Geschichtswerkstatt trifft sich weiter

Erinnerungen eines „tollen“ Arbeitskreises

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Martin Peschke stimmt das Hobellied aus dem Alt-Wiener Zaubermärchen von Ferdinand Raimund an.

Stuhr - Als im Jahr 2009 das letzte Buch einer Triologie der Stuhrer Geschichtswerkstatt erschien, wussten alle Beteiligen um das Ende ihres Arbeitskreises. Über fünf Jahre hatten Zeugen aus Varrel, Alt-Stuhr, Blocken und Moordeich ihre Erinnerungen an die Zeit vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg zu Papier gebracht. „Wenig Licht und viel Schatten“, „Hunger nach Brot und Frieden“ sowie „Mit der D-Mark begann der Aufschwung“ lauten die Buchtitel der ganz persönlichen Erlebnisse vor Ort. Entstanden sind sie als zunehmend intensive Arbeit unter dem Dach der Volkshochschule (VHS) und mit Unterstützung der Gemeinde. Der Journalist Helmuth Riewe und die ehemalige Gemeindearchivarin Irmgard Mainusch waren für die textliche Betreuung zuständig.

„Wir können nach der intensiven gemeinsamen Zeit nicht einfach so auseinander gehen“, lautete der Tenor nach der letzten Buchpräsentation, die auf ein großes öffentliches Interesse traf. So organisiert Christa Hopfgarten, Leiterin der VHS in Stuhr, Moordeich und Varrel, seit Jahren alle acht Wochen ein fröhliches Treffen – im Sommer als Nachmittag mit Kaffee und Kuchen, im Winter als Grünkohlessen. Dazu kam die Runde kürzlich im Gasthaus Stührmann in Groß Mackenstedt zusammen, die auch auf alte Zeiten zurückblickte.

„Bei Irmgard Wessels im Wohnzimmer mit Kaffee und Kuchen fing alles an“, hieß es über die dann regelmäßigen Treffen im zweiwöchigen Rhythmus im Varreler Gemeindehaus. Die handgeschriebenen Erinnerungen überreichten die Mitglieder als Hausaufgaben an Irmgard Mainusch, die die Geschichten in den Computer tippte und entsprechende Fotos hinzufügte. Von Anfang an dabei war Lieselotte Cordes. Auch Hermann Peters, Johann Horstmann sowie – etwas später – Martin und Lisa Peschke nahmen an der meist 20-köpfigen Runde von Zeitzeugen und Erzählern lebendiger Heimatgeschichte teil. Einige der Mitglieder sind bereits verstorben. „Es war uns immer wichtig, auch die Ehepartner mit in unserem Kreis aufzunehmen“, beschreibt Christa Hopfgarten das gewachsene soziale Gefüge, das sich noch immer zu vielen privaten Anlässen trifft. „Es war eine tolle Gruppe, und oft hatten wir bei den traurigen Geschichten Tränen in den Augen“, bestätigen die Teilnehmer hinsichtlich der vielen Geschichten aus der eigenen Kindheit und Jugend.

Als nach dem deftigen Grünkohl der Kaffee aufgetragen wurde, kam die Erinnerung an Muckefuck und „furchtbar kletschiges Maisbrot“ auf. „Wir litten auf dem Lande im Gegensatz zu den Städtern keine wirkliche Hungersnot“, berichtete die Runde.

Heini Nienaber gehört mit seinen 90 Jahren zu den ältesten noch lebenden Geschichtenerzählern. Er demonstrierte, wie seine Unterschrift in Sütterlin, der Schrift seiner Kindheit, aussah. Martin Peschke, der fröhliche Schnitzer aus Varrel, stimmte das Hobellied aus dem Alt-Wiener Zaubermärchen von Ferdinand Raimund aus dem Jahre 1834 an. Viele an der langen Tafel sangen mit.

Gefragt nach den Besonderheiten einer Kriegsgeneration überlegte die Runde nur kurz: „Wir sind genügsamer und können uns schlecht von einem Partner trennen.“

ak

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