Geheimnisse der verlassenen Bank

Rätseln, spielen und basteln in der ehemaligen Sparkasse: Ehepaar Gesell eröffnet die Logithek

+
Durch den Spieletreff in der KGS Leeste ist Peter Gesell (l.) bereits in der Region bekannt.

Im digitalen Zeitalter daddeln alle nur noch am PC oder Handy, könnte man meinen. Doch das ist mitnichten so. Gesellschaftsspiele sind in. „Das ist eine riesengroße Szene“, sagt jemand, der es wissen muss: Peter Gesell ist viel unterwegs in diesem Umfeld. Messen hier, Märkte dort. Ab Januar möchte er selbst größer einsteigen. Gemeinsam mit seiner Frau Miriam eröffnet er die Logithek an der Bahnhofstraße 26 in Brinkum. Die ehemalige Geschäftsstelle der Sparkasse bietet dann Platz für Spiele- und Kreativtreffs sowie Workshops, Kurse und Rätselräume.

Brinkum - Für Spielefreaks aus der Region ist Gesell kein Unbekannter. Der Bremer betreut ehrenamtlich den Weyher Würfel – einen Spieletreff mit 20 bis 25 regelmäßigen Teilnehmern in der KGS Leeste. Wegen des Umbaus der Schule lädt Gesell für den 31. Oktober zur vorerst letzten Zusammenkunft ein, einem Halloweenspieletreff von 12 bis 22 Uhr.

Das Ehepaar ist auch Mitglied im Förderkreis der KGS und hat zum Beispiel Turniere für Schüler ins Leben gerufen. Doch es gebe einen größeren Bedarf an Events als das, was in der Schule möglich sei, sagt Gesell. „Zudem haben wir in der Schule nicht die Lagermöglichkeiten, die wir bräuchten. Wir hätten uns auch unabhängig von der KGS-Sanierung nach einer Alternative umgesehen.“ Sie hätten auch in Weyhe gesucht, aber nichts Passendes gefunden.

In Brinkum wollen die beiden nun das bündeln, was sie bislang leidenschaftlich in ihrer Freizeit ausgeübt haben. Während Peter Gesell für das Spieleangebot zuständig ist und speziell den Brettspielbereich ausbauen möchte, betreibt seine Frau einen „etwas anderen Laden“ unter anderem mit Kunsthandwerk, handgemachten Kleinigkeiten, Geschenkideen sowie Material für ihre Workshops. Spiele und Laden – das spiegelt sich in dem Namen Logitech wider, den die beiden von Logik und Theke abgeleitet haben.

An zwei Mittwochabenden im Monat lädt die freiberufliche Kunsthandwerkerin Miriam Gesell zu Encaustic-Grundkursen ein. Dahinter verbirgt sich Malerei mit Bienenwachs. Ihr Laden ist am Mittwoch- und Samstagvormittag geöffnet.

Die Brettspieler sollen künftig nicht nur – wie in Weyhe – an zwei Mittwochabenden zu ihrem Recht kommen, sondern zusätzlich auch an einem Freitagabend sowie an zwei kompletten Sonntagen. Dann beginnt der offene Treff mit einem gemeinsamen Frühstück, anschließend darf bei Peter Gesell gespielt oder bei Miriam Gesell gebastelt werden. „Wir haben die Erlaubnis für Gastronomie und Sonntagsöffnung“, sagt Gesell und fügt hinzu: „Kein Alkohol, keine Steaks, sondern Sachen wie Kuchen, Panini und Salate.“

Die Rätselräume sind an je zwei Donnerstagen und Freitagen im Monat sowie an einem Samstag geöffnet. Dort sollen die Besucher in Gruppen von zwei bis fünf Personen die „Geheimnisse der verlassenen Bank“ lösen, analog und digital. Dafür haben sie 60 Minuten Zeit. Alte Einrichtungen der Sparkasse, etwa die Schließfächer, will Gesell dafür einbeziehen. Einer der drei Rätselräume ist für kleine Besucher gedacht. Laut Gesell hat das Ehepaar Kontakt zur Kinderbuchautorin Tanja Maria Pütz und darf die Inhalte ihrer „Bono und Ora“-Bücher für seine Zwecke nutzen. Die Encaustic-Grundkurse kosten 25, die offenen Treffs 2,50 und die Rätselräume pro Gruppe 45 Euro. Montag und Dienstag sind Ruhetage.

Gesell hat nach eigener Auskunft schon immer gespielt, von Kindesbeinen an. „Ich habe auf den Rückseiten der Bretter meine eigenen Pläne aufgemalt und eigene Spielregeln entworfen.“ Heute lese er gerne Anleitungen von Spielen. „Ich will sie verstehen und den Leuten, die zu uns kommen, erklären können. Wenn etwas unverständlich ist, schreibe ich den Entwickler an.“

Seine Leidenschaft muss er an seinen Nachwuchs vererbt haben, vier Kinder im Alter von 12 bis 18 Jahren. „Wir spielen als Familie viel. Die müssen nicht, die wollen“, sagt Gesell. Wenn es nach ihm geht, darf eine Partie gerne Stunden dauern. Aufbauspiele etwa fallen in diese Kategorie, „da passiert ‘was“.

Gesell nennt Barrage als Beispiel. Auf einer Großbaustelle hoch oben im Gebirge sollen riesige Staudämme und Wasserkraftwerke entstehen. Mit ihrer Hilfe soll die benötigte Energie gewonnen werden, die die Welt so dringend braucht. Angefangen habe es mit „Siedler von Catan“, das Gesell als „Einfallstor für Aufbauspiele“ bezeichnet. Seitdem habe sich auf diesem Sektor viel getan.

Rund 100 Spiele hat das Ehepaar in Brinkum auf Lager. Klassiker wie Monopoli oder Risiko zählen allerdings nicht dazu. Das Angebot werde sich fortwährend verändern, kündigt der 44-Jährige an. „Ich kann mich gut von Spielen trennen.“ Computerspiele betrachtet er nicht als Konkurrenz, eher im Gegenteil. „Die Bereiche können sich gegenseitig befruchten“, sagt Gesell und nennt die App von einem Brettspiel als eine Möglichkeit.

Gesell möchte die Logithek nur als Nebengewerbe betreiben. „Ich bleibe auf jeden Fall Steuerberater“, betont er. Überwiegend werde seine Frau vor Ort sein.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Trump: Türkei verkündet dauerhafte Waffenruhe in Nordsyrien

Trump: Türkei verkündet dauerhafte Waffenruhe in Nordsyrien

Schnuffi - verzweifelt gesucht

Schnuffi - verzweifelt gesucht

Tui setzt auf eigene Hotels und Ausflüge

Tui setzt auf eigene Hotels und Ausflüge

Der Fassmacher vom Burgenlandkreis

Der Fassmacher vom Burgenlandkreis

Meistgelesene Artikel

19-Jährige will Klimaschutz-Bewegung in Barnstorf gründen

19-Jährige will Klimaschutz-Bewegung in Barnstorf gründen

Geballte gute Laune der Majestäten und Gefolge

Geballte gute Laune der Majestäten und Gefolge

Hunderte Landwirte aus dem Kreis Diepholz auf den Straßen: „Die haben uns unterschätzt“

Hunderte Landwirte aus dem Kreis Diepholz auf den Straßen: „Die haben uns unterschätzt“

Wahl-Diskussion in Weyhe: Vier Bewerber wollen Nachfolger von Bovenschulte werden

Wahl-Diskussion in Weyhe: Vier Bewerber wollen Nachfolger von Bovenschulte werden

Kommentare