Die Moordeicherin Martina Klein möchte im MGH einen Literaturtreff etablieren

Zur Not geht auch Goethe

Aus reiner Begeisterung fürs Lesen lädt Martina Klein zum Bücherclub ein. Foto: Jantje Ehlers

Stuhr - Von Andreas Hapke. Eigentlich war das Angebot überfällig. Schon vor längerer Zeit hat das Brinkumer Mehrgenerationenhaus (MGH) ein offenes Bücherregal eingerichtet, das regelmäßig neu bestückt wird. Nun lädt die Einrichtung auch zu einem Literaturtreff ein. „Lesefreunde – der Buchclub im MGH“ nennt sich das neue Angebot, das an jedem vierten Mittwoch im Monat über die Bühne geht. Der Startschuss fällt am 22. Januar um 18.30 Uhr.

Die Initiative ging von Martina Klein aus, die seit März vergangenen Jahres das Literaturcafé in der Syker Stadtbibliothek besucht. „Irgendwann reichte mir das nicht mehr. Ich wollte meine eigene Gruppe gründen“, erzählt die 34-Jährige. „Ich bin lesebegeistert und wollte das vertiefen.“ Der Weg zur MGH-Leiterin Daniela Gräf war kurz, da Klein im selben Haus bereits ehrenamtlich für die Freiwilligenagentur Stuhr arbeitet. Zwei, drei Tage habe sie überlegt, berichtet Gräf. Dann habe für sie festgestanden: „Wir machen das.“

Das Konzept sieht vor, dass sich die Teilnehmer am Ende der Treffen auf ein Buch verständigen, das alle bis zur nächsten Zusammenkunft lesen müssen. Dann tauschen sie sich darüber aus. Gegebenenfalls werde sie das Geschehen mit ein paar Fragen ins Rollen bringen, kündigt Klein an. Wie gefielen die Geschichte, der Schreibstil, die Charaktere? Welche Faszination ging von den Dialogen aus? Was hat einen sonst angesprochen oder bewegt? Daraus könnten sich lebhafte Diskussionen entwickeln. Es gehe auch um den Autor. „War er früher Journalist? Dann erzählt er anders als jemand, der Literatur oder Philosophie studiert hat.“

„Nicht hochgestochen“ sollen die Gespräche ablaufen, betont Klein. Aus diesem Grund wolle sie schwere Kost wie Sachbücher und – möglicherweise daraus resultierende – weltpolitische Diskussionen vermeiden. Ansonsten gilt: Gelesen wird, was gefällt. Klein will da keine Vorgaben machen. Ob zeitgenössische oder klassische Literatur, das spielt für die Leiterin keine Rolle. Nur Bücher mit 500 Seiten müssten es nicht unbedingt sein, denn: „Man kann nicht von sich auf andere schließen und davon ausgehen, dass das jeder bis zum nächsten Treffen schafft.“ Alles sei der Freude am Lesen untergeordnet – und den Wünschen der Teilnehmer. „Wenn die Goethe besprechen wollen, dann geht das auch.“

Einen literarischen Hintergrund bringt Martina Klein nicht mit. Sie sei geprägt durch das, was sie in ihrer Vergangenheit gelesen habe. Für sie stehe die „persönliche Freude am geschriebenen Wort“ im Mittelpunkt – und das Buch an sich. „Ich mag Bücher aus haptischen Gründen. Ich habe auch einen Kindle, benutze den aber praktisch nie.“

Pro Monat würde sie sich zwei bis vier Schmöker vornehmen. „Das Leben ist gut“ von Alex Capus und „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari sind ihre jüngsten Errungenschaften. Sie liebe Bücher mit Hintergrund, bei denen sie etwas über Land und Leute erfahre. „Meinetwegen afrikanische Literatur über den Kongo aus den 1980er- und 1990er-Jahren. Oder warum nicht mal ‘was Japanisches?“ Krimis meide sie, und auch Science Fiction sei nicht ihr Geschmack. Für den Buchclub habe das aber keine Bedeutung, womit sie wieder beim Thema Teilnehmerwünsche wäre: „Wenn jemand Science Fiction will, machen wir das auch.“

Von Bestsellerlisten hält Klein, hauptberuflich Verwaltungsangestellte an der Universität Bremen, überhaupt nichts: „Nur Konsum finde ich schade.“ Sie habe sich auch mal zwei, drei Bücher bestellt, die für den Deutschen Literaturpreis nominiert gewesen waren – und sei enttäuscht gewesen.

Selbst schreiben traut sich Martina Klein nach eigener Auskunft nicht, das könne sie sich nicht vorstellen. Wohl aber, einen Autor einzuladen, „wenn der ins Konzept passt. Ich wäre für jeden Kontakt dankbar.“

Die Treffen sind kostenfrei, Anmeldungen nicht erforderlich. Weitere Infos erteilt das MGH unter 0421/80 60 98 74.

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