Konzert in der Gutsscheune

Vor der Gewitternacht ein musikalisches Feuerwerk

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Vor ausverkauftem Haus geben die jungen Leute von Chor und Orchester der Universität Bremen unter Leitung von Dirigentin Susanne Gläß Kostproben ihres Könnens. Sie entführen die Gäste mit temperament- und gehaltvollen Beiträgen nach Südamerika.

Varrel - Von Angelika Kratz. Ein Heimspiel hatten am Donnerstagabend Orchester und Chor der Universität Bremen mit ihrem Sommerkonzert in der Gutsscheune. Wie eine lieb gewordene Freundin wurde Orchester- und Chorleiterin Susanne Gläß im ausverkauften Haus mit entsprechendem Applaus begrüßt.

Um es vorweg zu nehmen: „Viva la Música – Musik aus Lateinamerika“ begeisterte trotz der schweißtreibenden Schwüle des gewittrigen Abends das Publikum restlos.

Bereits im Sommersemester 2015 spielten und sangen Orchester und Chor der Universität Bremen Musik aus Lateinamerika. Das hatte vor Jahresfrist so viel Spaß gemacht, dass eine Fortsetzung nur folgerichtig war.

Am heißesten Tag des Jahres konnte sich jeder Zuhörer in der Gutsscheune wie in Lateinamerika fühlen. Dankbar setzte das Publikum die Programmhefte als Fächer ein.

Musik, so vielfältig wie der Kontinent

Die klassische Musik Lateinamerikas sei so vielfältig wie der Kontinent, aber in ihrem Farbenreichtum in Europa noch immer erstaunlich unbekannt, sagte Susanne Gläß, die locker und informativ durch das abendliche Programm führte. Ein Mikrofon wäre nicht schlecht gewesen, aber so wurde es unter den alten Balken bei den Wortphasen mucksmäuschenstill. Zur oft sehr temperamentvollen und lautstarken Musik galt es, den entsprechenden Schalter wieder umzulegen und die Hörmuscheln ein wenig zurückzunehmen.

Zum Auftakt entführte der 80-köpfige Chor die Gäste nach Brasilien, weiter mit vielen tänzerischen Elementen zeitgenössischer Komponisten nach Haiti, Kolumbien, Venezuela und Chile.

„Wir bemühen uns, aber die können es wirklich“, richtete sich der Blick von Susanne Gläß auf die diesjährigen Gäste: Bereits zum dritten Mal gibt es den Austausch mit dem „Coral da Universidade Federal do Ceará“ aus Fortaleza im Norden von Brasilien. Stimmlich nur halb so stark besetzt wie die Bremer Studenten überzeugten sie gesanglich bei ihren überwiegend politischen Liedern mit teilweise aktuellem Bezug auf die momentane Lage in Brasilien. Die beiden Chorleiter Erwin Schrader – er hat deutsche Wurzeln, fühlt sich aber als Brasilianer – und Elvis Matos wechselten sich ab. Auch hierbei lauschte das Publikum äußerst aufmerksam den übersetzten Textbeiträgen.

Tango aus Mexiko und europäische Premiere

Einen besonderen Höhepunkt bildete der gemeinsame Auftritt der beiden Ensembles mit den drei fröhlichen Chorleitern. Da sie sich hinsichtlich einer „Führungskraft“ nicht einigen konnten, sang das Trio einfach mit.

Obwohl der Schweiß auf der Bühne und im Publikum floss, war eine wunderbare Leichtigkeit zu verspüren. Der dazu nötige Wind kam in der Pause, als sich endlich die Scheunentore weit öffneten. Nach einem wirklich spektakulären Blick auf einen dramatischen Gewitterhimmel mit Sonnenuntergang blieben die Türen zum dritten Programmpunkt mit dem Part des Orchesters der Universität Bremen offen.

Mit einem Tango aus Mexiko begann dieser orchestrale Teil des langen Abends. Ein begeisterndes Solo gab es von Julian Dawin an der Marimba bei einer Hommage für die Ureinwohner Lateinamerikas.

Sogar eine Uraufführung für Europa erlebte die Gutsscheune an diesem Abend: Miguel del Águila wohnte als Komponist von „Caribena“ diesem besonderen Moment bei. Mit einem weithin durch Varrel zu hörenden Paukenschlag endete die zunehmende Dramatik des Stückes, die sich in der Nacht himmelstechnisch fortführen sollte.

Die musikalische Reise fand ihren Abschluss mit einem afrikanisch inspirierten Tanz wieder in Brasilien, aber gehen lassen wollte die Gutsscheune nicht so einfach Chöre und Orchester samt Dirigenten. Da vor Ort kein Vorhang fallen kann, gab es immer wieder tosenden Applaus, bis doch die ersten dicken Regentropfen zum Aufbruch mahnten.

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