CDU und „Besser“ verlieren deutlich

Gewinner der Kommunalwahl: Stuhrer Grüne noch besser als der Trend

Ehrenamtliche sortieren Wahlzettel im Rathaus Stuhr.
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Gut zu tun haben die Wahlhelfer im Rathaus Stuhr: (v.l.) Thorsten Wienberg, Gonda Flemming, Marina Wienberg, Hiske Diephaus, stellvertretender Wahlvorstand Brigitte Karbowski und Wahlvorstand Uta Bellmer.

Die Grünen sind als Gewinner aus der gestrigen Kommunalwahl in Stuhr hervorgegangen. Sie verbesserten sich gegenüber 2016 um fast acht Prozentpunkte auf 19,9 Prozent. Besser als vor fünf Jahren schnitt außerdem nur die FDP ab. Die größten Verluste fuhr die CDU ein – mehr als sieben Prozentpunkte. 

Stuhr – Die CDU bleibt die stärkste Kraft in Stuhr, auch wenn ihr Vorsprung gegenüber den Sozialdemokraten auf knapp drei Prozent geschmolzen ist. Sie kam bei der gestrigen Kommunalwahl auf 32,5 Prozent (2016: 39,8), die SPD auf 29,1 Prozent (29,8). Als Gewinner dürfen sich die Grünen fühlen, die um rund acht Prozentpunkte auf 20 Prozent zulegten. Die FDP steigerte sich ebenfalls, und zwar von 8,7 auf fast elf Prozent.

„Besser“ hingegen konnte seinen Coup von vor fünf Jahren, als die Fraktion ihre Sitze von zwei auf vier verdoppelte, nicht wiederholen. Sie stürzte um 4,3 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent ab. Michael Schnieder, Einzelkandidat der AfD, hat nur im Wahlbereich I kandidiert. Er kam auf 2,24 Prozent, was für einen Sitz im neuen Rat reicht. Die CDU kommt auf zwölf, die SPD auf elf, die FDP auf vier und „Besser“ auf zwei Sitze. Die Grünen sind mit acht Politikern vertreten.

Würde die Corona-Pandemie Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung haben? Würden die Grünen von der jüngsten Flutkatastrophe in Deutschland „profitieren“ – wie dies schon mal bei den Kommunalwahlen vor zehn Jahren nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima der Fall war? Könnte die SPD den Aufwind ihres Kanzlerkandidaten Olaf Scholz mitnehmen? Und müsste im Gegenzug die CDU für das Umfragen-Desaster Armin Laschets büßen? Überall im Lande erwarteten die Politiker einen Urnengang mit vielen Unbekannten.

Wahlbeteiligung liegt bei 56,3 Prozent

Dass Corona keine Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung haben würde, zeichnete sich für die Helfer im Rathaus Stuhr frühzeitig ab. Inklusive Briefwahl rechnete Wahlvorstand Uta Bellmer dort mit einer Beteiligung von mehr als 60 Prozent. „Hier war viel los. Damit haben wir gar nicht gerechnet“, fügte ihre Stellvertreterin Brigitte Karbowski hinzu. Mit dem Ergebnis für den Gemeinderat rechnete Karbowski nicht vor 21 Uhr. Schnellstes Wahllokal war das Feuerwehrhaus Brinkum, dessen Ergebnisse die Gemeinde um 20.01 Uhr veröffentlichte. Am längsten dauerte es in der Kita Moordeich (22.10 Uhr).

Die Erste Gemeinderätin Bettina Scharrelmann und Bürgermeister Stephan Korte hatten die Helfer in allen 28 Wahllokalen sowie die Briefwahl-Teams in der Lise-Meitner-Schule in Moordeich besucht. Auch Scharrelmann nahm aus ihren Gesprächen eine rege Wahlbeteiligung mit. Am Ende waren es inklusive Briefwahl 56,3 Prozent (2016: 53,8 Prozent).

Kristine Helmerichs, Fraktionschefin der Grünen, registrierte eine „große Zustimmung“ für ihre Partei. „Darüber freuen wir uns wahnsinnig.“ Dass das Stuhrer Ergebnis über dem Trend auf Kreis- und Landesebene liegt, führte sie unter anderem auf die „gute Politik in den vergangenen fünf Jahren“ und den „wahnsinnig intensiven Wahlkampf“ zurück.

Generationenwechsel bei der CDU

Als „grundsätzlich zufrieden“ beschrieb SPD-Ortsvereinsvorsitzender Dennis True seine Befindlichkeit, als es gestern auf Mitternacht zuging. „Wir haben nicht großartig verloren, auch wenn das nicht das Ziel sein kann. Doch wenn man sich den Bundestrend der vergangenen Jahre anschaut – die aktuelle Entwicklung klammere ich mal aus – dann ist das ein respektables Ergebnis.“

Zufrieden kann auch die FDP sein – findet jedenfalls Fraktionsvorsitzender Alexander Carapinha Hesse. Das Ergebnis weise in die richtige Richtung. „Zehn plus X“ sei das Ziel gewesen. „Und das haben wir erreicht.“ Während die FDP noch ordentlich in ihrer Parteizentrale feierte, herrschte bei der CDU Katerstimmung. „Klar ist man betrübt, wenn man so viel verliert“, stellte Fraktionschef Finn Kortkamp fest. „Es ist gerade der Trend, dass sich die großen Parteien annähern und die Grünen zulegen. Wir haben einen Generationenwechsel vollzogen und in Marliese Brandes, Lars Nordbruch und Frank Schröder etablierte Kräfte verloren.“ Deren Stimmen müsse sich die CDU erst wieder verdienen.

Enttäuscht zeigte sich auch Gerd-W. Bode über das „schlechte“ Ergebnis seiner „Besser“-Fraktion. „In Wahlkreis I hat uns die AfD das Wasser abgegraben, in Wahlkreis II muss man sehen, wie es politisch zu bewerten ist.“ Auf jeden Fall hätten andere Parteien einen finanziell wesentlich aufwendigeren Wahlkampf geführt. „Da haben wir mit Pfeilen auf Panzer geschossen.“ Für die AfD stellte Einzelkandidat Michael Schnieder ein „solides Ergebnis“ fest. „Für Stuhr erwartungsgemäß. Vielleicht haben wir nicht so viele Nicht-Wähler erreicht, wie wir erreichen wollten.“

Zu seiner konstituierenden Sitzung trifft sich der neue Rat am 3. November.

Von Andreas Hapke

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