Elektronik von Straschu aus Stuhr befindet sich auch in Merkels beleuchtetem Schminkspiegel

Ganz nah an der Bundeskanzlerin

Der Erste Gemeinderat Ulrich Richter begrüßt die Besucher des Wirtschaftsforums. In der ersten Reihe sitzen die Straschu-Geschäftsführer (v.l.) Ina Schütte, Gerald Nitsch und Olaf Pannenborg. Foto: Jantje ehlers

Stuhr - Von Andreas Hapke. Als einer von mehreren Geschäftsführern der Straschu-Gruppe denkt Olaf Pannenborg stets an die Zukunft seines Unternehmens. Dies kam schon in dem Thema des 16. Stuhrer Wirtschaftsforums am Donnerstagabend im Ratssaal zum Ausdruck: Unter der Überschrift „Herausforderungen annehmen – Zukunft managen“ stellte Pannenborg gemeinsam mit seinen beiden Geschäftsführerkollegen Ina Schütte und Gerald Nitsch die Straschu Holding in drei Impulsreferaten vor. Zukunft hin, Zukunft her: Für den Bruchteil einer Sekunde war Pannenborg seiner Zeit etwas weit voraus. Da schrieb er der Firma einen Jahresumsatz von 166 Millionen Euro zu, tatsächlich sind es 66 Millionen Euro. Die knapp 120 Besucher fanden das lustig.

Straschu beschäftigt inzwischen rund 400 Mitarbeiter an neun Standorten. Pannenborg bezeichnete die Kollegen als das Kapital der Firma, sie stünden „im Mittelpunkt des Handelns“.

Das Unternehmen, das bei seiner Gründung im Jahr 1908 noch Schiffe im Bremer Hafen ausgestattet hatte, vertreibt elektronische und elektrotechnische Komponenten wie Leiterplatten für die Industrie und den Anlagenbau. Nahezu jeder ist damit schon in Berührung gekommen, etwa wenn er im Airbus einen Kaffee getrunken hat. „In der Flugzeugküche sind komplexe Systeme für das Powermanagement verbaut“, erklärte Pannenborg. Komponenten der Firma befänden sich in Rettungswagen, Mobilkränen und Baggern, aber auch im beleuchteten Schminkspiegel der Bundeskanzlerin. „Da sind wir ganz nah dran.“ Nur als eigene Marke tauche Straschu nicht auf.

Die Firmenphilosophie ist ambitioniert: „Denken Sie an Elektronik und Elektrotechnik, sollte Ihr erster Gedanke Straschu sein.“ Diese Überzeugung spiegelte sich auch in dem Versprechen Pannenborgs an die Zuhörer wider: „Wenn Sie nachher mit der Zahnbürste in den Spiegel schauen, werden Sie denken: Das war ein gelungener Abend.“

Dafür sollten auch die Ausführungen seiner beiden Kollegen sorgen. Ina Schütte, Geschäftsführerin der Straschu Holding, ging auf die Firmengeschichte ein, die maßgeblich zur Einführung des „Management Beteiligungsmodells“ geführt hat. Gründer Straßburg habe das Unternehmen 40 Jahre allein vorangebracht, erst mit 64 Jahren einen Nachfolger eingearbeitet, diesen noch zwölf Jahre begleitet und sich letztlich erst mit 76 Jahren aus dem Geschäft zurückgezogen. Nachfolger Hermann Schumacher verstarb bereits neun Jahre später. „Ein Desaster. Kein Inhaber, kein Nachkomme“, so Schütte. In Gerhard Liebig übernahm dann doch noch ein Bekannter der Familie die Geschäfte. Gemeinsam mit Witwe Magdalene Schumacher teilte er die Firmenanteile auf die nachfolgende Generation auf – der Beginn des Beteiligungsmodells, um eine Lücke in der Unternehmensnachfolge auszuschließen.

Heute gehören dem Vorstand laut Schütte neun leitende Personen an: Geschäftsführer, Prokuristen sowie Verkaufs, Finanz- und technische Leiter. Sie treffen sich mindestens einmal pro Monat.

Wie kommen bei Straschu notwendige Informationen in einem angemessenen Zeitraum von den Mitarbeitern über die Team- und Abteilungsleiter zu den Geschäftsführern? Wie kann der umgekehrte Weg funktionieren? Das garantiere das erst ein Jahr alte „Shopfloor Management“, das der Geschäftsführer der Straschu Industrie Elektronik, Gerald Nitsch, erklärte.

Dahinter verbergen sich tägliche Treffen um 9.15 Uhr an einer Tafel auf dem Shopfloor, also direkt an der Produktionsstätte. Verantwortliche des Lagers, der Produktion, des Prüffelds, des Qualitätswesens und der Produktionsplanung teilen der Geschäftsleitung den aktuellen Stand aus ihren Fachbereichen mit. Was ist am Vortag, was bis 9.15 Uhr passiert? Laut Nitsch geht es um die Kommunikation relevanter Kennzahlen. „Wird viel Ware kommissioniert, ist ein Andrang bei der Produktion zu erwarten“, nennt Nitsch auf Nachfrage ein Beispiel. Ein anderes: „Ein Defekt muss nicht dort entstanden sein, wo das fehlerhafte Teil entdeckt wird. Es kann bereits so aus dem Lager gekommen sein. Wir müssen in Prozessen denken, über die einzelnen Bereiche hinaus.“

Erst während des Treffens tragen die Teilnehmer ihre aktuellen Kennzahlen auf dem Papier an der Tafel ein. „Was man handschriftlich verfasst, bleibt im Kopf.“ Dann beginnt gegebenenfalls schon die gemeinsame Suche nach Lösungen.

Eingangs der Veranstaltung hatte der Erste Gemeinderat Ulrich Richter die Gäste begrüßt: „Ich bin in Stuhr und arbeite für Stuhr, und ich sage das mit Stolz.“ Dies habe viel damit zu tun, was die Gemeinde zu bieten habe. Er nannte die qualitativ hochwertige Kinderbetreuung und die Ausstattung der Schulen als Beispiele. Sein Dank galt ausdrücklich den anwesenden Unternehmern, die dies mit ihrer Gewerbe- und Umsatzsteuer ermöglichten, aber auch mit ihren insgesamt 14387 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen, von denen die Gemeinde über den Anteil an der Einkommensteuer profitiere.

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