Gemeinde sagt erste Veranstaltungen ab 

Corona: Feuerwehr verzichtet auf Kuppelcontest, Förderverein Gut Varrel auf das Osterfeuer

Ihr Auftritt ist gesichert: Enkel spielen heute Abend um 20 Uhr im Rathaus Stuhr. Foto: Jimmy Träskelin
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Ihr Auftritt ist gesichert: Enkel spielen Donnerstagabend um 20 Uhr im Rathaus Stuhr.

Stuhr - Wie sagt man so schön: Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern. Erst am Mittwoch hatten wir den für Freitagabend geplanten Kuppelcontest der Feuerwehren im Brinkumer Gerätehaus angekündigt, nun ist der Wettbewerb abgesagt. Es handelt sich um eine Vorsichtsmaßnahme in Sachen Coronavirus. Ihm fallen in den nächsten Tagen und Wochen weitere Veranstaltungen zum Opfer: das Gemeindekulturfest sowie der Tag der Begegnung und der Frühlingsempfang, bei dem die Kommune verdiente Ehrenamtliche auszeichnet. Mit dem Osterfeuer am Gut Varrel ist das größte seiner Art in Stuhr abgesagt.

Nach einem Treffen am Sonntag war der Förderverein der Brinkumer Ortsfeuerwehr noch davon ausgegangen, dass der Kuppelcontest wie geplant über die Bühne gehen könne, sagt der zweite Vorsitzende Cord Tinnemeyer. „Wir haben alle Feuerwehren angeschrieben, um deren Bereitschaft für eine Teilnahme abzuklopfen“, sagt. Doch die Entwicklungen im Laufe des Dienstags hätten die Umfrage überholt. Für den Nordkreis wurden die ersten sechs mit dem Coronavirus infizierten Personen gemeldet, einer aus Stuhr und fünf aus Weyhe. Laut Tinnemeyer kommen die teilnehmenden Feuerwehren in etwa zu gleichen Teilen aus diesen beiden Gemeinden.

„Angst haben wir nicht, aber wir müssen dafür sorgen, dass alle Feuerwehrleute zur Verfügung stehen“, betont Tinnemeyer. „Der Wettbewerb ist eine Indoor-Veranstaltung, das Haus hat keine Lüftung.“ Ein Ausweichtermin stehe noch nicht fest. „Da müssen wir dynamisch bleiben und schauen, was weiter passiert.“

Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte begrüßt die Absage des Wettbewerbs: „Das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Wenn sich die Feuerwehrkräfte danach wegen eines bestätigten Falls reduzieren sollten, wäre das ein Ding der Unmöglichkeit.“

Korte selbst gab Mittwoch die Absage des „Tags der Begegnung“ am 21. März und den Frühlingsempfang der Gemeinde am 22. März bekannt. „Wir wollen, dass das tolle Veranstaltungen werden, und nicht, dass die Menschen überlegen: Kann ich da hinkommen?“, sagt Korte. Vor allem in den Tag der Begegnung hätten die Organisatoren viel Arbeit investiert.

Laut Korte sei im Einzelfall zu prüfen, ob Risikogruppen wie ältere Besucher zusammenkommen würden. Die Art der Veranstaltung spiele ebenfalls eine Rolle: „Draußen ist das größtenteils kein Problem. Drinnen hängt es davon ab, wie groß die Veranstaltung ist und ob man die Räume durchlüften kann.“ Kann man Stuhlreihen entzerren? Sind genügend Hygienemöglichkeiten vorhanden? Auch das fließe in die Entscheidung ein.

Die Verwaltung betont, dass sie alle künftigen Veranstaltungen auf den Prüfstand stellen und eine Risikoabschätzung vornehmen werde. Für das Mitmachkonzert für Kinder am 19. März im Rathaus ist das nach Auskunft von Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier noch nicht abschließend erfolgt. Er sieht nicht nur die Veranstalter in der Pflicht, sondern auch die Besucher: „Man kann nur an die Eigenverantwortlichkeit der Leute appellieren.“

Unterdessen informiert der Gemeindekulturring (GKR) über den Ausfall des Kulturfests am kommenden Sonntag. „Die Veranstaltung ist nicht zu verantworten. Besucher und Sänger sind hauptsächlich ältere Leute. Wenn sich da einer ansteckt – nicht auszudenken“, sagt die GKR-Vorsitzende Margrit Unger auf Nachfrage. Zu dieser Entscheidung habe sie sich am Dienstagabend mit ihrer Stellvertreterin Helga Spitzer durchgerungen. Spitzer habe dann alle teilnehmenden Chöre verständigt. „Der Kartenvorverkauf lief ohnehin schlecht. Die Leute haben bei uns angerufen und mitgeteilt, dass sie Angst hätten“, so Unger. Inhaber von Tickets würden diese erstattet bekommen. Ein Ausweichtermin gestalte sich schwierig, da die Gutsscheune Varrel bereits stark gebucht sei.

Auf Anraten des Oberkirchenrats fallen laut Unger alle Veranstaltungen der Kirchengemeinde Varrel aus, etwa der Flohmarkt für Kinderkleidung. „Lieber einmal mehr als einmal zu wenig absagen“, stellt Unger fest.

Der Förderverein Gut Varrel hat das größte Osterfeuer in der Gemeinde Stuhr gestrichen. „Wir hätten zwischen 2 000 und 4 000 Besucher“, sagt Vorsitzender Frank Schröder. „Deshalb sind wir in Absprache mit der Gemeinde zu dieser Entscheidung gekommen.“

Das Haus am Wall teilt mit, dass sein Theaterstück „Bloß weg hier“, geplant am 21. und 22. März in der KGS Brinkum, ausfällt. Es soll auf jeden Fall nachgeholt werden.

Von der Absagenflut nicht betroffen ist der heutige Auftritt der finnischen Frauenband Enkel um 20 Uhr im Rathaus und die Eröffnung der Ausstellung mit Werken von Rita Bieler, Karin Hirschgänger, Heidrun Kohnert und Sabine Wewer am Samstag um 17 Uhr in der Künstlerstätte Heiligenrode. Die Besucherzahl der Ausstellung ist laut Wimmelmeier „nicht so, dass man sagt, es geht nicht“. Und das Konzert im Ratssaal sei bestuhlt. Die Besucher würden mit Abstand voneinander sitzen und nicht eng an eng stehen. Als ungefährdet stuft der Wirtschaftsförderer auch den Aktionstag „Stuhr räumt auf“ am 21. März ein: „Der spielt sich draußen ab, die Suppenausgabe im belüfteten Raum.“

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