Gisela Gustavus verbindet ihren Reisebericht mit der Flüchtlingsfrage

„Die Kongolesen sind auf dem Sprung“

+
Gisela Gustavus greift während ihres Aufenthalts in der kongolesischen Stadt Kananga zur Gitarre.

Fahrenhorst - Von Andreas Hapke. Nach ihrer jüngsten Reise in die Demokratische Republik Kongo ist Gisela Gustavus überzeugt: „Wenn wir keine Voraussetzungen schaffen, die es den Leuten erlaubt, dort leben zu können, machen sie sich nach Europa auf.“ Deshalb möchte die 74-Jährige ihren Reisebericht im Fahrenhorster Mehrgenerationenhaus am Donnerstag, 17. März, eng mit der Flüchtlingsfrage verknüpfen. Beginn ist um 18.30 Uhr.

Schon am Rande der Großstadt Kinshasa herrschen katastrophale Lebensbedingungen, hat Gisela Gustavus festgestellt. Doch in den Dörfern mangelt es an allem: an Nahrung, Trinkwasser, Hygiene, Arbeit sowie an der Versorgung mit Ärzten und Lehrern. „Der Gedanke, die Leute vor Ort gut zu versorgen, wird immer wichtiger“, sagt Gustavus, denn: „Die Kongolesen sind auf dem Sprung. Das hört man dort überall.“

Das Interesse von Gisela Gustavus am Kongo geht auf Rose-Monique Ololo-Muzodi zurück, kurz „Mama Rosa“. Kennengelernt haben sich die beiden während einer Chorreise der Fahrenhorsterin nach Rom. 18 Jahre ist das inzwischen her. Damals hatte die Afrikanerin an der Pontificia Università Gregoriana Missionswissenschaften studiert. Beeindruckt hatte Gustavus die kämpferische Einstellung von „Mama Rosa“: „Obwohl sie den Vorteil von Wasser aus Wasserhähnen kennengelernt hatte, wollte sie nach dem Studium unbedingt zurück in ihr Dorf Matadi-Babusongo und dort helfen.“ Sie habe etwas zurückgeben wollen von dem, was sie von ihren Eltern und Gott geschenkt bekommen habe, so hat die Afrikanerin ihr Engagement laut Gustavus begründet.

„Mama Rosa“ ist 1998 zurück in den Kongo gegangen, im selben Jahr hat Gustavus sie in Kinshasa getroffen. Der zweite Besuch der Fahrenhorsterin datiert vom August 2015, als es eine Begegnung in der Stadt Kananga gab. Gustavus war in Begleitung ihrer belgischen Freundin Annemarie Rolfes und deren in Matadi-Babusongo geborenen Adoptivtochter Rosemarie angereist. In dem Dorf von „Mama Rosa“ war Gustavus noch nicht. Zu beschwerlich sei die Reise dorthin.

In all den Jahren habe es „Mama Rosa“ immer wieder geschafft, den Menschen eine Alternative zur Abwanderung in die Stadt, nach Angola oder Europa aufzuzeigen“, berichtet Gustavus. Gleichwohl seien es oft verzweifelte Versuche, die Lebensbedingungen der Kinder, der Frauen und der Alten grundlegend zu verbessern.

Gustavus selbst hat sich finanziell engagiert und jahrelang das Internat zweier Waisen bezahlt, die Kinder eines verstorbenen Bruders von „Mama Rosa“. Im September vergangenen Jahres half Gustavus mit, Schulmaterial zu kaufen und elf Lehrer zu beschäftigen – allerdings nur für drei Monate. Überhaupt fehlt der 74-Jährigen bislang die Nachhaltigkeit in den Projekten. Doch das soll jetzt anders werden.

Gemeinsam mit der italienischen Nicht-Regierungsorganisation Anzola Solidale, mit der Gustavus in regelmäßigem Austausch steht, will sie ein Wasserprojekt ins Leben rufen. Anzola Solidale zählt ebenfalls schon lange zu den Unterstützern „Mama Rosas“. Mitglieder waren bereits 2006 vor Ort, um mit Regierungsgeldern ein Wasserprojekt zu verwirklichen. „Das wurde wegen der Wirtschaftskrise wieder gestrichen, obwohl der Kauf Rohre schon bevorstand“, berichtet Gustavus. Entsprechend groß sei die Enttäuschung der Kongolesen gewesen.

Jetzt ist Gustavus auf die Initiative von Ingenieur Hartmut Heuser gestoßen. Es geht darum, Brunnen ohne Maschineneinsatz zu bohren, ausschließlich mit einfachstem technischen Gerät – per Hand, kostengünstig, effektiv und leicht zu lernen. Heuser hatte die Methode in Bolivien kennengelernt und 2006 eine mobile Brunnenbauschule im Kongo gegründet.

Das Ergebnis zwischen 2006 und 2013 kann sich sehen lassen: 136 Brunnenbauer, 13 Instrukteure, 34 Schweißer, mehr als 600 Quellen in vier Provinzen und täglich bis zu zehn Liter Wasser pro Person für etwa 400000 Menschen. Ziel der „Initiative für sauberes Wasser“ ist das Entstehen einer rein kongolesischen Brunnenbauschule ohne weiße Berater (Quelle: www.brunnenbau-macht-schule.org).

Diese Hilfe durch Selbsthilfe wünscht sich Gustavus auch für in Matadi-Babusongo: „Möglicherweise könnte solch ein Projekt auch ein Modell dafür sein, wie es gelingen kann, die Fluchtursachen an der Wurzel zu bekämpfen und die Lebensbedingungen der Menschen so zu fördern, dass sie in ihrer Heimat zu essen und zu trinken haben, zur Schule gehen und einen Beruf ausüben können.“

Mehr zum Thema:

IS bekennt sich zu Londoner Anschlag

IS bekennt sich zu Londoner Anschlag

Südkorea setzt "Sewol"-Bergung fort

Südkorea setzt "Sewol"-Bergung fort

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Meistgelesene Artikel

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

1500 fröhliche Gäste und 300 Kilogramm Grünkohl

1500 fröhliche Gäste und 300 Kilogramm Grünkohl

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Line-up für das 7. Twistringer Ziegelei Open Air steht

Line-up für das 7. Twistringer Ziegelei Open Air steht

Kommentare