Inhaber reißt ab, baut neu, gestaltet um

Große Pläne für das Gasthaus Nobel - Investitionen in der Krise

Klaas Nobel plant sein Übernachtungsangebot aufzustocken. Zu den bisherigen drei Schlafplätzen sollen noch sechs weitere dazukommen.
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Klaas Nobel plant sein Übernachtungsangebot aufzustocken. Zu den bisherigen drei Schlafplätzen sollen noch sechs weitere dazukommen.

Sich anpassen. Das ist nicht nur das Stichwort in puncto Coronakrise, sondern auch mit Blick auf die Zukunft vieler Betriebe wichtig. Klaas Nobel ist sich dessen bewusst und hat dafür einige Pläne aus der Schublade gezogen, die er nun in die Tat umsetzen will. Der Inhaber des Gasthauses Nobel in Moordeich hat so einiges vor.

Moordeich – Da sich Kunden mittlerweile etwas anderes wünschen würden als noch in den 70er- bis 2000er- Jahren, müsse sich sein Betrieb zukünftig anpassen und weiterentwickeln. Damit einhergehen für Nobel und seine Räume einschlägige Veränderungen: Ein Abriss, ein Neubau, eine Erweiterung und eine Umgestaltung.

Den ersten Punkt kann der 48-jährige Gastronom schon abhaken. Zwei Gebäude aus den Jahren 1871 und 1929 des Gasthauses wurden bereits dem Erdboden gleich gemacht, darunter auch der Saal, in dem vorher die Stuhrer Vereine ihre Feste feierten. „Das waren echte Schätzchen. Dementsprechend traurig war es, sie abzureißen“, erklärte der Unternehmer, der vor einigen Jahren noch mit dem Gedanken spielte, mit seiner Familie selbst in eines der alten Gebäude zu ziehen. Doch alleine ein Blick auf die Kosten der zu erneuernden Technik ließ ihn die Pläne schnell wieder vergessen.

Gasthaus Nobel: Größe des Saals passt nicht zu Kundenwünschen

Außerdem habe die Größe des Saales nicht mehr zu den Wünschen der Kunden gepasst, denn Veranstaltungen, wie Hochzeiten, würden heute mit viel weniger Gästen gefeiert werden als früher. „Wir haben gemerkt, dass die Zahlen mit dem riesigen Saal nicht mehr in dem Maß aufgegangen sind, wie wir sie gebraucht hätten“, erläutert der Gastronom. „Früher in den 1950er- bis 1960er-Jahren hat der Gast angerufen und ein Event zumeist mit 110 oder mehr Personen angemeldet. Fast das Einzige, was dann geklärt werden musste, war, ob die Gesellschaft ihr Büfett selber mitbringt, oder ob wir es ausrichten“, sagt der Moordeicher. Heutzutage sei das „Drumherum“ enorm aufwendig geworden und zur eigentlichen Feier würden nur wenige Gäste geladen.

Um dieses Phänomen besser zu verdeutlichen, nennt der 48-Jährige ein Beispiel aus seinem Unternehmen: „Zwei Schwestern wollten heiraten. Die eine rief bei uns an und plante eine Hochzeitsfeier im herkömmlichen Sinne mit rund 120 Personen. Zwar hatte sie noch einige zusätzliche Vorstellungen, was das Event betraf, aber die hielten sich wirklich im Rahmen. Ihre Schwester allerdings sagte ab. Denn sie wollte lieber in einem Hotel heiraten mit einem besonderen Ambiente und mit nur 80 Gästen, da die Unterkunft sonst zu teuer gewesen wäre.“ Nobel möchte natürlich beide Schwestern bedienen können. Damit das gelingt, musste der große Saal also weg und die Räume umgestaltet sowie die bestehenden Übernachtungsmöglichkeiten erweitert werden.

Gasthaus Nobel: Moordeicher weiß, was er will

An das Kaminzimmer und die Veranda soll schon bald der Eingangsbereich an der Seite angegliedert werden – was ohne große bauliche Änderungen zusätzliche 90 Quadratmeter bedeutet. Aus diesem Zusammenschluss soll dann der neue Clubraum entstehen. Zwar ist bisher noch nicht viel passiert, aber der Moordeicher weiß, was er will. Er deutet auf eine Wand, hinter der sich bereits ein Tresen befindet. „Die eine Seite werden wir für den Innenbereich nutzen, die andere für den Außen- und Gartenbereich, der dort entstehen soll, wo damals der Saal stand“, erklärt der Unternehmer. Auch ein Büfett sowie eine gemütliche Sitzecke sollen Platz im neuen Clubraum finden.

Und plötzlich ist der alte Saal verschwunden: Die Abrissarbeiten sind abgeschlossen. Zurück bleibt ein rund 3 000 Quadratmeter großes Grundstück. Dort möchte Gasthausinhaber Klaas Nobel unter anderem einen Wohnkomplex errichten.

