Demografischer Wandel erfordert neue Wohnformen 

In der Gesellschaft leben, nicht außen vor

Referent Ulrich Steinmeyer (r.) sowie Dagmar Bischof und Heinz-Josef Reher vom Seniorenbeirat der Gemeinde Stuhr. - Foto: rjy

Stuhr - Von Rainer Jysch. Auf Einladung des Seniorenbeirates der Gemeinde Stuhrhat der Verdener Diplom-Ökonom Ulrich Steinmeyer am Donnerstagabend im Ratssaal über rechtliche und bauliche Möglichkeiten bei der Realisierung alternativer Wohnformen für Jung und Alt referiert. Schon 2014 haben die Beiratsvorsitzende Dagmar Bischof und ihr Mitstreiter Heinz-Josef Reher im Interesse älterer Mitbürger die Idee „Nicht allein und einsam – sondern gemeinsam“ entwickelt.

Steinmeyer blickt auf 26 Jahre Erfahrung zurück, die er bei der Umsetzung generationsübergreifender Wohnformen im Raum Verden sammelte. Vier dieser Projekte waren Inhalt seines Vortrags, darunter ein umgebauter und sanierter Resthof, eine ehemalige Reihenhausanlage sowie eine Gemeinschaftssiedlung. Alle Objekte gleichen sich darin, dass die insgesamt 75 Bewohner in abgeschlossenen Wohnungen leben und Gemeinschaftseinrichtungen als kollektive Treffpunkte nutzen können.

Größe, Gründung, Finanzierung, Organisation und die besonderen Aspekte der präsentierten Wohnprojekte stellte der Referent in den Mittelpunkt seines Vortrags. Die Genossenschaft mit einer demokratischen Selbstverwaltung hat sich laut Steinmeyers als ideale Rechtsform erwiesen. Eine gute Kommunikation in der Gruppe, die Nutzung vorhandener Kompetenzen, die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und Konfliktfähigkeit seien dabei allerdings die Grundvoraussetzungen.

Zinsgünstige KfW-Fördermittel, Eigenbeiträge der Bewohnung sowie Fremdmittel von privaten Investoren und Banken bilden die Finanzierungsbausteine der bis zum einstelligen Millionenbetrag teuren Wohngebäude. Die Rückführung der Kredite erfolgt durch die Mieten der Bewohner, die bis zu sieben Euro pro Quadratmeter betragen können. Ganz ohne Probleme laufe aber auch ein genossenschaftliches Konzept nicht ab, sagte Steinmeyer. Bei einem der vorgestellten Projekte etwa zähle heute keiner der ursprünglichen Initiatoren mehr zu den Bewohnern.

„Viele möchten mitten in der Gesellschaft leben und nicht außen vor“, zitierte Dagmar Bischof das Ergebnis von Umfragen. Als Lösung gelte das generationsübergreifende Wohnen: „Es fördert zwischenmenschliche Beziehungen, setzt auf Nachbarschaftshilfe, Begegnungsmöglichkeiten sowie soziale Integration und beugt Vereinsamung im Alter vor.“ Man habe bereits Angebote für Fördermittel recherchiert und machbare Wege zur Umsetzung eines generationsübergreifenden Wohnprojekts in Stuhr gesucht, so Bischof. Leider seien die Vorhaben immer am Erwerb eines geeigneten Grundstücks gescheitert. „Grundstücke sind in der Gemeinde sehr begehrt“, sagte die Vorsitzende.

Sie lädt dazu ein, die Thematik am 10. September von 10 bis 17 Uhr in einem Workshop im Haus Lohmann zu vertiefen. Moderatorin dieser Veranstaltung ist Karin Walther, Vorstandsmitglied der Bewegungsakademie in Verden.

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