Station beim Moordeicher Netto

Gesundheitswesen entlasten: Abiturient eröffnet Corona-Testzentrum in Stuhr

 Melina und Tobias Blankenagel stehen vor dem Corona-Testzelt in Stuhr-Moordeich.
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Für das Foto ausnahmsweise mal nicht im Zelt und ohne Masken: Melina und Tobias Blankenagel.

Kurz vor dem Abitur macht sich der 18-jährige Tobias Blankenagel mit einem Corona-Testzentrum an der Moordeicher Landstraße selbstständig. Er wolle das Gesundheitssystem entlasten, nennt er seine Motivation. Das dreiköpfige Team soll bald schon auf zehn Personen, wahrscheinlich sogar mehr, wachsen.

Moordeich – Seit ein paar Tagen meldet sich Tobias Blankenagel am Handy nicht nur mit seinem Namen, sondern mit dem Zusatz „Testzentrum Stuhr“. Der angehende Abiturient der KGS Brinkum betreibt auf dem Netto-Parkplatz an der Moordeicher Landstraße/Ecke Pablo-Picasso-Straße seine eigene Station „Tempo-Test“. Täglich nehmen er und seine Schwester Melina dort von 7 bis 11 und von 16 bis 20 Uhr Abstriche. 60, 70 sind es noch im Schnitt pro Tag, Tendenz laut Blankenagel steigend.

„Der Bedarf ist auf jeden Fall da“, stellt der junge Unternehmer fest. Silvester seien sie von der Nachfrage regelrecht überrollt worden. „Bis abends um 20 Uhr kamen 150 Leute.“ Daraufhin habe er am nächsten Tag Tests bei einer Notfallapotheke in Ganderkesee hinzukaufen müssen. Der Kontakt zum Großhändler sei aber hergestellt, berichtet er.

Zurzeit besteht das Team aus drei Leuten, doch es wird, es muss wachsen. In drei Monaten stehen für den jungen Mann die Abiturprüfungen an, in einem Monat bereits die Zulassungsprüfung zum Studium der Betriebswirtschaftslehre an einer renommierten Uni in der Schweiz. Schon jetzt lässt Blankenagel einige Schulkumpel für die Testungen fortbilden. Und wenn auch die ab kommender Woche vormittags wieder die Schulbank drücken, muss zusätzliche Verstärkung her. Ein Freund sei gerade dabei, sich in seinem Umfeld umzuhören. „Das klappt schon“, ist sich Blankenagel sicher.

Schwester unterschreibt Arbeitsvertrag

Das klang vor einigen Tagen noch ganz anders. Am Abend vor der Eröffnung sei ihm schon etwas mulmig zumute gewesen, bekennt der Moordeicher. Ob das wohl klappen wird? Die Familie habe ihm aber Mut gemacht. „Sie würden sich alle bei mir testen lassen“, sagt Blankenagel und lacht. Seine 20-jährige Schwester, Medizinstudentin in Dresden, hat sogar einen Arbeitsvertrag bei ihm unterschrieben. „Ich halte das für eine gute Sache, um die Dunkelziffer der Infizierten aufzudecken“, sagte sie.

Nach Auskunft ihres Bruders ist die Idee Anfang Dezember entstanden. Zu diesem Zeitpunkt habe es in Stuhr kaum Teststationen gegeben. Schon gar nicht im Ortsteil Moordeich mit seinen 6 000 Einwohnern. „Man müsste etwas tun, um das Gesundheitssystem zu entlasten“, lautete die Motivation Blankenagels. Vor allem die Pflegekräfte, damit diese wieder ihrem eigentlichen Beruf nachgehen könnten.

Auf Nummer sicher möchte Bettina Cordes mit ihrem Abstrich bei Tobias Blankenagel gehen.

Und so ganz nebenbei kann der Heranwachsende im Vorgriff auf sein Studium Erfahrungen sammeln. „Von der Praxis in die Theorie“, nennt er das. Personaleinsatz, Arbeitsverträge, Steuern, Marketing, Prognosen – all das stürmt jetzt auf den jungen Mann ein. Nützliche Tipps bekommt er von seinem Vater, der selbst Unternehmer ist, sowie wie vom Chef des Restaurants Schmücker, bei dem Blankenagel eine Weile lang gekellnert hatte.

Bei der Bevölkerung kommt das Zentrum gut an. Michaela Kanitz etwa benötigt für einen privaten Termin am selben Abend ein negatives Ergebnis. „Zwingend“, wie sie betont. Da treffe es sich gut, dass es nun zwei Straßen von ihr entfernt eine Testmöglichkeit gebe.

Mit Kundenkarte keine Reservierung notwendig

Um die Ecke wohnen auch Bettina und Friedhelm Cordes, die nach eigenen Aussagen über die Feiertage viele Kontakte hatten und nun einfach Gewissheit haben wollen. Zudem ist weiterer Besuch nicht ausgeschlossen: Friedhelm Cordes hat Geburtstag. Das Ehepaar ist bereits geboostert, was aber laut Bettina Cordes auch auf vier Bekannte zutrifft, die trotzdem infiziert sind.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, meldet sich für den Test online unter www.tempo-test.de an. Spontane Besucher werden aber auch getestet. Wer zu den Stammkunden zählt und eine entsprechende Karte bekommen hat, benötigt keine Reservierung. Ihr Ergebnis bekommen die Leute per E-Mail, oder sie warten 15 bis 20 Minuten. Bis zum 31. März wolle er die Station betreiben – vorläufig, sagt Blankenagel. „Mal sehen, wie sich der Bedarf entwickelt.“

Von Andreas Hapke

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