Geschwister Dingler begeistern

Eigenartige Kompositionen im Rathaus

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Die Geschwister Marie-Louise und Christoph Dingler begeistern mit spannenden Kompositionen und einem grandiosen, abwechslungsreichen Geigenspiel.

Stuhr - Von Rainer Jysch. Mit den Worten „Um es vorweg zu nehmen: Nein, wir sind keine Zwillinge. Ich bin die große Schwester“ stellte Violinspielerin Marie-Louise Dingler (31) sich und ihren ein Jahr jüngeren Bruder Christoph vor. Angesichts des Duo-Namens „The Twiolins“ wurde ihnen wohl schon häufig die Frage nach dem Verwandtschaftsverhältnis gestellt. Am Sonnabend war das Mannheimer Violinduo im Rathaus mit einer Reihe von eigens für zwei Violinen komponierten Stücken zu Gast. Nur knapp 20 Zuhörer hatten den Weg in den Ratssaal gefunden.

Aus dem aktuellen Programm „Sunfire“ (Sonnenfeuer) ihrer zweiten CD-Veröffentlichung stellten die Künstler zunächst das Titellied vor. Der österreichische Komponist Franz Cibulka hatte 2012 mit diesem Stück an dem internationalen Kompositionswettbewerb ,Crossover Composition Award‘ teilgenommen, den die Geschwister seit 2009 alle drei Jahre veranstalten. „Wir fordern die Komponisten dabei auf, neue Musik für zwei Violinen zu schreiben, die das Publikum vom Hocker hauen soll“, erklärte Christoph Dingler. Über 500 Musiker aus mehr als 50 Ländern haben sich bisher mit ihren maximal fünfminütigen Werken in diesem Wettbewerb präsentiert. Im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung entscheidet das Publikum über den Siegertitel.

„Viele Komponisten versuchen, durch Virtuosität und Effekte das Publikum für sich zu gewinnen“, verrät Dingler. 2012 errang Johannes Söllner mit dem Stück „Doch Laub und Wolken unter Nacht“ den ersten, mit 5000 Euro dotierten Preis. „Das ist ein ganz poetisches Stück. Söllner setzte ganz auf die Schönheit der Melodie“, sagte der Violinspieler. In der Tat: Das Geschwisterpaar vermochte durch eine ganz hervorragende Instrumentenbeherrschung den Klangelementen Glanz und Ausdruck zu verleihen.

Viele der vorgestellten, neu geschaffenen Kompositionen haben fantasievolle Melodien „und hauchen bestehenden Traditionen neues Leben ein“, wie es in der Programmankündigung heißt. Manche Lieder beinhalten auch witzige Einlagen, wie beim Stück der Ungarin Judit Varga, „Das Leben und Sterben einer Fliege“. Am Ende des Vortrages tauschte Christoph Dingler den Geigenstock gegen eine Fliegenklatsche, um dem nervigen, imaginären Insekt den Garaus zu machen.

„The Twiolins“ präsentierten mit ihrem internationalen Musikprogramm seltene, ganz einzigartige Kompositionen. Mit ihrem virtuosen, harmonischen Zusammenspiel bescherten sie den Zuhörern einen erstaunlichen Musikabend. Auch russische, indische und amerikanische Stücke waren zu hören. Dieser sehr variationsreiche Musikvortrag hätte ein viel größeres Publikum verdient.

Marie-Louise und Christoph Dingler spielen seit ihrem siebten Lebensjahr Violine. „Seit wir zwölf sind, treten wir zusammen auf“, berichtete die Geigenvirtuosin am Rande des Konzertes und fügte hinzu: „Es existieren nur sehr wenige klassische Vorlagen für zwei Violinen.“

„Es gibt zwar einige Arrangements, die für Violinduos heruntergebrochen wurden, aber die Mega-Idee ist uns da noch nicht begegnet“, ergänzte ihr Bruder. „Deshalb haben wir auch den Kompositionswettbewerb ins Leben gerufen.“

Auch 2015 gab es einen solchen Wettbewerb für Komponisten mit über 350 Teilnehmern aus 55 Nationen. „Wir stellen gerade unser aktuelles Programm zusammen. Wenn wir in einem oder in zwei Jahren wieder nach Stuhr kommen, bringen wir es mit.“

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