Viel Gemüse auf wenig Fläche

Market Gardening in Stuhr: Nele Lamping ist die Gemüsedeern

Nele Lamping mit einer Broadfork auf ihrem Anbaufeld.
+
Die Broadfork ist ein gängiges Werkzeug für Market Gardening.

Nele Lamping ist Geowissenschaftlerin, doch ihre Zukunft sieht sie im Market Gardening. „Viel Gemüse auf wenig Fläche“ heißt das Konzept, nach dem sie ihre Produkte an der Grünen Straße in Varrel anbauen möchte. Dort soll der Verkauf Anfang Mai starten. Im Abo gibt es Gemüsekisten ab Anfang Juni.

  • Nele Lamping hat sich dem Market Gardening verschrieben
  • Als Gemüsedeern baut sie ihre Produkte im Stuhrer Ortsteil Varrel an
  • Sie geht von 40 Abonnenten für Gemüsekisten aus

Varrel – Welchen Job hat Nele Lamping? „Er ist anstrengend, aber er fühlt sich nicht nach Arbeit an. Und danach ist man positiv kaputt.“ So jedenfalls beschreibt sie selbst ihre Tätigkeit. Antwort: Nele Lamping ist eine Gemüsegärtnerin. Sie baut ihre Produkte nach dem Konzept des Market Gardening an. Das bedeutet viel Gemüse auf wenig Fläche sowie Direktvermarktung über Abonnenten und Verkauf vor Ort.

Für ihr Start-up hat die 29-Jährige eine 1500 Quadratmeter große Fläche von Landwirt Andrè Mahlstedt an der Grünen Straße in Varrel gepachtet. Die reine Beetfläche beträgt 675 Quadratmeter. Dort möchte sie zirka 25 verschiedene Gemüsesorten sowie eine kleine Auswahl an Blumen und einige Küchenkräuter anbauen. Der Kontakt zu Mahlstedt entstand über ihren Bruder und dessen Ehefrau, die schon lange mit dem Landwirt befreundet sind.

Familie packt ständig mit an

Im Oktober hat Nele Lamping damit begonnen, ihre Felder anzulegen und die beiden Folientunnel zu bauen. Große Unterstützung habe sie an einem Wochenende aus dem Freundes- und Bekanntenkreis erhalten. Die Familie packt praktisch andauernd mit an. „Wir unterstützen, wo es geht“, sagt Schwägerin Nadine Lamping.

Auf diese Weise sind fünf Freifelder für zum Beispiel Möhren, Radieschen, Spinat, Salat und Mairüben entstanden. Weitere Beete befinden sich in den Folientunneln, wo Lamping Tomaten, Gurken, Paprika und Auberginen anbauen möchte.

Die Schiebetür für die Folientunnel ist eine Erfindung von Nele Lamping.

Alle 60 Beete sind 75 Zentimeter breit, die Gänge dazwischen 45 Zentimeter. „Das ist standardisiert, um kurze Wege zu haben und den Anbau möglichst ökonomisch zu betreiben“, sagt Nele Lamping. Ihre Landwirtschaft funktioniert ohne Umgraben. Es gehe darum, den Boden lediglich zu lockern, „damit seine Struktur erhalten bleibt und seine Gesundheit gefördert wird“. Sogar ein eigenes Arsenal an Werkzeugen hat das Market Gardening hervorgebracht – etwa die Broadfork, eine beetbreite Gabel, die zur Bodenbelüftung dient.

Möhren kommen zuerst in den Boden

Zurzeit sind die Beete noch mit Silofolie abgedeckt, damit das Unkraut nicht gedeihen kann. Trotzdem geht Nele Lamping davon aus, dass 30 Prozent ihrer Arbeit daraus bestehen wird, Unkraut zu hacken. Nach und nach wird sie bald die Folien entfernen, um die Kulturen zu säen oder die zu Hause angezüchteten Pflanzen einzubuddeln. Los geht es Anfang kommender Woche mit den Möhren. „Die bleiben dann 120 Tage im Boden“, sagt die gebürtige Stuhrerin.

Ihren Direktverkauf möchte sie im Mai beginnen. Ab dann ist ihr Stand jeden Samstag von 10 bis 14 Uhr in der Nähe von Mahlstedts Milchtankstelle geöffnet. Von deren Beliebtheit wolle sie profitieren. „An manchen Samstagen kommen 70, 80 Leute dorthin“, weiß sie.

Einschlägige Literatur: Nele Lamping mit dem Buch „The Market Gardener“ von Jean-Martin Fortier.

