Expansion des Recyclingunternehmens

GAR in Fahrenhorst: „Ein nützlicher Betrieb am falschen Standort“

Eine Gruppe Menschen in einem Wald.
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Während einer öffentlichen Führung berichtet Jürgen Schierholz (r.) am Rande des Fahrenhorster Staatsforstes über die Expansionspläne des Recyclingbetriebs.

Angesichts wachsender Müllberge bezweifelt niemand die Notwendigkeit von Recyclingbetrieben – auch nicht die Teilnehmer eines Spaziergangs, der am Samstag zum Recyclingpark Kastendiek der GAR führte. Der Betrieb befinde sich aber am falschen Standort, sagt Exkursionsleiter Jürgen Schierholz.

Fahrenhorst – Mitte der 1960er-Jahre entstanden in Kastendiek, auf einem Geestrücken in unmittelbarer Nachbarschaft zur Gemeinde Stuhr, Sandabbaugebiete, auf denen sich später zwei Industriebetriebe angesiedelt hatten: ein Kalksandsteinwerk und die Gesellschaft für Abfall und Recycling (GAR), die dort heute den sogenannten „Recyclingpark Kastendiek“ betreibt.

Für Samstag hatte der Stuhrer Ortsverein der Grünen zu einer öffentlichen Führung rund um den Recyclingbetrieb eingeladen. Man wolle auf die bereits seit Längerem diskutierten Expansionspläne des Unternehmens hinweisen und auf die Gefahren, die im Rahmen einer Flächenerweiterung verstärkt für Mensch und Natur in Fahrenhorst und umzu bestehen, schreibt Michael Wischniewski-Purrmann, Vorsitzender des Ortsvereins der Grünen, in seiner Einladung. Zwölf Teilnehmer, vorwiegend Bewohner der naturnahen Fahrenhorster Waldsiedlung, hatten sich der Info-Wanderung angeschlossen.

Vorschlag: Umzug mit Förderung durch die EU

Die Leitung des fast fünf Kilometer langen Spazierganges hatte Jürgen Schierholz übernommen. Das Mitglied des Stuhrer Ortsvereins der Grünen ist Kandidat bei den kommenden Kommunalwahlen. Der 71-Jährige wohnt in Fahrenhorst und hatte bereits vor Jahren die „Bürgerinitiative Landschafts- und Umweltschutz Nordwohlde und Fahrenhorst“ ins Leben gerufen. Rund 75 Mitglieder zählt diese Bürgerinitiative (BI) nach eigenen Angaben. Der wäre es am liebsten, die GAR würde ihren gesamten Betrieb nach Bassum-Wedehorn umsiedeln. Dort, nahe der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG), gebe es ausreichende Flächen, sagt Schierholz. Fördergelder der Europäischen Union (EU) zur Entwicklung ländlicher Räume könnten zur Finanzierung der Umzugskosten angezapft werden, meint Schierholz.

Die Erweiterungsabsichten der GAR zulasten einer etwa drei Hektar großen, bewaldeten Ausgleichsfläche seien bereits vor fünf, sechs Jahren geäußert worden. 30 Jahre alte Eichen stehen dort, teilweise noch ältere Bäume. Nach den Vorstellungen der GAR soll der Wald gerodet und versiegelt werden, um dort Parkplätze und Abstellmöglichkeiten für Container zu schaffen – als Ersatz für eine beim benachbarten Kalksandsteinwerk gepachtete Fläche.

„Neuerdings dürfen da auch Gefahrstoffe gelagert werden“, sorgt sich ein Teilnehmer um die Sicherheit. „Wir ärgern uns darüber, dass der Betrieb mit einer ‚Salamitaktik’ scheibchenweise erweitert werden soll. Nie gibt es eine richtige Bürgerbeteiligung“, meint Anwohner Arend Kölsch, der inzwischen begonnen hat, auf dem Waldweg zwischen Forst und GAR-Betrieb Plastikteile einzusammeln, die der Wind aus dem Lager mit Verpackungsmaterial dort hingetragen hat.

„Schade, dass Dialog nicht mehr besteht“

„Im Hinblick auf den Großbrand zu Pfingsten letzten Jahres bereitet mir die Anlage Angst“, sagt Anwohnerin Kerstin, die schon seit 50 Jahren in Fahrenhorst wohnt. „Die riesige Rauchwolke konnte man bis nach Delmenhorst und in Syke sehen. Das war ganz dramatisch.“ 2011 war im Zuge einer Mediation ein „Nachbarschaftsdialog“ zwischen der GAR und der BI installiert worden. „Ich finde es schade, dass der Dialog nicht mehr besteht“, bedauert Friedrich Wilhelm Bösche.

„Zu der ursprünglichen Betriebsgenehmigung von 1999 sind alle zwei Jahre beim Gewerbeaufsichtsamt zusätzliche Genehmigungen beantragt worden, um die Kapazität auszuweiten“, sagt Jürgen Schierholz. „Aufgrund der neuesten Anträge auf Erweiterung müssen wir jetzt wirklich mal einen Punkt setzen. Diese Anlage mitten in einem Landschaftsschutzgebiet anzulegen, das war das eigentliche Ärgernis, das die Politik damals zugelassen hat. Nun wäre es angesichts des Klimawandels an der Zeit, umzudenken und nicht alte politische Fehler aus den 1970er-Jahren zu zementieren.“ Er ärgere sich auch darüber, dass behauptet werde, die Anlage liege nicht in einem Landschaftsschutzgebiet, sondern grenze nur an ein solches.

Die Notwendigkeit einer solchen Anlage angesichts wachsender Müllberge zieht keiner der Beteiligten in Zweifel. „Das ist ein durchaus nützlicher Betrieb“, räumt Schierholz ein, „der hat nur den falschen Standort.“

Von Rainer Jysch

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