Weltkatzentag: Besuch im Tierheim

Kaum eine Fundkatze ist kastriert

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Zum Streicheln bleibt Monique Gawronski wenig Zeit. Manche Miezen ziehen sie und ihre Kollegen mit der Flasche auf. Alle zwei bis drei Stunden müssen sie die Kleinen füttern – auch nachts. Das kostet Zeit und auch Geld. Ein 2,5-Liter-Eimer gutes Aufzuchtmilch-Pulver kostet knapp 200 Euro.

Brinkum - Von Katharina Schmidt. „Oh, sind die süß!“ – So oder so ähnlich reagieren wohl die meisten, die einen Blick auf die Kitten in dem Brinkumer Tierheim Arche Noah erhaschen können. Anlässlich des heutigen Weltkatzentags haben wir den Miezen und den Menschen, die sich um sie kümmern, einen Besuch abgestattet. Und festgestellt: Die kleinen Stubentiger sind nicht nur niedlich, sondern machen auch jede Menge Arbeit.

Das Team des Tierheims wird derzeit regelrecht mit Katzen überschwemmt. „Für diese Zeit des Jahres ist das normal“, erzählt Monique Gawronski, Leiterin der Katzenabteilung. Derzeit umsorgt die Arche Noah 80 Samtpfoten. Diese kommen auch aus dem Landkreis Rotenburg, weil ein Tierschutzverein dort keine Fundtiere mehr aufnimmt. Insgesamt ist in Brinkum Platz für 90 bis allerhöchstens 100 Katzen.

Mindestens die Hälfte der derzeitigen schnurrenden Bewohner im Brinkumer Tierheim sind Kitten. Neugierig tapsen sie umher, pirschen sich an Besucher heran oder testen, wie Schnürsenkel wohl schmecken. Den ganzen Tag mit den flauschigen Vierbeinern verbringen – klingt nach einem Traumjob. 

Doch so entspannt, wie manche vielleicht denken, ist die Arbeit im Tierheim nicht. „Wir kuscheln nicht die ganze Zeit mit den Katzen. Das ist das, wofür am wenigsten Zeit bleibt“, erzählt Monique Gawronski. „Wir müssen putzen, füttern, einkaufen, zum Tierarzt fahren, Texte schreiben, E-Mails schreiben, ans Telefon gehen... .“

„Hexe“ wartet seit fünf Jahren auf ein neues Zuhause.

Die Liste der Aufgaben, die sie aufzählt, ist lang. Kein Wunder, dass ihr und ihren Kollegen in der Katzenabteilung – zwei Vollzeitkräfte, ein Auszubildender und eine Jahrespraktikantin – zum Schmusen kaum Zeit bleibt. Zum Glück gibt es ehrenamtliche Helfer, die nicht nur beim Laubharken oder Rasenmähen mit anpacken, sondern die Tiere auch gern betüdeln.

Bei fast allen Katzen, die im Tierheim abgegeben werden, handelt es sich um Fundtiere. Manche streifen heimatlos umher, obwohl sie augenscheinlich nicht verwildert sind, andere werden in Boxen am Waldrand gefunden. Was ihnen zuvor zugestoßen ist, darüber lässt sich in aller Regel nur spekulieren. 

Fest steht: Kaum ein Tier wird von Besitzern wieder nach Hause geholt, obwohl das Tierheim über jeden Neuankömmling auf Facebook informiert. Monique Gawronski schätzt, dass die Quote der Rückkehrer bei etwa fünf Prozent liegt. „Es passiert tatsächlich sehr selten“, bedauert sie.

Was ist das für ein blitzendes Gerät? Neugierig schaut diese Katze in die Kamera.

Noch geringer sei die Zahl der Miezen, die gechipt und kastriert seien. Die Tierpflegerin hat nicht den Eindruck, dass sich daran durch die Einführung der Kastrations- und Kennzeichnungspflicht viel geändert hat. „Es hält sich keiner dran“, so ihr Eindruck. „Und es wird leider nicht kontrolliert.“ Manche Menschen würden zudem denken, dass es wichtig und wertvoll für ihre Katze sei, ein Mal im Leben Mutter zu werden. „Das ist Blödsinn“, so Gawronski. „Tiere handeln nach Instinkten, nicht nach menschlichen Gefühlen.“

Im vergangenen Jahr hat das Brinkumer Tierheim 300 Katzen aufgenommen. 250 wurden im gleichen Zeitraum an neue Besitzer vermittelt. Weitere haben den Weg zurück in ihr altes Zuhause gefunden, mussten eingeschläfert werden oder warten noch auf „ihren“ Menschen. Das Team des Tierheims ist unter Telefon 0421/890 171 oder im Internet zu erreichen.

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