Glücksmomente durch einfache Bewegungen

Haus am Horst schafft für demenzkranke Bewohner eine Tovertafel an

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Die Bewohnerinnen (v.l. im Uhrzeigersinn) Mariechen Klöker, Renate Gärtner, Waltraut Volkmann und Hannelore Peper lassen am Tisch Seifenblasen zerplatzen. Als Zuschauer haben (hinten v.l.) Heim-Leiterin Doris Tochenhagen-Leue sowie das Ehepaar Ferry Heitkönig und Annette Angrabeit (Firma Nodits) ihren Spaß.

Fahrenhorst - Von Andreas Hapke. Ein Puzzle vervollständigen oder sich Bälle zuspielen, ohne dass die Sachen vom Tisch fallen – für Menschen mit Demenz sind das Erfolgserlebnisse. Möglich macht das die sogenannte Tovertafel, die das Pflegeheim Haus am Horst für seine Bewohner angeschafft hat. Leiterin Doris Tochenhagen-Leue ist begeistert: „Ich habe noch nie erlebt, dass Bewohner so lange gespielt haben.“

Als Testpersonen fungieren bei der gestrigen Premiere Mariechen Klöker, Hannelore Peper, Waltraut Volkmann und Renate Gärtner. Zunächst spielen die Frauen mit einer Reihe von Blumen, die ein Beamer auf den Tisch projiziert. Zu der an der Decke angebrachten Einheit zählen auch ein Computer und Lichtsensoren. Die Frauen drehen die Blumen und schieben sie hin und her, ziehen sie mal größer, mal kleiner. 

Ein Frau stimmt ein Kinderlied an: „Wenn ich ein Vöglein wär’ und auch zwei Flüglein hätt’, flög’ ich zu dir.“ Als nächstes sind Seifenblasen an der Reihe, die die Bewohnerinnen durch Berührung platzen lassen. „Ein Spielkind steckt in jedem von uns“, stellt Doris Tochenhagen-Leue fest. 8 000 Euro habe sie das Gerät gekostet.

Rückerinnerung, Entspannung und Empfinden

Annette Angrabeit, die die Tovertafel über ihre Firma Nodits in Deutschland vertreibt, hebt die körperlichen und kognitiven Effekte hervor: „Die Menschen bewegen sich. Sie werden nicht steif, nicht so schnell apathisch, sondern bleiben aktiv. Sie kommunizieren miteinander.“ Laut Angrabeit ist die Tovertafel auf den drei Spielerfahrungen Rückerinnerung, Entspannung und Empfinden aufgebaut, die bei jedem Demenzkranken vorhanden seien.

„Es sind ganz einfache Bewegungen, die zum Erfolg führen. Das sorgt für Glücksmomente“, sagt Ehemann Ferry Heitkönig. Mit seiner Firma Dé Digitale Adviseur berät er Unternehmen des Gesundheitswesens über den effektiven Einsatz von IT. „Wir haben Tovertafeln für Einrichtungen in den Niederlanden gesponsert. So sind wir überhaupt damit in Kontakt gekommen“, berichtet er. Nach Auskunft des Ehepaars arbeiten in den Niederlanden bereits 1 300 Einrichtungen mit dem Gerät. In Norddeutschland hingegen ist das Haus am Horst erst das vierte Heim mit Tovertafel, in Nordrhein-Westfalen sind es bis zu 20.

Laut Heitkönig können auch mehr als vier Leute an einem größeren Tisch spielen. „Jeder Tisch eignet sich, er darf nur nicht hochglanzweiß sein.“ Das Feld könne bis zu zwei mal drei Meter groß werden, einzustellen am Computer. Auf den könnten auch weitere, zugekaufte Spiele geladen werden. Bislang gibt es insgesamt 14. „Ziel ist, alle drei, vier Monate entweder ein neues Spiel zu entwickeln oder ein altes zu verbessern“, sagt Annette Angrabeit. „Dafür benötigen wir die Rückmeldungen aus den Einrichtungen.“

Gemeinsam ein Meisterwerk malen

Derweil beschäftigen sich die Bewohnerinnen damit, Fische im virtuellen Aquarium zu bewegen. Danach stellen sie Sprichwörter durch Antippen von Phrasen zusammen. „Den Nagel auf den Kopf treffen“ oder „Ein faules Ei verdirbt den Brei“ kommt dabei heraus. „Man kann sogar gemeinsam ein Meisterwerk malen“, sagt Heitkönig.

Mit ihren interaktiven Lichtprojektionen aktiviere die Tovertafel auf spielerische Weise auch betreuungsbedürftige Kinder mit Autismus oder geistigen Behinderungen. Bei diesen Versionen spiele aber auch der Wettbewerbscharakter eine große Rolle. „Autistische Kinder“, weiß Heitkönig, „streiten sich gerne.“

Weitere Informationen zur Tovertafel gibt es hier.

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