Gemeinde begrüßt das Vorhaben der Ehrenamtlichen Ute Sydow

„Mama Somalia“ wünscht Anlaufstelle für Flüchtlinge

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Ute Sydow

Seckenhausen - Von Andreas Hapke. Die Flüchtlingswelle bedeutet nicht nur für die Verwaltungen eine große Herausforderung. Inzwischen empfinden das auch die ehrenamtlichen Helfer so. Zum Beispiel Ute Sydow, die den Flüchtlingen seit rund einem halben Jahr auf ganz unterschiedliche Weise zur Seite steht und in dieser Zeit ein Netzwerk mit rund 30 Unterstützern gegründet hat.

Für die Koordination der Aufgaben möchte sie nun eine Anlaufstelle gründen. „Ute, please help“ – wann immer dieser Hilferuf bei Sydow aufläuft, dann macht sie sich auf den Weg; vorausgesetzt, es lässt sich mit der Arbeit in ihrem Versicherungsbüro vereinbaren. Angefangen hat ihr Engagement mit dem Kontakt zu zwei somalischen Frauen. „Ich habe sie immer gesehen, wie sie von Seckenhausen aus zu Fuß zu ihrem Deutsch-Kurs in der Alten Schule Jahnstraße gelaufen sind“, erzählt Sydow. „Irgendwann habe ich sie angesprochen und sie mit dem Auto dorthin gebracht. Später auch zum Einkaufen, damit sie auch mal sechs Flaschen Wasser mitnehmen konnten.“ Ihr Spitznamen „Mama Somalia“ wurde im Kreis dieser Frauen geboren.

Bei einer Veranstaltung von „Stuhr ist bunt“ lernte Sydow weitere Flüchtlinge kennen. Sie knüpfte Kontakt zur Ausgabestelle Leeste der Syker Tafel und begleitet seitdem jeden Freitag Migranten dorthin. Erst waren es vier, vergangene Woche bereits 32. Allein diese Aufgabe erfordert inzwischen ein Höchstmaß an Organisation. Die Fahrer sprechen sich donnerstags ab und verteilen sich auf verschiedene Anlaufstellen, etwa auf die Container am Brunnenweg oder die Unterkünfte an der Bremer und der Allerstraße. „Manche Flüchtlinge fahren mit dem Rad, für die nehmen wir auf dem Rückweg nur die Sachen mit.“ Das Netzwerk der Helfer entstand nach einem Aufruf Sydows in der „Hauspost“ der Kirchengemeinden Brinkum und Seckenhausen.

Immer liege irgendetwas an, sagt die Initiatorin, sei es eine Fahrt zum Sozialamt der Gemeinde oder zur Ausländerbehörde in Syke, sei es, dass eine Frau etwas für ihr Baby benötige. „Manchmal schaue ich aber auch einfach nur so an der Unterkunft vorbei.“ Damit meint Sydow die Gebäude an der Allerstraße, denn zwecks effektiverer Betreuung hat sie mit ihren Mitstreitern inzwischen Hauspatenschaften gegründet.

Dass sie eine Qualifikation zur ehrenamtlichen Asylbegleiterin absolviert hat, habe ihr für ihre Tätigkeit „unheimlich viel geholfen“. Ebenso die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde. In einem Fall habe sie dort vorgesprochen, um einen Wohnungswechsel für eine Familie mit zwei Frauen und zwei Kindern zu erreichen. „Die Verhältnisse waren zu beengt, die Jungen konnten sich nicht bewegen. Einer der beiden war stark traumatisiert und verschlossen. Mein schönstes Erlebnis mit Flüchtlingen war bislang, dass er wieder spricht.“

„Am besten zentral,

am besten in Brinkum“

Sydow kümmert sich auch um die Verteilung von Sachspenden. Immer wieder benötigt sie Fernseher, Receiver, Zimmerantennen, Bettwäsche, Badezimmergarnituren, Bade- und Waschbeckenunterschränke, kleine Kommoden und Nachtschränke. „Aber bitte keinen Schrott.“

Man könne viel Bündeln und in Listen eintragen, sagt Sydow. Doch mittlerweile führe eigentlich kein Weg an einer Anlaufstelle mit festen Öffnungszeiten vorbei. „Am besten zentral, am besten in Brinkum.“ Ihr schweben zwei Räume vor, um sich für persönliche Gespräche zurückziehen zu können. Erfahrenere Flüchtlinge könnten sich dort einbringen und den Neuankömmlingen unter die Arme greifen, was zum Teil jetzt schon geschehe.

Das Büro stellt sich Sydow als Mischung aus Beratungsstelle und Treffpunkt vor. Sie möchte ein Kinderwagen-Café einrichten, da viele Mütter noch kleine Kinder hätten. Dies wäre eine Ergänzung zum Sprechcafé im Mehrgenerationenhaus, das inzwischen auch an die Grenzen seiner Kapazitäten gestoßen sei. Für die Gemeinde würde das Büro ebenfalls eine Entlastung bedeuten. „Deren Mitarbeiter könnten auch zu uns kommen“, sagt Sydow.

Grundsätzlich begrüßt das Rathaus dieses Vorhaben. „Dass die Situation eine Herausforderung für die Gemeinde ist, sage ich den Flüchtlingen immer wieder“, berichtet Sydow. In den meisten Fällen hätten die Migranten auch Verständnis dafür. Beschwere sich bei ihr doch mal jemand unberechtigterweise über ein zu kleines Zimmer, dann könne sie auch auf den Tisch hauen. „Das kann man sich leisten, wenn man ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat.“

Ob ihr die Arbeit manchmal zu viel werde? „Nein“, sagt Sydow. „Ich habe da Bock drauf. Ich habe schon immer Spaß daran gehabt, Menschen zusammenzuführen.“

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