Gemeindebüro Stuhr versteigert nicht abgeholte Fundsachen, vor allem Räder / Gegenstände würden sonst auf dem Schrott landen

Fünf Euro für einen fast neuen Kinderwagen

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Gute Stimmung bei den Schnäppchenjägern.

Stuhr - Von Maren Jensen. „Zum ersten, zum zweiten und – zum Dritten!“ Schnell und laut schlägt der Hammer am Sonnabendmorgen im Stuhrer Rathaus auf die Holzplatte. Es dauert nicht lange, bis die Auktion richtig in Fahrt kommt. Schon beim ersten Objekt, einer Box voller Schmuck, wird nicht lange gezögert. Blitzschnell schießen Hände in die Höhe, die lauteste Stimme findet Gehör.

Am Ende geht die „Nummer 1“ an Harald Kück, einen Auktionsliebhaber, der aus Lilienthal angereist ist und schon vor der Aktion sein Interesse an dem Schmuck offenbart hatte. „Ich war schon auf sehr vielen Versteigerungen. Es macht einfach unglaublich viel Spaß. Es ist wie ein Hobby“, sagte Kück.

Für Staunen sorgte ein neuwertiger Kinderwagen. Für schlappe fünf Euro fand das Gefährt einen neuen Besitzer. „Wie kann man einen Kinderwagen verlieren?“, fragte sich nicht nur Gabriele Benckert aus Stuhr. Allerdings hatte ihre Tochter schon einige Erfahrungen mit verlorenen oder vergessenen Gegenständen gesammelt. So hat die Mitarbeiterin der Bremer Straßenbahn-AG schon einen Rollstuhl in der Bahn gefunden. „Wunderheilung? Demenz?“, fragt sich Mutter Benckert noch heute.

Auch sechs Paar neuwertige und teure Herrenschuhe wurden interessiert begutachtet. „Sie glauben gar nicht, was im Fundbüro alles abgegeben wird“, berichtete Bürgerbüro-Mitarbeiterin Roswitha Rick.

Den Schwerpunkt der Lizitation bildeten jedoch Fahrräder. Rund 40 der Objekte waren Zweiräder aller Art. Egal ob für 20, 60 oder 100 Euro – der ein oder andere Schnäppchenjäger ging strahlend aus dem Rathaussaal.

Bevor der Startschuss für die Versteigerung fiel, hatten die Besucher zunächst noch eine halbe Stunde Zeit sich die Objekte in Ruhe anzusehen und sich die Nummer zu merken.

Auch die Ratsvorsitzende Sabine Sparkuhl spähte bei der Veranstaltung nach einem Damenrad für ihre Tochter. „Ich finde diese Sache wirklich fantastisch. Es ist sehr wichtig, denn sonst würden die Gegenstände auf dem Schrott landen, obwohl man sie noch gebrauchen kann.“

Eine besondere Überraschung bleibt den Zuschauern jedoch verborgen: Ein verschlossener Motorradgepäckträger kam an Matthias Sanders. Da die Gemeinde das Objekt nicht beschädigen wollte, blieb es ungeöffnet. Ein deutlich hörbarer Inhalt sorgte aber für ein wenig Nervenkitzel. „Für 15 Euro konnte ich nichts falsch machen“, sagte Sanders über die „Wundertüte“.

Für ordentlich Stimmung sorgten die Moderatoren und Auktionatoren Andreas Lehr und Jürgen Brinkmann, die mit Witz und Motivation die Kasse klingeln ließen. „Diese Schuhe lassen Frauenherzen höher schlagen“, versprach Lehr beispielsweise und konnte mehr als 30 Euro für ein Paar erzielen.

Mitorganisatorin Roswitha Rick vom Bürgerbüro war ebenfalls angetan von der guten Stimmung. „Man merkt, die Leute sind interessiert. Wir freuen uns über den großen Andrang.“

Schon zum vierten Mal ging die Versteigerung über die Bühne. „Die Objekte werden nach einem halben Jahr zur Verfügung gestellt“, so Rick. „Wer sein Fahrrad, seinen Armreif oder seinen Kinderwagen in dieser Zeit nicht vermisst oder sich nicht meldet, stellt sein Inventar damit automatisch der Gemeinde zur Verfügung.“

Da das Interesse sehr groß war, soll es auch in Zukunft weitere Versteigerungen dieser Art geben. Insgesamt haben 58 Artikel einen neuen Besitzer gefunden. Aus datenschutzrechtlichen Gründen wurden keine MP3-Player, Fotoapparate oder Handys versteigert.

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