Tierheim Arche Noah wird von Anfragen überrollt / Sorgfältige Prüfung bei Vermittlungen

Gassi gehen in der Krise total angesagt

Auf gehts zum Spaziergang: Die Langzeitsitzer (v. l.) Marie und Timmy freuen sich auf die Gassirunde mit Mitarbeiterin Nadine Yavuz.
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Auf gehts zum Spaziergang: Die Langzeitsitzer (v. l.) Marie und Timmy freuen sich auf die Gassirunde mit Mitarbeiterin Nadine Yavuz.

Brinkum – Die Corona-Pandemie hat nicht nur Schattenseiten. Zwar nerven Kurzarbeit und Homeoffice so manchen Arbeitnehmer, doch die freie Zeit, die dadurch entsteht, ist ein Geschenk für das Tierheim Arche Noah in Brinkum. Darüber freuen sich besonders dessen fellige Bewohner. „Es gibt unheimlich viele Anfragen von Menschen, die mit unseren Hunden Gassi gehen wollen. Das ist super“, berichtet Tierheimleiterin Mareike Bergmann.

Schulung und Prüfung sind Pflicht

Insgesamt gebe es aktuell rund 60 Stamm-Gassi-Geher, und während der Krise wollten noch viele weitere dazukommen. Das ist aber nicht so einfach, denn dafür müssen bestimmten Voraussetzungen geschaffen werden. Zum einen muss vorher der theoretische Teil des niedersächsischen Hundeführerscheins absolviert und anschließend beim Tierheim Arche Noah vorgelegt werden. Zum anderen müssen angehenden Gassi-Gänger zukünftig an einer Schulung teilnehmen. Alle sechs Wochen gebe es einen Termin, bei dem ihnen alles gezeigt werde und sie die Gassi-Regeln lernen. Aufgrund der aktuellen Lage sowie zur besseren Betreuung dürfe das Tierheim jedoch nur jeweils sechs Teilnehmer gleichzeitig auf seinem Außengelände schulen. Durch den Boom an Anfragen seien die Schulungen aber bereits bis zum Februar des kommenden Jahres ausgebucht, sagt Bergmann. „So viele gab es noch nie“, fügt die 31-Jährige hinzu, die bereits seit vier Jahren den Posten als Tierheimleiterin innehat.

Gassi gehen unter Coronabedingungen

Feste, bereits geschulte Gassi-Gänger dürfen trotz der derzeitigen Schließung der Einrichtung für den Besucherverkehr mit den Fellnasen spazieren gehen – allerdings unter strengen Corona-Bedingungen. Niemand außer den Angestellten darf aktuell das Tierheim betreten, weswegen sich Spazierfreunde draußen über ein Walki-Talki anmelden müssen und anschließend einen Hund zugeteilt bekommen. Natürlich besteht auch dabei Maskenpflicht. „Besonders Sonntagsnachmittags ist die Schlange lang“, erklärt Bergmann. Insgesamt stehen 25 Vierbeiner zum Ausgehen zur Verfügung, darunter auch schwierige Fälle, die beim Spaziergang einen Maulkorb tragen müssen. Doch die würden sich genauso über den Auslauf freuen, so die Leiterin.

Tiere sind keine Überträger des Virus

Während der Pandemie kam schon einmal die Frage auf, ob Haus- und Nutztiere das Virus übertragen könnten. Doch laut der Welttierschutzgesellschaft (WTG) gebe es bisher keine ausreichenden Belege dafür, dass Hunde, Katzen und Mäuse Überträger seien. Ebenso gelte Konsens darüber, dass Nutztiere das Virus nicht übertragen. Sie alle würden nach dem derzeitigen Wissensstand als „epidemiologische Sackgasse“ für Sars-CoV-2 betrachtet werden. Sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) seien sich einig, dass in den bisher bekanntesten Fällen nicht die Tiere infiziert oder erkrankt waren, sondern das Virus kurz vor den Tests über mit Sars-CoV-2 infizierten Menschen an das Tier gelangt sei. Auch Mareike Bergmann ist noch kein an Corona erkranktes Tier vor die Nase gekommen. „Falls dieser Übertragungsweg zukünftig jedoch trotzdem explodieren sollte, werden wir selbstverständlich Vorkehrungen treffen“, meint sie.

Viele Menschen zeigen Hilfsbereitschaft

Aber nicht nur die Gassi-Anfragen beim Tierheim Arche Noah seien gestiegen, das Postfach sei ebenfalls voll mit E-Mails, in denen Menschen ihre Hilfe anbieten würden und beispielsweise in der Einrichtung putzen wollten, sagt die 31-jährige Tierliebhaberin. Doch auch das sei wegen der Corona-Krise aktuell nicht möglich. Gestrichen ist zudem das sonst so beliebte Katzenkuscheln, da dieses ausschließlich drinnen über die Bühne geht.

Langzeitsitzer aktuell im Fokus

Ein weiterer positiver Nebeneffekt der Corona-Pandemie betrifft die Tiere direkt. „Durch die Schließung sind sie momentan viel entspannter, ansonsten kommen ja immer viele Leute zum Gucken“, sagt die Leiterin. Vermittlungsgespräche würden übrigens auch weiterhin vereinbart werden können, jedoch nur mit Terminabsprache. Und da hatte das Tierheim in diesem Jahr bereits den eine oder anderen Erfolg zu feiern. „Da momentan keine Hunde aus Rumänien kommen, sind die Langzeitsitzer mehr in den Vordergrund gerückt. Das ist wirklich schön“, freut sich Bergmann.

Zukünftige Besitzer unter die Lupe nehmen

So einfach ist es, allerdings nicht, ein Tier zu adoptieren, – vor allem nicht in der aktuellen Zeit. „Wir mussten viele Anfragen ablehnen. Das betraf meistens die von typischen Corona-Leuten oder Homeoffice-Menschen. Die denken einfach nicht an die Zeit nach der Pandemie“, erläutert die 31-Jährige. Das Arche-Noah-Team schaut diesbezüglich besonders sorgfältig hin. Das Tierwohl steht für sie an erster Stelle. Deswegen werde auch immer nach einem Plan B gefragt und die zukünftigen Besitzer genau unter die Lupe genommen: Gibt es einen Garten? Was passiert mit dem Hund, wenn das Herrchen in Quarantäne oder wieder zurück ins Büro muss? Wer geht dann mit ihm spazieren? „Die alternativen Gassi-Gänger wollen wir dann auch kennenlernen“, versichert Bergmann.

Das Problem aktuell seien die spontanen Tierkäufe über das Internet. Es hätten sich unheimlich viele Menschen einen Welpen angeschafft, berichtet Bergmann. Das würden Anmeldezahlen der Welpenschulen bestätigen. „Da kann ich nur hoffen, dass das gut geht und die Fellnasen nach der Pandemie nicht wieder abgegeben werden.“

Von Nala Harries

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