Geläutert statt Gefängnis

22-Jähriger hat mit Berufungsverhandlung Erfolg: Bewährung

Stuhr - Von Wiebke Bruns. Gerade mal sechs Wochen lagen zwischen der Verurteilung wegen Wohnungseinbruchdiebstahls zu einem Freizeitarrest und der räuberischen Erpressung, der sich ein heute 22 Jahre alter Angeklagte aus Stuhr im Juni 2016 schuldig gemacht hatte.

Das Jugendschöffengericht Syke hatte im Dezember 2016 eine 18-monatige Freiheitsstrafe verhängt – mangels positiver Sozialprognose ohne Bewährung. Dafür müsse er mehr tun, gab ihm der Staatsanwalt damals zu bedenken. Dies beherzigte der Angeklagte, änderte sein Leben und erhielt in dem Berufungsverfahren am Landgericht Verden die Chance, sich in Freiheit zu bewähren.

Die Hintergründe des Wohnungseinbruchdiebstahls wurden in der Berufungsverhandlung am Landgericht Verden nicht näher erörtert. Bei der räuberischen Erpressung ging es um 150 Euro Schulden aus Drogengeschäften, die ein Jugendlicher bei einem weiteren Mann hatte. Eintreiben wollte dann der Angeklagte das Geld. 

Der Jugendliche konnte nicht zahlen, ihm wurden Schläge angedroht, und der Angeklagte verlangte, gemeinsam zur Bank zu gehen, um den Kontostand zu kontrollieren. Das Guthaben reichte nicht, und er verlangte von dem Jugendlichen die EC-Karte samt PIN-Code, um später Geld abheben zu können. Der Geschädigte gab die Karte heraus, ließ diese aber umgehend sperren.

Für die Schuldfrage spielte es keine Rolle, ob der Angeklagte das Geld für sich oder den Dealer wollte. Ein minderschwerer Fall kam nicht in Betracht, und es erfolgte eine Verurteilung ohne Bewährung.

Um diese zu bekommen, hatte der Angeklagte Berufung eingelegt. Verteidiger René Lancker berichtete in der Berufungsverhandlung von dem gut gemeinten Rat des Oberstaatsanwaltes Thomas Löding in erster Instanz. Die Worte hatten offenbar gewirkt.

„Die letzten neun Monate läuft es ausgesprochen gut“, so der Verteidiger. Der Angeklagte habe sich seiner Familie offenbart, baue sich beruflich eine Perspektive in dem gastronomischen Betrieb der Eltern in Bremen auf und wolle jetzt sein Abitur machen. „Er braucht kaufmännische Kenntnisse, wenn er das Familienunternehmen fortführen will“, so Lancker. „Ich glaube, dass wir ihn vor Gericht nicht wiedersehen werden. Er ist kein schlechter Kerl“, betonte der Verteidiger.

„Ich war jung“, versuchte der geständige Angeklagte seine Taten kleinlaut zu erklären. „Und Sie brauchten das Geld“, vollendete der Vorsitzende Richter Joachim Grebe den Satz.

Ihm können Angeklagte nicht so leicht etwas vormachen, doch in diesem Fall war der Angeklagte überzeugend, und nicht nur der Verteidiger, sondern auch Staatsanwältin Gabriele Weiher plädierten für eine Strafaussetzung zur Bewährung. Die Gesamtumstände inklusive positiver Entwicklung und fester Lebensplanung überzeugten auch das Gericht. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, aber vorsorglich eine dreijährige Bewährungszeit festgelegt.

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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