Glasfaserausbau steht kurz bevor

Breitbandinitiative des Landkreises Diepholz: 537 Stuhrer Haushalte könnten profitieren

Edwin Weiner (Infratech Bau), Hannes Mahrenholtz (GVG Glasfaser), Landrat Cord Bockhop und Bürgermeister Stephan Korte zeigen eine Karte mit den weißen Flecken Stuhrs.
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Den Glasfaser-Spatenstich können Edwin Weiner (Infratech Bau, v.l.), Hannes Mahrenholtz (GVG Glasfaser), Landrat Cord Bockhop und Bürgermeister Stephan Korte für Stuhr noch nicht genau terminieren. Sie zeigen sich aber optimistisch, dass die Arbeiten Anfang 2022 abgeschlossen werden.

Die Breitbandinitiative des Landkreises Diepholz ist in Stuhr angekommen. Bis zu 537 unterversorgte Haushalte könnten von einem Glasfaseranschluss profitieren, der eine Übertragungsrate von bis zu einem Gigabit pro Sekunde erlaubt. Der Startschuss für die Bauarbeiten steht kurz bevor.

Stuhr – Noch ist es ein leeres Rohr, aufgerollt auf einer großen Holztrommel, die an der Bundesstraße 439 in Heiligenrode steht. Doch das davon ausgehende Signal ist deutlich: Ein Jahr nach ihrem Start ist die Breitbandinitiative des Landkreises Diepholz in Stuhr angekommen. Wann genau der erste Spatenstich zur Anbindung der sogenannten weißen Flecken erfolgt, kann Edwin Weiner von der Firma Infratech Bau zwar nicht sagen. „Aber wir stehen in den Startlöchern. Wir fangen an der B51/Warwer Straße an und gehen von dort in die Gebiete rein.“ In Stuhr könnten 537 bislang unterversorgte Haushalte von einem schnellen Internetzugang mit bis zu einem Gigabit pro Sekunde profitieren. Zurzeit steht ihnen lediglich eine Übertragungsrate von unter 30 Mbit pro Sekunde zur Verfügung.

Voraussetzung für den kostenlosen Anschluss an das Glasfasernetz ist der Abschluss eines Vertrags mit der Unternehmensgruppe GVG Glasfaser bis zum 31. März. Nach Auskunft von Projektleiter Hannes Mahrenholtz wurde die ursprünglich im Januar endende Frist coronabedingt um zwei Monate verlängert. Es könnten sogar mehr als 537 Haushalte zum Zuge kommen, sagt Mahrenholtz. „Wir finden manchmal noch Häuser, die gar nicht auf unserer Liste standen.“

Landkreis Diepholz verbaut insgesamt 180 Millionen Euro

Landrat Cord Bockhop sagt: „Wir sind in einem Markt, wo sich Unternehmen tummeln und dort hingehen, wo es sich lohnt. Irgendeiner muss sich um den Rest kümmern.“ Irgendeiner – das ist in diesem Fall der Landkreis Diepholz, der auf seinen 2000 Quadratkilometern insgesamt 180 Millionen Euro verbaut, um den „Rest“, die abgehängten Haushalte, an die Datenautobahn anzuschließen. 60 Millionen Euro fließen an Fördermitteln, davon die Hälfte vom Bund. Weitere Geldgeber sind das Land und die Europäische Union. „Wir brauchen Breitband flächendeckend“, sagt Cord Bockhop und betont: „Wer erst in einigen Monaten auf die Idee kommt, dass er auch noch mitmachen möchte, den bestraft das Leben.“

Laut Bockhop sei der Ausbau weitgehend im Zeitplan, trotz Corona. Aktuell werde an vielen Orten im Kreisgebiet parallel gebaut. „Ende 2021, Anfang 2022 sind wir damit durch.“ Das bundesweit größte kommunale Breitbandvorhaben umfasse 2000 Leitungskilometer, davon 68 Kilometer Breitband-Trassen in Stuhr. Zum Jahreswechsel seien bereits 950 Kilometer fertiggestellt gewesen. Bockhop freut sich, dass es „so zügig klappt, viele Menschen aufspringen und die Akzeptanz so groß ist.“ Heute sei der Breitbandanschluss eine Aufwertung der Immobile, morgen ein K.o.-Kriterium dafür, ob ein Haus überhaupt verkauft werden könne.

Quote für Vertragsabschlüsse liegt aktuell bei 50 Prozent

Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte rechnet den Breitbandausbau zu den großen Stuhrer Projekten, vergleichbar mit dem Bau der Straßenbahnlinie 8. Insbesondere die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass schnelles Internet nicht „nice to have“ sei, sondern ein Muss. Das gelte umso mehr für Gewerbetreibende. „Den Landwirt mit Direktvermarktung betrifft das ebenso wie einen Online-Handel.“ Insofern begrüße er die Verlängerung der Anmeldefrist bis Ende März.

Dieser Schritt war laut Mahrenholtz notwendig, weil die Mitarbeiter bei ihrer Akquise pandemiebedingt auf die Tür-zu-Tür-Besuche verzichten müssen. „Wir sind ja auch komplett in den Lockdown gegangen und mussten auf den Telefonvertrieb umstellen. Wir beraten die Kunden aber gerne mehrmals, falls gewünscht.“ Videoberatung habe sich nicht als tauglich erwiesen. Dafür sei die Internetverbindung zu langsam. Obwohl die Vermarktungsphase noch auf Hochtouren läuft, ist sich Mahrenholtz sicher, auch in Stuhr am Ende „drei von vier Haushalten anzuschließen“. Nach Auskunft seiner Kollegin Claudia Pelzl beläuft sich die Quote zurzeit auf ungefähr 50 Prozent.

Neben den weißen Flecken gibt es in Stuhr wie auch in den anderen Landkreiskommunen noch vereinzelte rote Punkte, deren Anschluss sogar innerhalb der 180-Millionen-Euro-Initiative noch zu unwirtschaftlich ist – etwa wenn eine Leitung 500 Meter durch den Wald gelegt werden müsste. Eine Anbindung dieser „850 Einzelfälle“ würde laut Bockhop noch einmal 40 Millionen Euro kosten. „Die können wir nicht im Gesamtkonzept berücksichtigen.“ Lösungen soll es aber auch dafür zu gegebener Zeit noch geben.

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