Analyse des Silbersees und anderer Fließgewässer 

Gemeinde geht Ursachen für Blaualgen auf den Grund

Wegen erhöhter Werte hatte die Gemeinde im Sommer 2016 vor Blaualgen im Silbersee gewarnt. In der Folge brachte sie im Frühjahr dieses Jahres Bentophos in den See ein. Viel lieber würde die Kommune aber die Gründe des Algenbefalls kennen. - Archivfoto: Ehlers

Stuhr - Von Andreas Hapke. Die Gemeinde Stuhr will den immer wiederkehrenden Problemen mit Blaualgen im Silbersee auf den Grund gehen. Nach Auskunft des Umweltbeauftragten Marc Plitzko würde eine selbst finanzierte Analyse jedoch einen „höheren fünfstelligen Betrag“ verschlingen. „Das wäre nicht zu stemmen“, stellt Plitzko fest. Die Hoffnung ruht auf einer Förderung durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) als obere Naturschutzbehörde.

Den Antrag auf einen 90-prozentigen Zuschuss über die „Richtlinie zur Förderung von Vorhaben der Seenentwicklung“ (SEE) hat die Gemeinde gestellt, die Genehmigung steht noch aus. Sollte der NLWKN grünes Licht geben, wäre Stuhr mit weniger als 10 000 Euro dabei.

Bislang hat die Gemeinde die Blaualgen im Silbersee mit Bentophos, einem Mittel zur sogenannten Phosphatfällung, bekämpft. Nach der Bindung durch Bentophos steht den Algen Phosphat als Nährstoff nicht mehr zur Verfügung, ihr Wachstum wird gehemmt. 2006 ließ die Gemeinde 21,5 Tonnen dieses Granulats in den Silbersee einbringen, „um mal Grund in die Sache zu bekommen“, wie Plitzko erläutert. Drei Jahre später reichten drei bis vier Tonnen Bentophos, ebenso im Herbst 2012. Danach war lange Ruhe, bis es im vergangenen Frühjahr wieder eine „kleine Blaualgen-Problematik“ (Plitzko) gab. Erneut waren nur vier Tonnen des Mittels notwendig.

Besserung durch Bentophos

„Bentophos hat bewirkt, dass sich die Ökologie des Sees verbessert hat“, sagt Plitzko und verweist auf die sogenannten Makrophyten – große Wasserpflanzen, die sich am Ufer ausgebreitet haben. Laut Plitzko produzieren sie Sauerstoff und binden ebenfalls Nährstoffe. Dadurch stehen sie in Konkurrenz zu den Algen.

Wie schön, dass die zeitlichen Abstände des Blaualgenbefalls größer werden, könnte man meinen. Das reicht der Gemeinde aber nicht. Das Granulat sei zwar eine „sehr gute Symptombekämpfung“, sagt Plitzko. Doch die Frage, warum der See überhaupt hin und wieder mit Blaualgen zu kämpfen hat, sei damit nicht geklärt. Außerdem binde Bentophos nur vorhandene Nährstoffe. Plitzko: „Kommen neue hinzu, müssen wir nachlegen.“

Mögliche Quellen für den Phosphateintrag und damit Ursachen für das Blaualgenaufkommen gibt es einige. „Grundsätzlich kann das Phosphat über das Grundwasser kommen“, sagt Plitzko. Auch die Fließgewässer um den Silbersee herum kommen dafür infrage, zum Beispiel der Stuhrgraben, der Blockener Wasserzug, der in den Stuhrgraben fließt, oder ein Entwässerungsgraben südlich der A1. „Es besteht eine Wechselwirkung zwischen dem Silbersee oder den Gräben, die einen höheren Wasserstand haben“, erklärt Plitzko. „Wenn das Grabenwasser phosphathaltig ist, kann das schon der Grund für den Eintrag sein.“

Umfangreiche Untersuchungen

Um das herauszufinden, sind umfangreiche Untersuchungen notwendig. Um den See herum müssten Brunnen als Grundwassermessstellen gebohrt und an mehreren Stellen die Fließgewässer auf ihren Nähstoffgehalt überprüft werden. Was den See selbst betrifft, sei dieser vorab zu vermessen, sagt Plitzko. Gibt es Mulden, wo sich viel Sediment sammeln kann? Im zweiten Schritt gehe es darum, diese Ablagerungen auf ihren Nährstoffgehalt (Phosphat) zu klären.

Als ein zweischneidiges Schwert sieht Plitzko den Baumbewuchs am Silbersee. „Er ist gut, denn wo Beschattung ist, gedeihen die Algen nicht. Und er ist schlecht, weil er den Wind und damit das wohltuende Umwälzen des Wassers verhindert.“ Gleiches gilt für eine Tiefenwasserableitung, die einerseits Phosphat aus dem See spült, andererseits den Pflanzen am Ufer durch den gesunkenen Wasserspiegel Probleme bereitet. Könnte das Ausbaggern des Sees sinnvoll sein? Auch das soll durch die geförderte Analyse geklärt werden.

Die Ergebnisse sollen einfließen in einen Managementplan, der regelt, was in den Folgejahren verbessert werden kann.

Das Problem: Zuschüsse sieht SEE nur für Stillgewässer mit „in der Regel“ mindestens 50 Hektar Fläche vor. Allerdings können auch kleinere Stillgewässer gefördert werden, „wenn sie für die Wasserwirtschaft, den Naturschutz oder die ländliche Entwicklung von Bedeutung sind“. Darauf setzt Plitzko, denn „jeder See ist individuell. Wir haben erst in diesem Jahr Bentophos eingebracht. Deshalb wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, sich die Sache in Ruhe zu anzugucken.“

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