren. Nicht aus Gründen der Selbstdarstellung. Vielmehr glaube ich, dass es in Deutschland viele gibt, die so denken wie wir. Sie verbinden das nur nicht mit Pantheismus.

Wenn alles göttlich ist, kann man damit nicht auch alles legitimieren?

Meyer: Nein. Pantheisten sind sich immer bewusst, dass es Gegensätze gibt, und erkennen diese an. Das Gute und das Böse. Der Holocaust zum Beispiel ist natürlich etwas Böses gewesen, und keineswegs gottgegeben.

Kann Pantheismus politisch sein?

Meyer: Ja. Ich kann grüne Politik machen, sozialdemokratische, was auch immer. Aber es gibt Ausnahmen: Rechtsextremisumus geht nicht. Es ist gegen pantheistische Grundsätze, Menschen auszugrenzen. Wir suchen das Verbindende, nicht das Trennende.

Gibt es eigentlich Leute, die Sie für Spinner halten?

Meyer: Das passiert. Manche Leute halten uns für eine Sekte. Sie denken, wir wollen alle gleich machen. Dabei erkennen wir alle Religionen an. Niemand hat die Allgemeinwahrheit. Wir wollen mit den Leuten über Gott reden, Erkenntnis verbreiten und Frieden stiften.

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