Zudem möchte sie Abonnenten für Gemüsekisten gewinnen. Von Anfang Juni bis Mitte Oktober können sich die Kunden donnerstags zwischen 16.30 und 19 Uhr eine kleine Kiste mit fünf bis sieben „Gemüseeinheiten“ für 15 Euro direkt am Feld abholen, größere Kisten mit neun bis elf Einheiten kosten 25 Euro pro Woche. Wer möchte, kann das Geld direkt für das ganze Jahr überweisen. „Die Produkte werden von mir am Donnerstag frisch geerntet und zusammengestellt“, sichert die Existenzgründerin zu. Aktuell geht sie von 40 Abonnenten aus.

„Leute kaufen die Art der Landwirtschaft mit ein“

Das Market Gardening mache die Anbauplanung leicht, sagt Nele Lamping: „Ich weiß genau, in welcher Kalenderwoche welche Arbeiten anfallen. Wie viel Gemüse ich ernten muss und wann ich es dafür aussäe beziehungsweise pflanze.“ Lamping spricht von solidarischer Landwirtschaft: „Die Mitglieder sichern sich ihren Ernteanteil, und ich habe Planungssicherheit. Die Leute kaufen die Art der Landwirtschaft mit ein.“ Das heißt auch: Ernteausfälle werden gemeinschaftlich getragen. „Wenn der Kohl abgefressen ist, gibt es in der nächsten Woche mehr Salat.“

Nele Lamping ist Geowissenschaftlerin und schreibt gerade am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven ihre Doktorarbeit über „Meeres-Rekonstruktionen in der Antarktis“. Vor zwei Jahren war sie nach eigener Auskunft noch mit dem Forschungs- und Versorgungsschiff Polarstern in der Antarktis unterwegs. Doch als Wissenschaftlerin sieht sie sich nicht mehr. Nele Lamping ist jetzt Gemüsedeern. Dieser Name taucht jedenfalls in ihrer Mailadresse auf.

Traum vom eigenen Hof lebt

Ihre Existenzgründung hat nichts mit Corona zu tun. „Ich stand ohnehin am Scheideweg. Mein Vertrag mit dem Institut läuft aus“, erklärt sie. Sie habe sich schon immer mit dem Gemüseanbau auseinandergesetzt – zunächst auf dem Balkon ihrer Bremer Wohnung, seit vergangenem Jahr im eigenen Schrebergarten. Der Traum vom eigenen Hof lebt nach wie vor.

Corona spiele ihr insofern in die Karten, als sie privat zurzeit nichts vorhabe und sich voll und ganz auf ihre kleine Gemüsegärtnerei konzentrieren könne. Außerdem seien biologisch angebaute Produkte während der Pandemie stark nachgefragt. Bei ihr soll der Kunde den Unterschied schmecken. „Ich kann mich anders um meine Kulturen kümmern als große Gemüsebauern.“

Dass es vielleicht Leute geben wird, die mit einem Produkt unzufrieden sind, weiß Nele Lamping selbst. „Dann kann man von einem netten Kontakt profitieren und kommunizieren. Mir ist selbst wichtig, dass die Qualität stimmt“, sagt sie. Am Ende der Saison werde sie sich von ihren Kunden ein Feedback einholen. Mitarbeit statt Ellbogengesellschaft. Es sei der Gemeinschaftsgedanke, der zähle.

Infos

www.gemuesedeern.de; Facebook und Instagram: @gemuesedeern; E-Mail: moin@gemuesedeern.de

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fußball-Bundesliga am Samstag: Sechs Spiele, sechs Köpfe

Fußball-Bundesliga am Samstag: Sechs Spiele, sechs Köpfe

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Leipzig im Halbfinale - Poulsen und Hwang treffen gegen VfL

Leipzig im Halbfinale - Poulsen und Hwang treffen gegen VfL

Elfmeter und Doppelschlag: Bayern-Schreck Kiel stoppt Essen

Elfmeter und Doppelschlag: Bayern-Schreck Kiel stoppt Essen

Meistgelesene Artikel

Lkw-Stau auf der Dickeler Straße vor dem BTR-Gelände in Rehden

Lkw-Stau auf der Dickeler Straße vor dem BTR-Gelände in Rehden

Lkw-Stau auf der Dickeler Straße vor dem BTR-Gelände in Rehden
400 Paletten Ware für den neuen Famila in Diepholz

400 Paletten Ware für den neuen Famila in Diepholz

400 Paletten Ware für den neuen Famila in Diepholz

Kommentare