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Gerhild und Horst Gloger aus Moordeich feiern diamantene Hochzeit

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Von: Sigi Schritt

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Seit dem Jahr 1963 verheiratet: Horst und Gerhild Gloger. Sie wohnen seit 50 Jahren in Moordeich.
Seit dem Jahr 1963 verheiratet: Horst und Gerhild Gloger. Sie wohnen seit 50 Jahren in Moordeich. © Sigi Schritt

Gerhild und Horst Gloger feiern diamantene Hochzeit und schwelgen in Erinnerungen an die Flucht aus Schlesien. Ein Schicksalsmoment 1946: Im Viehwaggon nach Delmenhorst.

Stuhr – Gerhild und Horst Gloger feiern am Mittwoch, 22. Februar 2023, diamantene Hochzeit. Das Jubiläum, das das Paar begeht, wird aus Statistik-Sicht künftig immer seltener. Als sich Gerhild und Horst Gloger vor 60 Jahren das Ja-Wort gaben, waren beide Anfang 20. Das Heiratsalter lediger Männer ist laut Statista in den Jahren stetig gestiegen, zuletzt von 28,5 (1991) auf 34,9 (2020). Wer sich also jetzt vermählt, wird dieses Jubiläum wohl schwer erreichen.

Gerhild und Horst Gloger freuen sich auf ihren Ehrentag. Sie erwarten unter anderem den Bürgermeister. Das Paar blickt auf ein bewegtes Leben zurück: unter anderem auf ihre gemeinsame Fluchterfahrung in der Nachkriegszeit sowie auf den Anfang ihrer Beziehung in der Zeit des Wirtschaftswunders.

Es war Zufall, dass sie sich kennengelernt haben

Es sei aber dem Zufall geschuldet, dass das Paar überhaupt Gelegenheit bekam, sich kennenzulernen. Horst Gloger holt aus: Der Zweite Weltkrieg war gerade vorbei, und die Bundesrepublik Deutschland existierte noch nicht, als ihre beiden Familien das damalige Schlesien verlassen mussten. „Meine Frau wurde in Oberschlesien in der Nähe von Oppeln geboren und ich in Niederschlesien in der Nähe von Glatz“, sagt der 86-Jährige. 1946 seien die Menschen dort vertrieben worden.

Bilder aus der Ukraine wecken die Erinnerung an die eigene Flucht. „Was die Ukrainer jetzt erleben, haben auch wir erlebt. Wir mussten raus aus den Häusern. Wir nahmen Koffer und Tasche mit. Der Rest vom Hab und Gut bliebt dort.“ Seine Familie sollte in den Zug nach Delmenhorst einsteigen. Für die Familie seiner Frau war ein Zug vorgesehen, der nach Bayern rollen sollte. Doch es kam anders. Die Familie von Gerhild bestieg ebenfalls einen Zug mit Ziel Delmenhorst. Sie reiste nicht im Personenwagen, sondern auf der Ladefläche eines Güterwaggons.

Sechs Jahre verbrachten sie in einer Notunterkunft

Erste Stationen in Delmenhorst: erst eine Turnhalle, dann eine Notunterkunft. „Dort verbrachten wir sechs Jahre.“ Dann sei sein Vater aus der sibirischen Gefangenschaft wiedergekommen. Eine „vernünftige Wohnung“ bezog die Familie 1952. Gerhild und Horst verbrachten Schulzeit und Jugend voneinander getrennt. Da beide Väter Lehrer waren und sich die Familien anfreundeten, lernten sie sich bei Treffen ebenfalls kennen.

1958 funkte es. Das Paar verlobte sich 1961. Zwei Jahre später folgte die Heirat. Das Paar zog von Delmenhorst nach Huchting, bekam dort zwei Kinder – Birgit und Carsten. Als die Wohnung für vier Personen zu klein wurde, suchte die Familie ein Haus in der Umgebung.

Sie siedelten sich in Moordeich an

Sie wurde in Moordeich fündig. Eine neue Siedlung in Moordeich sollte da entstehen, wo noch zuvor Kühe grasten. „Unsere Siedlung ist 50 Jahre alt, und wir bezogen das erste Haus“, erinnert sich Horst Gloger. Seine Frau, gelernte Zahnarzthelferin, blieb wegen der Kinder daheim und unterstützte die Karriere ihres Mannes. Horst Gloger war Kripobeamter in Bremen. Er hatte als Leiter der Kriminaltechnik mit Mord und Totschlag zu tun, und führte unter anderem die DNA-Spurenanalyse in Bremen ein. Zum Zeitpunkt seiner Pensionierung im Jahr 1996 hatte seine Abteilung 50 Mitarbeiter.

Was ist das Geheimnis einer so langen Ehe? Das Paar machte deutlich, es sei wichtig, eine harmonische Beziehung zu führen und viel Gemeinsames zu erleben. So berichteten die Glogers von Kino-, Konzert- und Theaterbesuchen. Und sie bereisten mehrere Kontinente. Es sei aber auch wichtig, dem anderen Freiheiten zu gönnen. Als Werder-Fan gehörten regelmäßige Weserstadion-Besuche mit dem Sohn dazu. Ein Ritual blieb unvergessen: Siegte Werder Bremen, gab es eine Bratwurst, verlor das Team, fiel dieses Ritual aus. Gerhild Gloger informierte sich über das Spielgeschehen im Radio: „Bei einer Heimniederlage bereitete ich ein schönes Abendessen vor.“

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