Hinter einem Schrank versteckt luken die Eichendielen für den zukünftigen Fußboden hervor. „Die habe ich eigenständig aus dem alten Bauernhaus gerettet“, verrät Nobel. Das ist aber nicht der einzige und auch nicht der wertvollste Schatz, den der Gastronom aus den Trümmern zog. Sein ganzer Stolz ist eine alte Dielentür, die er aktuell bei einem Tischler aufarbeiten lässt, und die später in den Clubraum integriert werden soll. Stilistisch möchte sich der Gastronom also an den historischen Gebäuden orientieren, doch auch Modernes soll Einzug in die Umgestaltung finden.

Gasthaus Nobel Moordeich: Neuer Clubraum für Weihnachtsfeiern und Kohlpartys

„Ich suche immer nach klaren Formen und Linien – und warm muss es sein“, erklärt er und präsentiert zum besseren Verständnis das 2013 renovierte Restaurant. Ein Brand hatte dieses kurz nach Nobels Gasthausübernahme von seinem Vater Heinz in Schutt und Asche gelegt. Mit Blick auf das warme Echtholz, die tropfenförmigen Lampen und die Bernsteinbilder an der Wand, ist klar, was der 48-Jährige designtechnisch favorisiert.

Der neue Clubraum sollte eigentlich bereits für Weihnachtsfeiern und Kohlpartys in diesem Jahr zur Verfügung stehen. Durch Corona und den erneuten Lockdown sei dies aber alles unsicher geworden, meint der Gastronom.

Um die zweite heiratswillige Schwester zufriedenstellen zu können und gleichzeitig seine Geldbörse zu schonen, müssten aber nicht nur kleinere Räume her, sondern auch ein Hotel. Das hat er ja zum Glück schon. Nur ist es zu klein. Die beiden bestehenden Zimmer mit insgesamt drei Schlafplätzen sollen erweitert und Platz für rund neun Übernachtungsgäste geschaffen werden. Die Hotelzimmer seien bisher „herkömmlich“ eingerichtet. Etwas „mega Modernes“ will Nobel daher nicht hinzufügen. „Der Stil soll ähnlich fortgeführt werden. Die Leute sollen reinkommen und das bekommen, was sie erwarten“, verrät er.

Und plötzlich ist der alte Saal verschwunden: Die Abrissarbeiten sind abgeschlossen. Zurück bleibt ein rund 3 000 Quadratmeter großes Grundstück. Dort möchte Gasthausinhaber Klaas Nobel unter anderem einen Wohnkomplex errichten.

Klaas Nobel hat aber noch weitere Pläne, denn der Gastronom sprüht nur so vor Ideen und wenn er etwas will, dann ist er nach eigenen Angaben „stur wie ein Panzer“. Die leere rund 3 000 Quadratmeter große Fläche, die durch den Abriss des Saales zum Vorschein kam, muss schließlich auch irgendwie genutzt werden. Nobels Plan: Dort soll zukünftig ein Komplex mit mehreren Wohnungen entstehen. Für dieses Vorhaben hat sich der Gastronom Partner gesucht, und zwar den Cloppenburger Bauunternehmer Thomas Sauer und den Stuhrer Makler Jürgen Oestmann von Oestmann und Ahrens.

Gasthaus Nobel: „Der Moordeich ist momentan sehr beliebt“

„Dieses Projekt weitestgehend aus der Hand zu geben, war eine rein kaufmännische Entscheidung. Ich habe es allein versucht, aber mein Kerngeschäft ist die Gastronomie“, sagt der Unternehmer. Wenn alles glatt läuft, soll das neue Gebäude im Herbst des kommenden Jahres fertig sein. „Es gibt schon Anfragen. Der Moordeich ist momentan sehr beliebt“, meint der 48-Jährige, der mit seiner Familie in der oberen Etage des Gasthauses wohnt. Aber die Baustellengeräte stehen noch still, denn die Baugenehmigung liege aktuell noch nicht vor. Und so lange hält Nobel die Füße still. Eigentlich sollte es schon im März dieses Jahres mit dem Bau losgehen, doch dann kam Corona. Und aus vergangenen Projekten weiß der Moordeicher: „Es gibt immer eine Überraschung.“ Doch sobald auch das erledigt ist, gibt es einen weiteren Punkt auf der Liste abzuhaken.

Obwohl noch alle Hände voll zu tun sind, ist der Gastronom schon dabei, an einem neuen Projekt zu tüfteln. Dieses fällt zwar kleiner aus, als sein derzeitiger „Masterplan“, aber es geht auch um die Details. Denn der Kamin im gleichnamigen Kaminzimmer funktioniere nicht wie gewünscht. Diesen will der 48-Jährige wieder in Gang bringen und ihn mit einer Glasplatte verkleiden. „Doch ich habe gehört, dass in den kommenden Jahren eine neue Schornsteinverordnung gelten soll. Auf die müssen wir noch warten“, sagt er.

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