Vor 500 Jahren erstmals urkundlich erwähnt

Die Geschichte eines alten Hofes

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Hilmer Meyer ist längst als begeisterter Hobbyhistoriker seiner Heimat bekannt.

Stuhr - Ein besonderes Jubiläum wird heute in der Malsch gefeiert. Am 17. September 1519, also vor 500 Jahren, wurde der Hof von Hilmer Meyer und seiner Familie erstmalig in einer Urkunde erwähnt. Der Drost von Wildeshausen und Harpstedt, Wilhelm von dem Busche, bezeugt darin, dass der kleine Weiler bei Heiligenrode bis dato immer zur Vogtei Harpstedt gehört habe. Mit dieser Urkunde schenkte nun der Bischof von Münster, Konrad von Rettle, den Hof Malsch mit allem Zubehör dem Kloster Heiligenrode, und so gingen fortan auch alle Abgaben dorthin.

Hilmer Meyer ist längst als begeisterter Hobbyhistoriker seiner Heimat bekannt und hat seine Ergebnisse mehrfach veröffentlicht. Hinsichtlich des historischen Datums hat sich der 93-Jährige erneut auf Spurensuche begeben. Umgesiedelte Franken sollen den Namen „Malsch“ nach der Zeit Karls des Großen (768 bis 814) mitgebracht haben, denn so hieß auch ihre ehemalige Heimat in der Nähe von Karlsruhe.

Für die Einwohner von Heiligenrode, Groß Mackenstedt und auch für die Vorfahren von Hilmer Meyer in der Malsch war die Kirche in Mackenstedt über Jahrhunderte die Gemeindekirche, bis sie 1540 zerstört wurde. Diese Kirche wird schon in der Gründungsurkunde von Stuhr aus dem Jahr 1171 erwähnt. Nach dem Verlust des Gotteshauses setzte der Graf von Hoya einen evangelischen Prediger in dem katholischen Kloster ein. Somit kam er seiner Verpflichtung als Landesherr nach, dass alle seine Untertanen regelmäßig Gottes Wort hören konnten.

Der Name „Heineken“ auf dem Malscher Hof wird in einer Steuerliste des 17. Jahrhunderts mehrmals erwähnt. Sehr gering war seinerzeit der Viehbestand des Hofes, wie Hilmer Meyer mit einer Urkunde belegen kann. Um 1680 kam die erste Generation Hillmann auf den Hof Malsch. Das älteste originale Schriftstück stammt aus dem Jahr 1686, und Hilmer Meyer ist stolz, fünf originale Eheverträge aus unterschiedlichsten Jahren in seinem Familienarchiv zu haben. Außer der ersten Generation hießen die Hoferben fortan bis 1890 „Hillmann Hillmann“ – Vor- und Nachnamen waren also identisch.

Noch immer ist der alte Balken mit der Inschrift der letzten Hillmanngeneration erhalten geblieben.

Wie Hilmer Meyer aus eigener Erfahrung berichten kann, waren die Erlöse der Arbeit bis zum Einsatz von Mineraldünger auf dem sandigen Boden eher bescheiden. Das meiste Geld wurde früher am Webstuhl mit der Anfertigung von Leinenstoffen erwirtschaftet.

Hilmer Meyers Großvater kam 1890 als erster Meyer auf den Hof Malsch. Da er aus einer Gastwirtschaft stammte, lag ihm diese berufliche Neigung mehr, als Landwirt zu werden. So wurde 1900 die Gastwirtschaft „Zur Malsch“ gebaut und später der Hof geteilt. Hilmer Meyers Vater Heinrich hatte aber kein Interesse an dem Beruf als Gastwirt und übernahm später wieder den verpachteten Hof Malsch. Er baute das Wohnhaus vor seiner Heirat um. Bis heute sind viele der alten wunderschönen Möbelstücke erhalten geblieben.

Hilmer Meyer war als Ältester neben Bruder Reinhard und Schwester Lore der Hoferbe. Als sein Vater starb, wurde ein größerer Schweinestall gebaut, und mit dem Ausbau des Gemeindegrabens in der Nähe der Weiden konnte das Grünland dräniert werden und wurde zum Ackerland.

Mit Ehefrau Anna sanierte Meyer den Hof mit seinen dünnen, nur aus Lehm und Stroh bestehenden Wände Anfang 1970. „Unsere Decken im Bett waren im Winter steifgefroren“, erinnert sich Hilmer Meyer an kalte Zeiten ohne Heizung und nur einem großen Ofen. Was die Menschen hinsichtlich nun dicker isolierter Mauerwände freute, war den Kühen indes auf der auch wärmer gewordenen Diele nicht so recht, denn die liebten die vorherigen Bedingungen.

Im Stall konnten nun die Kühe durch die Veränderungen gemolken werden. Dies war für Ehefrau Anna eine große Erleichterung. Zuvor musste sie in aller Frühe auf die entfernten Weiden und sich dabei Wind und Wetter stellen.

Im Jahr 1983 übergab Meyer der Hof an Sohn Volker. Dieser plante den Bau eines Boxenlaufstalles und Zupachtung einer Milchquote. Durch den Verfall des Milchpreises musste der Plan aufgegeben werden, und im Jahr 1991 auch die Milchtierhaltung und wenig später die Schweinemast. Der Hof Malsch wurde zur Nebenerwerbsstelle, denn der Hoferbe machte eine berufliche Umschulung. Mittlerweile werden die alten Stallungen zur Pferdehaltung genutzt. Es entstand „Meyer‘s Pferdehof“, auf dem Schwiegertochter Imke zur erfolgreichen Pferdemanagerin wurde. Die 17. Generation in der Malsch lehnt sich damit an die frühere Zucht von Hannoveranern und der Auszeichnung einer einstigen Hengststation in der Malsch an, auch wenn heute lediglich Gastpferde den Hof beleben.

Hilmer Meyer nimmt die Entwicklung seines geliebten Hofes gelassen, denn wie er aus seinen vielen alten Unterlagen entnehmen kann, gab es stets einen Wechsel. Jede Zeit hat nun einmal ihr eigenes Gesicht. Geblieben ist der Zusammenhalt der großen Familie, die mit Kindern, Enkeln und Urenkeln das Weihnachtsfest stets im riesigen Flur unter der Treppe feiert, denn der Wohnzimmertisch ist längst zu klein geworden.

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