100 Tage „Spenden statt entsorgen“

Reparierte Geräte für Flüchtlinge in Brinkum

Dank der Aktion „Spenden statt entsorgen“ kann Malihe Rahimi eine neuwertige Küchenmaschine von Bernd Wolff, Helfer des Reparaturcafés, entgegennehmen. Im Hintergrund beobachten das (v.l.) Dominik Albrecht (AWG), Daniela Gräf (MGH) und Andre Becker (Flüchtlingsnetz).
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Dank der Aktion „Spenden statt entsorgen“ kann Malihe Rahimi eine neuwertige Küchenmaschine von Bernd Wolff, Helfer des Reparaturcafés, entgegennehmen. Im Hintergrund beobachten das (v.l.) Dominik Albrecht (AWG), Daniela Gräf (MGH) und Andre Becker (Flüchtlingsnetz).

Seit knapp 100 Tagen läuft „Spenden statt entsorgen“ – eine Aktion der Abfallwirtschaftsgesellschaft, des Mehrgenerationenhauses und des Flüchtlingsnetzes. Laut Organisatoren gehen die bei der AWG abgegebenen und vom Reparaturcafé des MGH runderneuerten Elektrogeräte weg wie warme Semmeln.

Brinkum – Für Malihe Rahimi hat sich der Abstecher zum Flüchtlingstreff B5 in Brinkum am Dienstagvormittag richtig gelohnt: Die gebürtige Iranerin nimmt eine neuwertige Küchenmaschine mit nach Hause. Die habe sie sich immer schon gewünscht, sagt sie. „Ich wollte mir mal eine kaufen, doch die war zu teuer.“

Möglich gemacht hat das eine Kooperation zwischen der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) des Landkreises Diepholz, des Reparaturcafés im Brinkumer Mehrgenerationenhaus (MGH) und des benachbarten Flüchtlingsnetzes Stuhr. Unter dem Motto „Spenden statt entsorgen“ können Stuhrer ihre nicht mehr benötigten Elektrogeräte zum Wertstoffhof der AWG in Melchiorshausen bringen und entscheiden, ob sie diese – je nach Zustand – komplett entsorgen oder aber spenden möchten. Eigens dafür hat die AWG eine separate Box aufgestellt.

Wöchentlich fahren Mitglieder des Reparaturcafés nach Melchiorshausen, um die Box zu leeren. Die reparierten Geräte stellt Andre Becker, Organisator des Flüchtlingsnetzes Stuhr, im Schaufenster des B5 aus. Bei ihm können die Bedürftigen auch ihr Interesse an den Gegenständen anmelden.

„70 Prozent der weggeworfenen Dinge sind voll funktionsfähig“

„Manchmal stelle ich die Geräte rein, fahre nach Hause, und schon klingelt das Telefon“, berichtet Becker. Die Fensterfront des B5 in Verbindung mit der gut frequentierten Bremer Straße nennt er als Gründe für das große Interesse an den Sachen. „Auch Personen, die in unsere Fahrradwerkstatt kommen, werden auf die Geräte aufmerksam.“ Das Flüchtlingsnetz repariert ehrenamtlich Zweiräder für Flüchtlinge. Hauptsächlich für sie ist auch die Aktion „Spenden statt entsorgen“ gedacht.

„Es ist nicht nur ein ökologisches Projekt, sondern auch ein soziales“, stellt Daniela Gräf, Leiterin des MGH, fest. Rund 100 Tage sei es her, dass die Aktion angelaufen sei. 100 Tage, in denen ungefähr genauso viele elektrische Geräte das Reparaturcafé in Richtung B5 verlassen hätten. Dort gingen sie „weg wie warme Semmeln“.

Nun ist es nicht so, dass die ehrenamtlichen Schrauber, Tüftler und Bastler an allen Geräten lange herumdoktern müssten. Oft sei eher das Gegenteil der Fall, berichtet Bernd Wolff, einer von zehn Helfern im Reparaturcafé: „70 Prozent der weggeworfenen Dinge sind voll funktionsfähig, zum Teil sogar nagelneu und original verpackt.“ Die neue Küchenmaschine von Malihe Rahimi etwa fällt in diese Kategorie.

Überhaupt seien Haushaltsgeräte der Renner, berichtet Wolff. Mit Kaffeemaschinen und Wasserkochern hätten er und seine Mitstreiter es am häufigsten zu tun. Manchmal reiche es bei diesen Geräten, eine Temperatursicherung auszutauschen. Was zu reparieren geht und was nicht – dafür haben Wolff & Co. ein gutes Gespür. Manche Dinge sortieren sie aber schon auf dem Wertstoffhof aus, weil sie aus der Zeit gefallen sind. Der Videorekorder oder die Stereoanlage von 1950 etwa schaffen es nicht in das Reparaturcafé, das keine Garantie auf die runderneuerten Gegenstände gibt. Wolff spricht von „Haftungsausschluss“. Eine Elektrofachkraft müsse bei der Reparatur aber immer dabei sein.

Nachhaltiges Handeln und soziales Engagement

Er habe anfangs erhebliche Zweifel am Erfolg der Aktion gehabt, gibt Wolff zu. „Doch viele Sachen lassen sich reparieren. Und ich bin überrascht über die Art der Spenden, die wir bekommen. Da habe ich nicht mit gerechnet.“ Die Zweifel schlugen in Begeisterung um.

Von der Kaffee-, Bohr- und Brotschneidemaschine über den Akku-Handstaubsauger bis hin zur Stereoanlage und den DVD-Player – alles Mögliche hat Andre Becker schon an den Mann oder die Frau gebracht. Nur ein Langhaarschneider sei inzwischen drei Mal zurückgekommen. „Auf menschlichen Köpfen funktioniert der anscheinend nicht. Der ist für Tiere. Da weise ich auch drauf hin.“

Laut Dominik Albrecht, Pressesprecher der AWG, sind an den Annahmestellen des Unternehmens in Bassum, Aschen, Melchiorshausen und dem Sulinger Land 2019 insgesamt 876 Tonnen Elektroschrott zusammengekommen. „Am Black Friday wird alles zum Niedrigpreis rausgehauen. Die Menschen kaufen sich einen neuen Toaster, obwohl sie noch gar keinen bräuchten.“ Die Aktion „Spenden statt entsorgen“ hingegen sei „eine super Symbiose aus nachhaltigem Handeln und sozialem Engagement. Besser kann man das nicht zusammenbringen.“ Dass es so gut laufe, sei unter anderem dem großen Engagement in Brinkum zu verdanken, sagt Albrecht.

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