Grigor Osmanian gibt Benefizkonzert

Hühnerjagd auf dem Akkordeon

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Grigor Osmanian begeistert das Publikum.

Stuhr - Von Angelika Kratz. Damit Rollator und Kinderwagen im Eingangsbereich des Brinkumer Mehrgenerationenhauses (MGH) Brinkum demnächst besser nebeneinander eingeparkt werden können, braucht der Flur des alten Schaumlöffelhauses eine Frühjahrskur. Um dies zu finanzieren, ging die Bürgerstiftung Stuhr, Trägerin der Einrichtung, mit einem Benefizkonzert erstmals neue Wege.

Der virtuose Akkordeonspieler Grigor Osmanian bescherte dem Publikum am Freitagabend im Rathaus einen außergewöhnlichen Konzertgenuss. Petra Maischims organisiert Osmanians Auftritte, und durch ihre Verbindung zum MGH kam ihr die Idee zu dem Konzert für den guten Zweck.

Thomas Schaumlöffel vom Vorstand der Bürgerstiftung begrüßte die Zuschauer im relativ gut besetzten Ratssaal. „Wirken durch milde Gaben“, wäre die Definition eines Wohltätigkeitskonzertes, erklärte er. Dafür gab es eine ganz besondere Spendenbüchse: Im Miniaturformat hatte einer der gut 100 Ehrenamtlichen der Einrichtung das Schaumlöffelhaus akribisch nachgebildet.

Als großes Geschenk für die Freunde außergewöhnlicher Akkordeonklänge zeigte sich einmal mehr das abwechslungsreiche Programm von Grigor Osmanian. Es führte das Publikum durch drei Jahrhunderte Musikgeschichte und widmete sich im ersten Teil den alten Meistern. Neben Osmanians Lieblingskomponisten Johann Sebastian Bach setzte das Armenische Oratorium von Khatschatur Awetisjan einen politischen Kontrapunkt zum 100. Gedenktag der Armenier und gedachte der Opfer des Völkermordes im Jahr 1915.

Ein Stück von William Byrd, dem englischen Komponisten des 17. Jahrhunderts, verzauberte die Seelen, gefolgt von Bachs Trio D-Moll. Heiter ging es mit Joseph Haydn und seiner Sonate Es-Dur weiter. Wer die Augen schloss, wähnte eine Orgel mit allen Facetten zu hören. Diese Illusion kann nur ein Bajan erzeugen, die osteuropäische Form des chromatischen Knopfakkordeons. Bei einem „normalen“ Akkordeon ist die Diskantseite mit Tasten besetzt, bei einem Bajan mit Knöpfen, die einen besonders reichen und großen Tonumfang ermöglichen.

Grigor Osmanian beherrscht die Handhabung seines Instruments unglaublich virtuos. Die meisten Stücke spielte er ohne Notenvorgabe, stets hochkonzentriert und wie in einer anderen Welt. Auch am Freitagabend lief ihm der Schweiß von der Stirn, und nur schwer kam er nach den jeweiligen Stücken wieder in die Realität des Rathauses zurück. Zeit für Worte blieb da nicht, nur gelegentliches ein kurzes Lächeln.

Der zweite Programmteil war Komponisten des 20. Jahrhunderts gewidmet. So mancher Walzer wurde angestimmt und mit Evgeny Derbenko ging es sogar auf eine fröhliche Hühnerjagd.

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