Und die Enten kommen auch bald ...

Alle Gänse sind schon da: Bei Familie Düßmann aus Blocken ist schon so gut wie Weihnachten

Hofbesitzer Anja und Uwe Düßmann nähern sich Gänse, diese ergreifen die Flucht.
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Selbst wenn die Hofbesitzer Anja und Uwe Düßmann sich nähern, ergreifen die Gänse die Flucht.

Weihnachtsstimmung im Sommer? Für Familie Düßmann ist das Jahr für Jahr Alltag. Dann kommen die Gänse, die an Weihnachten als Festbraten über den Tresen gehen, als Küken am Hof an.

Blocken – „Wenn die Gänse kommen, ist bald Weihnachten“, sagt Anja Düßmann und lacht. Insofern dauert das Fest in ihrer Familie ein gutes halbes Jahr. Denn alle Gänse sind schon da, und zwar längst. Ende Juni, Anfang Juli kommen sie als Küken auf den Hof Düßmann in Blocken, knapp 120 an der Zahl. Das ist schon seit Jahrzehnten so, wie Landwirt Uwe Düßmann berichtet.

Und doch war in diesem Jahr etwas anders als sonst. Denn normalerweise erhalten die Düßmanns den Gänsenachwuchs aus einem Betrieb in Cloppenburg. „Der musste seinen kompletten Bestand wegen der Geflügelpest keulen“, sagt Uwe Düßmann. Diesmal stammen die Gänse aus Osnabrück.

Weihnachtsgänse ein halbes Jahr vor dem Fest auf dem Hof Düßmann

Die Tiere sind pflegeleicht, was Wetter und Nahrung angeht. Bei strömendem Regen genießen sie auf der großen Wiese der Düßmanns ihre Freiheit. Nur in den ersten sechs, sieben Wochen ist Wasser weitgehend tabu, weil die Tiere dann ihr Daunenkleid ausbilden. Als Nahrung reicht ihnen Hafer mit Weizen und etwas Kraftfutter. „Ansonsten“, sagt Anja Düßmann, „sind sie den ganzen Tag draußen und picken Gras. Eigentlich sind das sogar Bio-Gänse, aber wir haben kein Zertifikat.“

Während die Gänse ein halbes Jahr benötigen, um als Festbraten über den Tresen zu gehen, reichen bei Enten rund 100 Tage. Auch dieses Federvieh lassen sich die Düßmanns kommen – allerdings auf einen weiteren Hof in Heiligenrode. „Dort kümmert sich der Mieter um die Tiere“, erklärt Anja Düßmann. Entennahrung bestehe hauptsächlich aus Kraftfutter.

Im November geht es mit den Bestellungen für Gänse los, meistens zum Martinstag. 2020 lief das Geschäft trotz – oder gerade? – wegen Corona gut. „Wir haben ja keine Restaurants als Kunden, sondern nur Privatleute“, sagt Uwe Düßmann. „Da alles geschlossen war und sie nicht essen gehen konnten, mussten sie sich ihr Festmahl zu Hause zubereiten.“

Die ersten Bestellungen für Ente habe ich schon. Wir operieren mit Warteliste.

Anja Düßmann

Doch auch sonst haben die Düßmanns selten Probleme, alle ihre Enten und Gänse zu verkaufen. „Die ersten Bestellungen für Ente habe ich schon“, sagte Anja Düßmann. „Wir operieren mit Warteliste.“ An Heiligabend vergangenen Jahres hätten sogar zwei Kunden Glück gehabt, da Gänse nicht abgeholt worden seien. Aufstocken will das Ehepaar sein Kontingent an Tieren trotzdem nicht. „Man weiß nicht, wie so ein Jahr läuft“, sagt Uwe Düßmann. „Und mehr schaffen wir auch gar nicht“, fügt Anja Düßmann hinzu. „Wir verkaufen ja noch Tannenbäume aus eigenem Anbau.“

Ob der Preis minimal angehoben wird, steht noch nicht fest. „Das Gänsefutter ist teurer geworden“, sagt Uwe Düßmann. „Das Hühnerfutter in diesem Jahr sogar schon dreimal.“ Der Verkauf von Eiern aus eigener Produktion auf Wochenmärkten bildet das Hauptgeschäft der Düßmanns. Dafür wird auch Gemüse vom Großmarkt zugekauft.

Hof Düßmann schlachtet seine Gänse und Enten selbst

Dem Großteil der Gänse geht es vier Tage vor Weihnachten an den Kragen. Da der Betrieb seine Enten und Gänse nur an Privatleute verkauft, darf er selbst schlachten. Einen Tag sind vier, fünf Leute von morgens bis abends damit beschäftigt. Dann wird das Geflügel als Frischfleisch verkauft. „Mit den Enten fangen wir im November nach und nach an“, sagt Anja Düßmann. „Die werden zum Teil eingefroren, oder aber die Kunden frieren sie bei sich ein.“

Zwei bis vier Kilo schwer sind die Enten zum Zeitpunkt des Verkaufs, viereinhalb bis sechs, sieben Kilo die Gänse. Je nachdem, ob Männlein oder Weiblein. „Doch das sieht man bei Gänsen nicht“, sagt Anja Düßmann. Nur vorbestellte Ware wird mit zum Wochenmarkt genommen.

Bis vor fünf Jahren haben die Düßmanns noch Federn von Hand gerupft. „Erst die großen, dann die Daunen für die Betten“, erzählt Anja Düßmann. „Doch mit Federn kann man nix mehr verdienen.“ Deshalb werden die Federn jetzt nur noch mit der Rupfmaschine entfernt.

Geflügelpest in Stuhr vorerst kein Thema mehr

Das Ehepaar ist heilfroh, dass sich das Thema Geflügelpest in Stuhr vorerst erledigt hat. Der Landkreis hatte das Beobachtungsgebiet in Teilen der Gemeinde kürzlich aufgehoben. „Gänse müssen sich draußen aufhalten, mal die Flügel ausbreiten“, erklärt Anja Düßmann. Anfang November vergangenen Jahres hatte die Familie ihre Gänse, Enten und Hühner einsperren müssen.

Außer der Geflügelpest kann den gefiederten Freunden noch der Fuchs gefährlich werden. Vier Gänse hat er vor zwei Jahren gestohlen. Hund Buddy merkt zwar, wenn jemand den Hof betritt. Doch verhindern konnte er den Angriff nicht.

Seit 40 Jahren verkaufen die Düßmanns auf ihrem Hof Gänse. Das Problem, einen Nachfolger zu finden, hat die Familie (noch) nicht. „Der Sohn hat schon gesagt, dass er das weitermachen würde“, sagt Uwe Düßmann. „Allerdings ist er erst acht Jahre alt. Mal sehen, was passiert.“

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